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Die Pflanzenliebhaberei

Die Pflanzenliebhaberei ist im wahren Sinne des Wortes eine liebenswerte Eigenschaft des Gärtners. Dabei kann diese jedoch auch extravagante Züge annehmen. So gehörte es früher in besseren Kreisen zum guten Ton, dass für die begehrten Zitronen- und Orangenbäume besondere Überwinterungshäuser – die Orangerien – gebaut wurden. War der Garten größer, so gehörten weitere Ausstaffierungen wie Grotten, Tempel, Brunnen und derlei Spielereien dazu. Auf die Spitze getrieben haben es dabei einige gartenverrückte Engländer. So ließen manche Besitzer weitläufiger Parkanlagen zur Zeit des englischen Landschaftsgartens an den Grenzen ihrer Gärten sogenannte „model villages“ bauen, die bewohnt wurden und in denen das gesunde und heile Landleben nachgespielt werden sollte.

veröffentlicht am 04.06.2011 um 02:21 Uhr

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Den mindestens genau so hohen Stellenwert in diesen Parks und Gärten hatten jedoch auch immer die Pflanzen. Neben der Stärkung der Kolonialmacht England dienten die Forschungs- und Entdeckungsreisen auch dem Zweck, neue und unbekannte Pflanzen aus fremden Ländern einzuführen. Anhand von Gartenplänen, Pflanzenlisten oder anderen schriftlichen Aufzeichnungen lässt sich in vielen Fällen sogar das genaue Alter der großen Gehölze, sprich der Bäume bestimmen. Die ältesten ihrer Art, ob Exot und Zugereister oder einheimischer Baum, nennt man in England „Champion tree“, eine würdige Bezeichnung für diese Ehrfurcht einflößenden Baumveteranen.

In unserer schnelllebigen Zeit ist es kaum vorstellbar, dass das Anlegen dieser Gärten vieler Jahre bedurfte und – noch wichtiger – dass die Intensionen und Ideen, die damit verbunden waren, erst nach einer weiteren Menschengeneration zum Tragen kamen. Denn bis eine Sichtachse, eine Baumallee, Gehölzgruppen oder andere Gestaltungsmerkmale eines Landschaftsgartens deutlich werden, bedarf es eines sehr langen Zeitraumes. Fünfzig Jahre sind für einen Baum kein hohes Alter, doch stellen Sie sich vor, dass Sie ihren Garten gestalten, wohl wissend, dass erst ihre Kinder in den Genuss ihrer Ideen kommen. Nichts für ungeduldige Gärtner. Nur gut, dass die meisten Gärten wesentlich kleiner sind und es gar nicht die Absicht sein kann, auf engstem Raum eine idealisierte Landschaft nachzubauen. In den heutigen Hausgärten geht es einfach darum, einen Ort den eigenen Bedürfnissen nach zu gestalten. Ob es ein altengerechter Garten ist oder ein kleines Kinderparadies – eines haben alle Gärten gemeinsam, ohne dass man sie nicht als einen solchen bezeichnen würde: Es wachsen Pflanzen in ihnen. Diese gilt es kennenzulernen, denn nur, was man kennt, kann man auch verstehen. Schön dabei ist, dass die immer notwendige Gartenarbeit sehr zur Kenntnis beiträgt.

Steigt mit der Kenntnis die Lust am Gartenthema, so kommen immer wieder neue Ideen hinzu, die ausprobiert werden wollen. So vermehrt beispielsweise ein Nachbar seine Rosen, indem er Stecklinge von alten Sträuchern schneidet und diese in seinem Rosenkinderbeet mit großer Hingabe betreut. Daraus ist eine Liebhaberei entstanden. So ist sein Garten heute ein bunter Rosengarten geworden, in dem mehr als 100 verschiedene Sträucher stehen.

Im eigenen Garten habe ich dieses Jahr festgestellt, wie dankbar manche Stauden reagieren, wenn sie geteilt und frisch gepflanzt werden. So sind aus einer großen Mutterpflanze Wieseniris vier Kinder geworden, die gar nicht schnell genug wachsen können und mich mit einer so noch nie da gewesenen Blütenfülle erfreuen. Und gibt es zu dieser Zeit etwas Schöneres als die Irisblüte?



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