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Bewegung, Beschäftigung, Belohnung: Wie Sennenhunde zum Gefährten des Menschen erzogen werden

Die richtige Fährte zum familientauglichen Freu nd

Auetal. Figo ist heute in großer Form. Er tänzelt, tändelt, ist kaum zu halten, er ist hochmotiviert. Figo ist elf Monate, ein ganz junger Berner Sennenhund und hat noch nicht oft Fährten gesucht.

veröffentlicht am 04.10.2006 um 00:00 Uhr

Der Berner Sennenhund ist der bekannteste Vertreter der Schweize

Autor:

Frank Westermann

Ganz anders Björn. Drei Jahre alt, damit fast ausgewachsen, auch wenn ab und an immer noch der Teen durchschimmert, folgt er mit seiner Nase dicht über dem Gras der ausgelegten Spur. Ihm macht man so schnell nichts vor, ihn stört auch nicht der über die Wiese wehende scharfe Wind, bei der Spurensuche ist er ein alter Hase, der auch mal abkürzt und sich dann die Spur wieder erschnüffelt. Hier muss sie irgendwo sein, das sagt ihm seine ganze Erfahrung. Und tatsächlich, da liegt ein versteckter Gegenstand: Björn legt sich hin und verweist so auf sein Fundstück - so soll es sein. Besitzerin Hannelore Kaspers ist hoch zufrieden. Hunde, so erklärt es Norbert Bachmann, Veterinär in Rolfshagen und Präsident des Schweizer Sennenhundvereins Deutschland, wollen gefordert und erzogen werden, damit sie sozialisierte, familientaugliche Gefährten des Menschen sind. Und zur artgerechten Hundehaltung gehört neben regelmäßiger Bewegung auch die Beschäftigung mit ihnen. Eine Art ist die Fährtensuche, die dem "Nasentier" Hund besonders liegt. Sie steht daher im Mittelpunkt der Ausbildungswoche des Schweizer Sennenhunde-Vereins für Deutschland, die zurzeit im Auetal stattfindet. Beim diesem so genannten "Fährten" wird vom Hundeführer - später auf Prüfungen vom Fährtenleger - eine "Spur" gelegt, der der Hund von einem Ansatzpunkt exakt folgen muss. Je nach Ausbildungsstand des Hundes kann so eine Fährte bis zu 2000 Schritt, also fast zwei Kilometer lang sein. Beim höchsten Schwierigkeitsgrad der Fährte werden auf der Fährte acht Gegenstände niedergelegt, die der Hund korrekt verweisen (anzeigen) muss. Die Fährte hat spitze und rechte Winkel und einen Bogen. Als besonders erschwerend kommt hinzu, dass sie vor dem Absuchen mindestens drei Stunden liegen muss. Und in dieser Zeit kann viel passieren, was später bei der Suche den Hund arg irritieren kann: Kinder, Wild oder andere Hunde können sie überquert und interessante und frische Gerüche verursacht haben. Regen, Schnee und Sturm erschweren die Suche. Ein gut ausgebildeter Fährtenhund ignoriert die Verleitungen - eine wird sogar absichtlich durch eine fremde Person gelegt - und findet seinen Weg bis zum letzten Gegenstand. Und dort gibt es immer eine Belohnung, denn das Fährten soll mit einem für den Hund positiven Erlebnis enden. Denn nur wenn der Hund wirklich suchen wolle, wenn er Lust habe, dann gehe er los, erklärt Bachmann: "Druck hilft gar nicht." Und das gemeinsame Fährtensuchen schweiße Hund und Herrchen zusammen: "Dann werden sie ein richtig gutes Team." Und: Findet er eine Fährte nicht mehr, dann wird eben eine neue (und nicht ganz so schwere) Fährte gelegt - der Hund beendet seine Aufgabe immer mit einem Erfolgserlebnis. Beim Fährten sind Hundeführer und Hund ein aufeinander eingespieltes Team. Deshalb gehört zur Fährtenwoche unabdingbar auch die Ausbildung in der Basisdisziplin Gehorsam. Auch wenn Mensch und Tier eine Einheit sind, ein echtes Team, so gibt es doch eine klar strukturierte Hierarchie: Der Hund muss gehorchen. Dass es für ihn Grenzen gibt, die auch er zu respektieren hat, das lernt er früh. Nach sechs Wochen, so erklärt Bachmann, würden Welpen erstmals diese Grenzen im Umgang mit Menschen aufgezeigt - wie bei einem Kleinkind auch. Und je früher der Mensch mit der Erziehung seines Hundes beginnt, umso besser ist das Ergebnis. Bachmann bietet daher auch eine Welpenschule an, in der diese Erziehung geübt werden kann. Wie gut sie funktioniert, führte er gestern mit seiner Hündin "Anna" vor: Da konnten noch so viele Rüden stehen oder liegen, "Anna" hatte beim Rundgang und Rundlauf nur Augen für die linke Hand ihres Herrn. Von dort kamen nämlich die Leckerli, die es immer gibt, wenn der Hund etwas richtig macht.

So ist es richtig: Die Schnauze kurzüber dem Gras, sucht Figo na
  • So ist es richtig: Die Schnauze kurzüber dem Gras, sucht Figo nach der Fährte.
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