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Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Stadthagen / Konrad Freiberg fordert Entlastung

"Die Polizei braucht mehr Spezialisten!"

Landkreis (jcp). Die deutsche Polizei ist den Herausforderungen durch moderne Kriminalität immer weniger gewachsen. Diese These hat der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei beim dritten Stadthäger Abendgespräch erläu tert.

veröffentlicht am 04.09.2008 um 00:00 Uhr

Der Schaumburger Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses, Sebastian Edathy, moderierte die Veranstaltung. Als Diskussionsgrundlage hielt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, einen Vortrag mit dem Titel "Für unsere Sicherheit arbeiten Menschen". Schwerpunkt des Referats: Auch bei der Polizei leisten immer weniger Menschen immer mehr Arbeit für immer weniger Geld. Alle anderen Probleme im Zusammenhang mit der inneren Sicherheit schienen Freibergs Vortrag zufolge an diesen Grundmissstand gekoppelt. So argumentierte der Kriminalhauptkommissar etwa: "Die Leute, die den Bundeswehreinsatz im Inneren befürworten, weil die Polizei ihre Aufgaben nicht mehr bewältigen könne, sind dieselben, die der Polizei immer mehr Mittel streichen wollen." Zu privaten Sicherheitsdiensten sagte Freiberg: "Die unterliegen den Gesetzen der Freien Marktwirtschaft und müssen ihre Leistungen so günstig wie möglichanbieten." An Flughäfen läge die Fehlerquote der Privaten - zum Beispiel bei Versuchen, in denen eine Testperson eine Pistole an Bord schmuggelt - zwischen 30 und 50 Prozent. Das läge daran, dass die Sicherheitsleute mitunter eine 70- bis 80-Stundenwoche arbeiten müssten, um von den teils "miesen Stundenlöhnen" leben zu können. Weitere Herausforderungen stellten die zunehmende "Wochenendgewalt" im Zusammenhang mit Fußballspielen und die Verbreitung von Kinderpornografie oder auch terroristischen Inhalten über das Internet dar. Die dringend benötigten IT-Techniker seien kaum für das Bundeskriminalamt zu gewinnen. Es gebe Fälle, in denen sich Dateien auf beschlagnahmten Festplatten nicht öffnen ließen- "weil wir nicht genug Spezialisten dafür haben." Bei der Diskussion waren sich Redner, Moderator und das Publikum einig: "Es gibt Bereiche, die nicht privatisiert werden dürfen." Die düstere Anschauung, die Freiberg vielfach wiederholte: "Es wird erst hingesehen, wenn etwas Schlimmes passiert ist." Freibergs erwähnte in diesem Zusammenhang das Beispiel "USA": Dort seien die Flugsicherheitskontrollen nach dem 11. September 2001 verstaatlicht worden.

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