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Schäferhof: Michael Müller neuer Leiter

Die Pflegekräfte müssen zu viel Büroarbeit leisten

Rehren (la). "Wir haben bereits zum Startüber 40 feste Anmeldungen vorliegen und sind sicher, dass das Haus bald vollständig belegt ist", hatte der Geschäftsführer der Medicare Seniorenresidenz Schäferhof, Helmut Müller, vor zwei Jahren bei der feierlichen Einweihung des Hauses in Rehren gesagt. Doch diese Erwartungen wurden nicht erfüllt. Bis heute hat es gedauert, dass der Schäferhof, der 115 Senioren ein neues Zuhause bieten könnte, im Auetal an Akzeptanz gewonnen hat. "Wir freuen uns jetzt über ständig steigende Bewohnerzahlen", sagte Michael Müller, der am 1. Juni dieses Jahres die Heimleitung übernommen hat.

veröffentlicht am 05.08.2008 um 00:00 Uhr

Zwei Jahre nach der offiziellen Einweihung leben im "Schäferhof"

"Im Auetal werden noch viele alte Menschen zu Hause versorgt", stellte Helmut Müller fest. Das sei bei der Planungsanalyse nicht so deutlich herausgekommen. "80 Plätze hätten in Rehren ausgereicht", gab der Geschäftsführer zu. Am Haus und an den Pflegekräften könne es nicht liegen, dass erst gut die Hälfte der Zimmer belegt sei. Die Heimaufsicht würde das Haus stets loben und habe nichts zu beanstanden, so Müller. Trotzdem ist immer wieder von Bewohnern, Angehörigen und regelmäßigen Besuchern zu hören, dass etwas in der Pflege zu beanstanden ist. "Das Pflegepersonal wechselt ständig, und es gibt auch zu wenige Mitarbeiter, die sich um die Bewohner kümmern", sagte eine Angehörige gegenüber unserer Zeitung. Dies bestritten Vater und Sohn Müller in einem Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Stellenberechnungsgrundlage der Krankenkasse, die sich nach der Bewohnerzahl richtet, wird monatlich von der Heimaufsicht kontrolliert, und wir liegen mit 106 Prozent Pflegepersonal immerhin sechs Prozent über dem geforderten und vorgeschriebenen Wert", sagte Helmut Müller. Auch einen häufigen Personalwechsel wollten die Verantwortlichen nicht bestätigen. "Zu Beginn hatten wir viele alte Menschen zur Kurzzeitpflege aufgenommen", so Helmut Müller. Da sich die Zahl der Pflegekräfte nach der Anzahl der Bewohner richte, habe es dadurch eine gewisse Fluktuation gegeben. "Was sich hier abgespielt hat ist völlig normal", betonte der Medicare-Geschäftsführer. Im vergangenen halben Jahr seien von 28 Köpfen in der Pflege nur drei ausgeschieden. Außerdem seien in den letzten Monaten sechs Pflegekräfte Mütter geworden und damit in der Erziehungszeit. Das Management der Medicare stelle sich aber stets neu auf die Gegebenheiten ein. "Knapp bemessenes Personal ist zum Großteil eine Sache der Krankenkassen, die den Pflegeschlüssel vorschreiben", so Müller senior. Das Pflegepersonal des Schäferhofs sei zahlenmäßig ausreichend, gut ausgebildet und würde ständig intern und extern fortgebildet. "Allerdings geht immer mehr Zeit für administrative Dinge verloren", stellte Helmut Müller fest. Examinierte Pflegekräfte würden 40 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Büroarbeit verbringen. "Diese Zeit fehlt den Bewohnern am Pflegebett", so Helmut Müller. Außerdem sei es immer schwieriger, gutes - oder überhaupt - Personal zu finden. "Es werden immer weniger examinierte Pflegekräfte ausgebildet und die Verweilzeit in der Pflege sei mit drei bis fünf Jahren ohnehin sehr gering. "Länger bleibt kaum jemand in dem Beruf, weil er zu schwer und sehr anstrengend ist", so Helmut Müller. Den Bewohnern in der Seniorenresidenz Schäferhof gehe es sehr gut. "Viele Beschwerden liegen an der anderen Sichtweise, an einer anderen Empfindung und am schlechten Gewissen der Angehörigen", stellte Helmut Müller fest. Angehörige hätten oft Ängste und seien misstrauisch. "Dabei sollten sie die Zeit mit den alten Menschen genießen. Sie brauchen sie nur in unserem Haus zu besuchen - alles andere nehmen wir ihnen ab", so Helmut Müller.

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