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Die Mehrheit schluckt das wie immer klaglos

Der Titel sollte besser lauten: „Wut ohne Anstand“. Mit der anfänglichen und zum Teil sogar gedämpft euphorischen Einstellung zur Pandemie – mit bunten Masken, Klatschen und Balkonmusik – zeichneten sich die vernünftigen Menschen durch Hilfsbereitschaft und Regelbeachtung aus, manchmal allerdings etwas übertrieben. Damit meine ich u. a. die Ernennung vieler zu Helden.

veröffentlicht am 14.05.2020 um 23:25 Uhr

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Zu „Wut ohne Abstand“, vom 11. Mai

Stellvertretend nenne ich hier die Supermarktkassiererinnen und -kassierer. Jahrzehntelang erledigten sie ihren Job, ohne Helden zu sein. In der Krise jedoch waren sie es plötzlich, obwohl ihre Arbeit exakt so weiterlief wie bisher – mit Einschränkungen wie für alle anderen auch. Außerdem sind diese Beschäftigten froh, dass sie nicht arbeitslos wurden, wie leider viele Arbeitnehmer aus allerlei anderen Geschäftsbereichen. Damit möchte ich das Kassenpersonal keinesfalls herabwürdigen, denn dieser Beruf ist genauso wichtig wie jeder andere auch.

Allerdings wage ich die Prognose, dass nach der Coronakrise niemand mehr vom Heldentum redet – auch nicht beim Pflegepersonal, dessen Arbeit oft bis an die Grenzen des Erträglichen geht.

Und dann gibt es noch zwei andere Gruppen. Die eine setzt sich, wie berichtet, aus unaufgeklärten Menschen zusammen, denen man mangels eigenen Verstandes alles einreden kann. Denen ist es egal, ob sie mit ihrem Verhalten andere gefährden, zumal sie auch immer aggressiver werden. Manche dieser Leute setzen sich auch wieder die selbst gebastelten Alu-Hüte auf ihre hohlen Denkkapseln, wenn am Himmel erneut Kondensstreifen zu sehen sind, die uns angeblich alle verseuchen sollen.

Leider wissen das die extrem rechten Gruppen geschickt zu nutzen, die derartig Ver(w)irrte hinter sich scharen. Wenn das so weitergeht, wird die Erde bald wieder eine Scheibe sein – mit Gebirgen aus gehamstertem Klopapier.

Die andere Gruppe besteht aus riesigen Firmengeflechten, die erfindungsreich ihre Steuern zu senken wissen, sehr häufig auch mit Briefkastenfirmen und Niederlassungen im Ausland – oft auch illegal. Die dadurch erzielten Gewinne werden steuertechnisch sehr geschickt am Staat vorbeigeschleust. Das erhöht die Vorstandsgehälter inklusive Boni-Zahlungen und Dividenden.

In Krisenzeiten wie dieser werden allerdings Hilfen in enormer Höhe vom ehrlichen Steuerzahler verlangt. Es ist wie bei der Finanzkrise vor Jahren: Die Gewinne teilt man unter sich auf, und die Verluste werden der Allgemeinheit auferlegt. Das Schlimme daran: Die Mehrheit der Wähler schluckt das wie immer klaglos und beschränkt sich darauf, weiterhin wirkungslos über „die da oben“ zu meckern.



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