weather-image
-2°
20 000 Fans bei "Umsonst& Draußen" / Reserveparkplatz muss geöffnet werden

Die Sonne versinkt - und 40 Bands machen in Veltheim die Nacht zum Tag

Veltheim (ly). Sonnabend, 21.15 Uhr. Lars Schulz, Geschäftsführer des Vereins "Umsonst& Draußen Kultur", ist voll im Stress. "Wir haben gerade den Reserve-Parkplatz geöffnet", ruft er und hetzt weiter. Das bedeutet: Platz für weitere 800 Autos, das Festival am Kraftwerk brummt. Auf der Hauptbühne an der Weser liefert "Dr. Ring Ding" gerade eine perfekte Hommage an die Großen des Reggae, bevor es Mark Foggo und seine "Skasters" krachen lassen. Allein auf dem Gelände vorm Absperrgitter drängen sich mehrere tausend Menschen, viele tanzen mit.

veröffentlicht am 04.08.2008 um 00:00 Uhr

Vor der Hauptbühne drängen sich die Menschen. Das Kraftwerk sorg

Erst Stunden nach Mitternacht tritt die letzte Band von der Bühne ab, umjubelt wie alle. Insgesamt werden es rund 40 Gruppen sein an diesem Wochenende, die Newcomer auf der Plattform am Bahndamm mitgerechnet. Etwa 20 000 Zuschauer, verteilt über drei Tage und damit etwa so viele wie 2007, dürften dabei gewesen sein. Beschwerden von Anwohnern? Zwei oder drei. Am Sonntagmorgen hat Lars Schulz, zugleich Pressesprecher des Vlothoer Vereins, etwas mehr Zeit. Er sitzt im Zelt hinter der Bühne, um ihn herum ein paar Dutzend der insgesamt 150 ehrenamtlichen Helfer, die keinen Cent für ihren Einsatz verlangen. Die meisten haben kaum geschlafen in den letzten beiden Nächten, Schulz vielleicht fünf Stunden - zusammen. "Wenn bemängelt wird, dass junge Menschen sich nicht mehr engagieren, ist dieses Festival das Gegenbeispiel", sagt der Geschäftsführer. "Die Leute nehmen dafür ihren Jahresurlaub." Natürlich ist "Umsonst& Draußen", der Dinosaurier unter den deutschen Open-Air-Festivals (seit 1975), für jeden Helfer eine Belastung, für den Vorstand des Vereins aber wohl am meisten. "Wir tragen Verantwortung für Mitarbeiter, für Besucher, für alles", erklärt Schulz. Er kann gar nicht oft genug betonen, wie super die Zusammenarbeit klappt mit freiwilliger Feuerwehr (alle Portaner Löschgruppen sind vertreten) und DRK, mit Kraftwerk und Ordnungsamt, Polizei und Bundespolizei. So haben etwa die Leute vom Kraftwerk, das den Strom liefert, mitten in der Nacht auf dem kurzen Dienstweg noch drei Scheinwerfer organisiert. Auf einem Parkplatz nahe der Bahn hat das DRK Barkhausen (Porta Westfalica) sein Lager aufgeschlagen. Mindestens 15 Helfer sind im Einsatz, dazu ein eigener Arzt des Ortsvereins. Bis Sonntagmorgen haben sie in etwa 100 Fällen erste Hilfe geleistet werden, 15 Menschen sind zur Weiterbehandlung ins Mindener Klinikum transportiert worden. "Für ein Festival dieser Größenordnung sind das eher wenige", sagt der stellvertretende Rotkreuzleiter Björn Engler. Es sind aber gleichzeitig mehr als 2007, wobei das DRK diesmal von einer größeren Besucherzahl ausgeht. Diverse Insektenstiche hat es gegeben, ein paar Schlägereien, Stürze, Probleme mit dem Kreislauf und Krampfanfälle. Außer der Hitze mag auch Alkohol eine größere Rolle gespielt haben mag. Doch das ist ebenfalls nichts Ungewöhnliches, wenn 20 000 Menschen eine riesige Party feiern. Eine Frau ist am Samstag mit Malaria ins Krankenhaus gekommen. "Ansteckungsgefahr hat zu keinem Zeitpunkt bestanden", gibt Engler Entwarnung. Ansteckend ist bei "Umsonst& Draußen" nur die Stimmung.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare