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Auf dem Ratsempfang erklären die Künstler, was sie auf dem Kirchplatz schaffen wollen / Zwei Mal am Tag Führungen

Die Markenzeichen? Große Vielfalt und echte Qualität

Obernkirchen. Nicht einen, nicht zwei, sondern gleich drei tonnenschwere Blöcke hat sich der in Bolivien geborene und in Frankreich lebende Ted Carrasco auf den Kirchplatz bringen lassen. Ein Tor will er damit schaffen - ob zum Himmel, zur Hölle oder jeden anderen Platz dieser Welt, das bleibt dann jedem Betrachter überlassen. Ein spiegelförmiges Element im horizontalen Balken soll für irritierende Momente sorgen - es wird wirken, als sei das Tor durchbrochen. Der 1933 in La Paz geborene Carrasco ist den Umgang mit schwerem Material gewohnt. Manche seiner Arbeiten sind mehr als 20 Meter hoch und wiegen über 240 Tonnen - und dennoch treten sie alle in Harmonie mit ihrer Umgebung.

veröffentlicht am 23.08.2006 um 00:00 Uhr

Auch Riesen fangen bekanntlich klein an: Ted Carrasco hat drei B

Autor:

Frank Westermann

Wesentlich filigraner wird die Arbeit von Thomas Reifferscheid ausfallen, obwohl er den mit Abstand schwersten Brocken auf dem Kirchplatz verarbeitet. Der seit 1987 als freischaffender Künstler in Berlin arbeitende Bochumer wird ein Dreibein schaffen: Drei Achsen, die eine Einheit bilden sollen, als Symbol für den Menschen, der sich die Welt aneignet. Reifferscheid hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Achsen sollen so schmal wie möglich herausgearbeitet werden - und doch sinnvoll, damit dauerhaft Stabilität gewährleistet ist. Deutlich abstrakter wird das Werk von der 1970 in Warschau geborenen Dominika Griesgraber werden. Ihr schwebt eine Verbindung von geometrischen und organischen Strukturen vor. "Meine Inspiration finde ich in der Natur", sagt sie, "Transzendenz und Transformation sind wichtig für meine Arbeit." Offen wie eine Blume, ein Herz oder ein Geist soll ihr Werk werden. Das Wechselspiel zwischen Ideen, Begriffen, Materialien und Formen zieht sich durch die gar nicht mal so kurze Karriere der professionellen Bildhauerin und akademischen Tutorin. Bundessieger junger Steinbildhauer, Stipendium der Stiftung für Begabtenförderung, Kulturpreisträger der Stadt Offenbach: Christoph Schindler ist ein alter Hase der Bildhauerei, der in Obernkirchen genießen kann, was ihm sonst bei Bildhauer-Treffen fehlt: Die Begegnung auf Augenhöhe mit anderen Künstlern, außerhalb jedes Wettbewerbsgedanken. "Die Bedingungen, unter denen ein Künstlerleben sich heutzutage entwickelt, sind angesichts des herrschenden Selbstbehauptungs- und Selbstdarstellungsdrucks einer Achtung des Kollegen-Werkes nicht immer zuträglich", hat der 1964 in Frankfurt geborene und seit 1993 freischaffend in Oberts-hausen arbeitende Bildhauer in seinem Berufsleben erfahren müssen. Soll heißen: Auch und gerade unter Künstlern gibt es eine heftige Ellbogenmentalität - vor allem, wenn die Jury auftaucht. In den nächsten Tagen will er sich dem Thema "Kleidung" widmen - als eines der ältesten menschlichen Mittel, um sich zu schützen, aber auch um zu verbergen. 1969 in Delmenhorst geboren, im Alter von 23 Jahren zur Steinmetzin und Steinbildhauerin ausgebildet, die Fachschule für Steingestaltung in Freiburg erst besucht und dann mit einem Abschluss als Meisterin wieder verlassen - Katja Stelljes hat recht konsequent ihren Weg eingeschlagen und weiter beschritten. Und dabei gerne mal über den geographischen Tellerrand hinausgeschaut: Erst arbeitete sie in Grabmalbetrieben im schwedischen Hamstadt, dann in Leer, Bremen, Karlsruhe, Tübingen und jetzt wieder Bremen, wo sie die Filiale eines Steinmetzbetriebes leitet. In Obernkirchen feiert sie Premiere: Es ist ihr erstes Symposium. Sie arbeitet abstrakt und wird sich, ähnlich wie ihre polnische Kollegin, steinbildhauerische Gedanken über organische und technische Verbindungen machen. Was man sich darunter vorstellen kann, beschreibt sie so: "Wie eine Löwenzahnblume, die zwischen zwei Steinen auf einer Straße hindurch wächst. Nicht ganz ohne Grund hatte Bürgermeister Horst Sassenberg auf dem Ratsempfang auf den Alleinstellungsmerkmal des Obernkirchener Symposium verwiesen: "Das Markenzeichen ist die Vielfalt." Wer mehrüber die Geschichte des Symposiums wissen möchte, hat dazu zweimal am Tag Gelegenheit: Um 17 Uhr führt Gerda Vogt durch die Stadt und über den Skulpturenpfad sowie die Werkstatt von Altmeister Jupp Franke. Treffpunkt ist am Trafohäuschen auf dem Kirchplatz, die Kosten liegen bei 2,50 Euro pro Person. Außerdem wird Marlene Bradler ab 15 Uhr ab dem Trafohäuschen eine Führung für Kinder und Jugendliche anbieten. Der Kostenbeitrag liegt bei 1,50 Euro.

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