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Umjubeltes Geigen-Klavier-Konzert eines hochbegabten Geschwisterpaares

Die Skrides triumphieren im Kaminsaal

Stadthagen (dis). Es hat nicht lange gedauert, bis die gefeierte Geigerin Baiba Skride und deren "kleine" Schwester, Pianistin Lauma, das Publikum imüberfüllten Kaminsaal des Schlosses aus der Reserve locken konnten.

veröffentlicht am 26.10.2007 um 00:00 Uhr

Die umjubelte Werkfolge bei der Eröffnungs-Veranstaltung des Vereins Kultur Stadthagen begann mit Debussys "Sonate für Violine und Klavier", deren rhapsodischer Gestus und harmonischer Reiz sehr subtil nachgezeichnet wurden. Nebenbei bemerkt: Feinabstimmung ist bei Debussy noch schwieriger und entscheidender als bei Mozart. In den drei Sätzen versammelt sich außer lyrischer Sanglichkeit auch Erregendes und Kapriziöses. Das alles verdeutlichte das hochbegabte Geschwisterpaar mit Virtuosentum reinsten Wassers und fand einhellige Akzeptanz bei den Zuhörern. Mit reichem, reinen Geigenton und bezwingender Sanglichkeit verlieh der temperamentvolle 26-jährige Jungstar anschließend der "Sonate für Violine und Klavier" von Maurice Ravel Biss sowie höchst pikant abgeschmeckte Würze. Die ein Jahr jüngere Lauma trotzte dem Flügel ihrerseits die nötige Klangfülle ab und so kam es, dass das Duo in bester Eintracht - aber nicht ohne Verve und Wagemut - mit einer bis in die feinsten Nuancen ausgehorchten Ravel-Darbietung glänzte. Herrlich delikat, ja geradezu lasziv tauchten die Profis übrigens den zweiten Satz, einen ins Artifizielle überhöhten Blues, in schummriges Zwielicht. Als Klavierexperte hat Beethoven seine berühmte Kreutzer- Sonate für Klavier und Violine komponiert. Baiba rückte ihr Instrument aber temperamentvoll ebenfalls in den Vordergrund, entfachte ein mitreißendes Brio und faszinierte durch bezwingend unprätentiöse Musikalität. Auf diese Weise produzierten sich zwei exzellente Künstlernaturen mit atemgleicher Präzision und Harmonie, die Raum und Zeit vergessen ließen. Man spürte die alle Sinne und Energien beanspruchende Aussageverpflichtung der beiden um jeden Takt. Beethoven wäre gewiss genau so entzückt davon gewesen wie die hellauf begeisterten Besucher im Kaminsaal, die sich zwei Zugaben erklatschten. Dieser bezaubernde Abend ist auf besondere Initiative von Ursula und Uwe Hagemann zu Stande gekommen.

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