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Aber Zahl der Lebensmittel-Spenden steigt mit / Orange Schürzen als "Ausweis" für die Ehrenamtlichen

Die Not wächst: Freitags schon 160 "Tafel"-Gäste

Bückeburg (tw). Die Zahl der Bedürftigen, die für ihren Lebensunterhalt auf Nahrungsmittel der "Bückeburger Tafel" mit Sitz an der Dammstraße angewiesen sind, steigt und steigt. "Inzwischen stehen jeden Montag und Mittwoch bis zu 100 Familien vor unserer Tür, freitags sind es sogar 140 bis 160", sagt Mitarbeiterin Karin Gerstenberg. Die meisten, aber längst nicht alle sind Bückeburger. Rar machten sich allein Altersrentner - obwohl gerade sie die Hilfe bitter nötig hätten. Doch: "Sie haben in der Nachkriegszeit gelernt, mit dem wenigen, was sie damals hatten, über die Runden zu kommen und versuchen das auch heute noch", sagt Gerstenberg.

veröffentlicht am 02.05.2006 um 00:00 Uhr

"Gute Geister" der Warenausgabe: Die neuen Schürzen schweißen di

Die Zahl von bis zu 160 Familien ist - weil sie die wachsende Not auch im Landkreis Schaumburg spiegelt - die schlechte Nachricht. Die gute: "Anders als die ,Tafel' in Lingen, die unlängst im NDR-Fernsehen über Defizite beim Warenzulauf geklagt hat, können wir uns vor Lebensmittelspenden der Märkte kaum retten", berichtet Bückeburgs "Tafel"-Vorsitzender Gerhard Brunzema. Bis auf zwei gäben alle Märkte mittlerweile Lebensmittel, die kurz vor Ablauf der Haltbarkeit stehen,an die "Tafel" ab. Inzwischen setze die Organisation das vier- bis zehnfache dessen um, was die Partner in Rinteln und Stadthagen unter die Leute brächten. Beleg dafür: Der Kühlwagen allein reicht nicht mehr aus, um die Waren abzuholen. "Inzwischen", sagt Brunzema, "müssen wir bei Gemüse und Brot bereits auf ein DRK-Fahrzeug zurückgreifen". Um das "Wir-"Gefühl innerhalb der Organisation noch zu steigern, aber auch, um die Mitarbeiter bei den Märkten eindeutig als "Tafel"-Beschäftigte auszuweisen, geht der Vorsitzende jetzt einen neuen Weg: "Wir haben alle 32 Ehrenamtlichen mit orangen Schürzen und dem Schriftzug ,Bückeburger Tafel' ausgestattet", sagt Brunzema. "Dafür", so Gerstenberg, "haben wir zwei Ballen Stoff gekauft. Die Firma Hahne in Kleinenbremen hat daraus besagte Schürzen geschneidert und sie auch bestickt". Mit der Anfertigung unterstützte die "Tafel" zugleich die heimische Wirtschaft. Die Schürze als "Ausweis": Das scheint nötig, denn: "Immer wieder müssen wir erleben, dass sich ,andere' bei den Waren, die die Märkte für uns bereitstellen, bedienen", weiß Brunzema. Wer das - nicht selten unter der "Tarnkappe" der Tafel - tut? "Ich weiß es nicht", sagt der Vorsitzende. "Würde ich es wissen, würde ich dagegen vorgehen." Zu denjenigen, denen die am 1. Dezember 1999 gegründete "Bückeburger Tafel" unter die Arme greift, gehören Rentnerinnen und Rentner, Arbeitslose, Schüler, Studenten, Teilzeitbeschäftigte, Wohngeldempfänger und Gepfändete. Brunzema: "Die Bedürftigkeit wird von uns an hand des Einkommensbescheids geprüft." Ein Namensabgleich stelle sicher,dass sich die Empfänger nicht - parallel zu Bückeburg - auch bei anderen Tafeln eindecken. Öffnungszeiten : montags, mittwochs und freitags, 14 bis 16 Uhr.

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