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Treffen der Pommern in Todenmann / Ursus-Traktor erinnert an die Heimat / Neue Perspektive mit Slawno-Partnerschaft

Die meisten Kusserower kamen erst 1957 in den Westen

Todenmann (who). Ein Traktor der Marke Ursus hat jüngst auf eine Veranstaltung im Gasthaus Droste in To denmann aufmerksam gemacht - keineswegs eine Versammlung von Oldtimer-Freunden, sondern das achte Treffen ehemaliger Einwohner von Kusserow und Wusterwitz in Pommern.

veröffentlicht am 06.10.2008 um 00:00 Uhr

Herbert Lehmann und Bernd von Knebel Doeberitz nehmen die Pommer

Im Gegensatz zu denüblichen Heimattreffen mit Angehörigen der großen im Jahr 1946 abgeschlossenen Vertreibungswelle waren die Teilnehmer vergleichsweise jung, die meisten noch in den Sechzigern. Warum, das erläuterte Horst Lohse, der zusammen mit seiner Ehefrau sowie den Ehepaaren Dam meier aus Petershagen und Haase aus Cammer das Treffen organisiert hatte. Nach Kriegsende habe die Sowjetarmee etwa 10 Prozent der deutschen Bevölkerung als Fachkräfte für den Wiederaufbau in Polen festgehalten. Erst in den Jahren 1957 und 1958 sei ihnen die Ausreise in die DDR erlaubt worden, von wo aus sich anschließend viele Menschen in die Bundesrepublik durchgeschlagen hätten. "So bin ich auch 1957 nach Rinteln gekommen", berichtet Lohse. Nach den Ostverträgen Anfang der 1970-er Jahre sei er 1977 zum ersten Mal in die alte Heimat gereist. "Seitdem bin bestimmt 20 Mal drüben gewesen, schätzt er. Sein Heimatort Kusserow habe sich im Wesentlichen über ein riesiges landwirtschaftliches Gut erstreckt und die rund 300 deutschen Bewohner hätten mit den etwa fünf polnischen Familien freundschaftlich zusammengelebt und gemeinsam gearbeitet. Genauso wie mit den polnischen Nachbarn in der Umgebung. Daraus seien viele Beziehungen erwachsen, die bis heute anhielten. Lohse: "Wir sind gemeinsam aufgewachsen und für uns gab essogar eine eigene deutsche Schule, in der nach DDR-Muster unterrichtet worden ist." "Mit dem Ursus haben wir in der alten Heimat alle noch auf den Feldern gearbeitet, löst eine der Teilnehmerinnen das Rätsel um den Traktor vor der Tür. Zusammen mit gut 90 anderen Kusse rowern und Wusterwitzern ist sie zum Wiedersehen nach Todenmann gekommen. Sie erklärt auch, was Alttraktor-Freunden bekannt sein dürfte: Der Ursus als Nachbau des Lanz Bulldog ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen hergestellt worden. Neben dem Traktor sind es vor allem die gemeinsamen Erinnerungen, die für Gesprächsstoff sorgen. Die kleine Ausstellung mit alten Fotos und neuen Aufnahmen von inzwischen unzähligen Besuchen liefern weitere Anregungen. Daneben auch Gegenstände, die auf abenteuerlichen Wegen nach Rinteln gelangt sind. So Haushaltsgeräte, Kleinmöbel oder sogar ein Teilstück vom Treppengeländer aus dem Schloss von Kusserow, das Horst Lohse durch polnische Freunde bekommen hat. Eine weitere Erinnerung an die alte Heimat ging zum Treffen in andere Hände über. Dazu waren Mitglieder des pommerschen Gesprächskreises Rinteln ins Gasthaus Droste gekommen, um die Fahne der ehemaligen Rintelner Landsmannschaft Pommern zu übernehmen. Von Wolfgang Völz, dessen Vater die Landsmannschaft geleitet hatte, wurde sie an den Gesprächskreis zur Aufbewahrung übergeben. Die Städtepartnerschaft von Rinteln und Slawno habe ganz neue Perspektiven für die Beziehungen der Kusserower und Wusterwitzer nach Polen eröffnet, freute sich Horst Lohse. "Wir sehen die Partnerschaft als echten Glücksfall an, denn Kusserow und Wusterwitz gehören zum ehemaligen Landkreis Schlawe und liegen nur etwa sieben Kilometer südwestlich von Slawno." Gerne würden sich deshalb die ehemaligen Pommern am Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen und der Völkerverständigung beteiligen.



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