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Schon 160 Beisetzungen im FriedWald Kalletal / Führungen nehmen die Scheu

Die Naturübernimmt die Grabpflege: Bestattung unter Bäumen im Wald

Kalletal-Erder (who). Die Urnenbeisetzung unter einem Wald-Baum wird für immer mehr Menschen eine echte Alternative zum konventionellen Begräbnis. Dass diese Beisetzungsart keine Domäne von Anhängern nicht-christlicher Weltanschauungen oder von romantischen Naturfreunden ist, belegt seit 2004 der "FriedWald" in Erder.

veröffentlicht am 25.08.2006 um 00:00 Uhr

Nach der Führung scheinen die meisten Teilnehmer unbefangener im

Was ein "FriedWald" ist, zeigen und erklären die Initiatoren bei regelmäßigen Führungen durch den "Ihmser Bruch", ein Waldgebiet links der Straße zwischen Varenholz und Erder. Über 150 Interessenten waren bei einer der letzten Führungen dabei. Sabine Gleisner-Kuß als Mitarbeiterin der "FriedWald GmbH" aus der Nähe von Darmstadt stellte die Einrichtung vor als "eine neue Form der Bestattung, bei der die Asche Verstorbener direkt zwischen den Wurzeln eines Baumes beigesetzt wird". Ein "FriedWald", so der geschützte Name, sei kein Waldfriedhof, sondern Teil des Waldes und nicht auf den ersten Blick als Begräbnisplatz zu erkennen. Seit Eröffnung des FriedWaldes im Kalletal sind dort schon rund 160 Beisetzungen geschehen, erklärt Friedrich Steinmann als Mitarbeiter des Landesverbandes Lippe aus dem Forstrevier. Ebenso viele Beisetzungsplätze seien bereits durch Vorsorgeverträge reserviert. Angesichts der großen Nachfrage sei es angeraten, gewünschte Plätze beziehungsweise Bäume vorsorglich zu sichern. Die Bäume, die schon zu Lebzeiten ausgesucht werden können, werden jeweils durch farbige Bänder gekennzeichnet. Blau zum Beispiel weist einen so genannten Familien- oder Freundschaftsbaum aus, unter dem die Asche mehrerer Personen beigesetzt werden kann. In Erder hat sich sogar ein ganzer Rudervereineinen Baum reservieren lassen. Ein Hauptgrund für die Entscheidung zur Bestattung im FriedWald ist neben dem Wunsch, in der freien Natur begraben zu werden, für viele offenbar die zunehmende gesellschaftliche Mobilität mit häufigeren Wohnortwechseln im Laufe eines Lebens. Eine Mutter aus Bad Salzuflen, die zusammen mit ihrem Ehemann und dererwachsenen Tochter zur Führung nach Erder gekommen ist, erklärt: "Unsere Tochter konnte unseren Wunsch erst nicht verstehen. Dass sie aber auch weiter in dieser Gegend leben und die Grabpflege übernehmen würde, wenn wir beide schon längst nicht mehr da sind, konnte sie auch nicht garantieren." Damit war die Frage nach der Urnenbeisetzung im FriedWald geklärt. "Wer sich für den FriedWald entscheidet, der entscheidet sich für die Grabpflege durch die Natur", erläutert Revierleiter Frank Homuth. Er ist zusammen mit Friedrich Steinmann für den Kalletaler FriedWald zuständig. FriedWald-Begräbnisse lassen insgesamt viel Gestaltungsfreiheit zu und können außergewöhnlich feierlich und stilvoll sein, hat Homuth beobachtet. Die Urne aus einem schnell verrottbaren Material steht in der Regel zunächst auf einer Baumscheibe mit einer Lage Tannengrün direkt über der kleinen Grube. Die Zeremonie könne frei nach Wunsch von Geistlichen, Begräbnisrednern, Angehörigen oder Freunden ausgestaltet werden. Kränze oder Blumenschmuck sind nicht gestattet. Aber: "Wir haben erlebt, dass Angehörige zum Begräbnis große Mengen von Blüten eines Apfelbaumes mitgebracht haben, den der Verstorbene sehr geliebt hat. Die Blüten sind auf dem Zug zum Grab wie ein großer weißer Teppich ausgebreitet worden, was sehr, sehr schön ausgesehen hat..." "Wir haben schon einen Baum und wollen ihn jetzt besuchen", erklärt das Ehepaar aus Bad Salzuflen am Ende der Führung. Auch die Mutter aus Herford, die ihren erwachsenen Sohn mitgebracht hat, "um ihm zu zeigen, was ich mir wünsche", scheint ihr Ziel erreicht zu haben. Kontakt: Die nächste Führung am Sonnabend, 2. September, ab 14 Uhr ist speziell auch für gehbehinderte Menschen ausgelegt. Weitere Termine: 16. und 30. September. Infos: (06155) 848200.

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