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Deutschlandweit einmalig: Löschgruppe Kleinenbremen bietet Kinderbetreuung für Familien und Alleinerziehende

Die Mama löscht das Feuer, und die Heike passt auf

Kleinenbremen (ly). Mal angenommen, es brennt tagsüber: Wo sind dann, mitten in der Woche, die freiwilligen Feuerwehrmänner? Meistens auf der Arbeit, womöglich weit weg. Frauen im blauen Rock sind jedoch häufig zu Hause. Sie könnten zum Einsatz. Wenn da nicht die Kinder wären . . .

veröffentlicht am 08.02.2008 um 00:00 Uhr

Heike Harting (hinten, mit Halstuch) sorgt dafür, dass bei den K

In Kleinenbremen ist dieses Problem längst gelöst. Seit einem Jahr bietet die örtliche Löschgruppe bei Alarmierung eine Kinderbetreuung an. Durch das neue Projekt soll garantiert werden, dass weibliche Wehrleute im Brand- und Schadensfall zum Einsatzort gelangen. Für Paare, Väter, Alleinerziehende, die tagsüber Nachwuchs betreuen, gilt das Angebot ebenfalls. Erstrecken soll es sich auch auf Ausbildungs- oder Übungsdienste. "Unseres Wissens gibt es so etwas in ganz Deutschland nur in Kleinenbremen", sagt Löschgruppenführer Kai Lichte nicht ohne Stolz. Er und seine Lebensgefährtin Silke Lämmlein können jetzt beide los, wenn's brennt. Der stellvertretende Portaner Wehrführer Michael Schäfer hofft, dass andere Löschgruppen nachziehen, wie er gestern während einer Pressekonferenz im Kleinenbremer Gerätehaus betonte. In dem Gebäude können die bis zu sechs Kinder für die Dauer der Einsätze spielen. Dafür gibt es einen extra Raum. Übernommen hat die Betreuung Heike Harting. "Während Mama und Papa Menschen retten oder Feuer löschen, können die Kleinen spielen, sich kreativ beschäftigen oder schlafen und werden von mir mit allem Nötigen versorgt", so Harting. "Auf Frauen in der Feuerwehr können wir nicht mehr verzichten", sagt Bürgermeister Stephan Böhme. Ein Grund dafür: "Mittelfristig nimmt die Portaner Bevölkerung ab." Und Frauen, so Böhme, seien schließlich vollwertige Feuerwehrleute. In Kleinenbremen stehen Frauen schon lange ihren Mann. Der Löschgruppe gehören 18 aktive Mitglieder an, darunter sechs weibliche. Eine Frau arbeitet im Beruf Vollzeit, die übrigen fünf jedoch sind theoretisch jederzeit zum Löschen, Retten, Bergen bereit. Für Einsätze ausgebildet sind alle sechs. "Zwei gehören außerdem zu den Atemschutzgeräteträgern", erklärt Lichte. "Bei Innenangriffen werden sie zur Rettung von Menschen dringend gebraucht." Im Schnitt hat die Löschgruppe Kleinenbremen etwa 15 bis 16 Einsätze pro Jahr. Von der neuen Kinderbetreuung hat Kerstin Linder bereits profitiert. An zwei Einsätzen hätte sie sonst womöglich nicht teilnehmen können. "Mein Kind konnte ich nicht allein zu Hause lassen", sagt Linder. Froh ist auch Christiane Grabbe, deren Mann Vollzeit arbeitet. "In Kleinenbremen wird ein innovativer Weg beschritten", lobt Bürgermeister Böhme. Über derlei Vorstöße ist man im Rathaus schon deshalb froh, weil die Rahmenbedingungen für Frauen in der Feuerwehr allgemein verbessert werden sollen. Deshalb greift die Stadt eine Initiative des Deutschen Feuerwehr-Verbandes auf, der mit Slogans wie "Frauen an den Brandherd" dafür wirbt, das so genannte schwache Geschlecht für Wehren zu gewinnen. Bisher sind von 350 Angehörigen der Feuerwehr nur 32 weiblich, nicht einmal zehn Prozent. Die meisten Frauen sind in Kleinenbremen vertreten, gefolgt von Lohfeld und Eisbergen mit jeweils fünf. Nammen dagegen ist noch eine reine Männerbastion. Künftig könnte alles besser werden: In der Portaner Jugendfeuerwehr liegt der weibliche Anteil immerhin schon bei fast 20 Prozent.

Einsatzbereit (v.l.): Christiane Grabbe, Kerstin Linder und Silk
  • Einsatzbereit (v.l.): Christiane Grabbe, Kerstin Linder und Silke Lämmlein von der Löschgruppe Kleinenbremen. Fotos: ly


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