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George Russell züchtete fleißig

Die Lupine und ihr Meister

Gehölze gelten als Grundgerüst eines jeden Gartens. Stauden aber sind die Kür! Es handelt sich um winterharte Pflanzen, die nicht verholzen, deren Pflanzenteile oberirdisch vor jedem Winter absterben, deren Wurzelstock aber überlebt und neu austreibt. Umso wichtiger, sie hervorzuheben Heute: die Lupine (Lupinus)

veröffentlicht am 06.04.2017 um 17:40 Uhr

Vollkommen unkomplizierte Schönheit: Lupine Foto: sas

Autor:

Saskia Gamander und Jens F. Meyer

Die Lupinen, auch als Gartenlupinen bezeichnet, was ihren Charakter als Hauptdarsteller in einer leidenschaftlich blühenden Aufführung nur noch zusätzlich untermauert, gehören zu den bekanntesten Staudenpflanzen. Sie haben keine hohen Ansprüche an den Boden, verbessern ihn als Stickstoff bindende Blumen sogar noch, und ihre kräftigen Stiele mit den sagenhaft schönen ein- oder zweifarbigen Blütendolden passen sowohl ins gemischte Staudenbeet als auch zu Gehölzen und Gräsern. Doch längst nicht alle Freunde blühender Beetanlagen und schöner Gärten setzen sie deshalb auch ein. Dieser Widerspruch begründet sich wohl in der Tatsache, dass Lupinen bisweilen durch ihre Ausbreitung über Versamung einen zu großen Raum beanspruchen. Ihnen daraus einen Vorwurf machen zu wollen, ist naiv; jeder Gartenbesitzer, der sich in der Rolle des Regisseurs sieht, kann seinem Stück ja selber den ihm am Herzen liegenden Schliff verleihen und die Lupinen viel zielgerichteter einsetzen, wenn er nach dem Flor rasch dafür sorgt, Verblühtes abzuschneiden. So wird die Samenbildung unterbunden.

Mit diesem Schnitt wird zudem einem weiteren Vorteil Vorschub geleistet: dem der Nachblüte ab September. Denn wie auch bei vielen anderen Stauden wie Rittersporn, Sonnenauge oder Akelei neigt ebenso die Lupine zur Reanimierung einer zweiten Blüte, wenn sie ihre Kraft nicht für die Produktion der Samen aufbrauchen muss. Das lohnt sich unbedingt. Lupinen sind eine Bereicherung für jeden gepflegten und auch naturnahen Garten, weil sie die Grazie einer gut austarierten Anlage ebenso unterstützen wie auch das wilde Element des weniger Aufgeräumten. Ihre Blütenkerzen sind hervorragend geeignet, um aus einer Reihe weiterer Pflanzen fröhlich hervorzusprudeln.

Die heutige Auswahl sehr überzeugender Sorten ist dem Gärtner George Russell zu verdanken, der bereits in den 1930er Jahren aus verschiedensten Lupinenarten eine farbenprächtige Auswahl zu selektieren ersann und schließlich auch erfolgreiche Auslese dokumentieren konnte. Der Brite, geboren in Stillington in North Yorkshire, erhielt für seine erstaunlichen Ergebnisse im Jahre 1937 die Veitch Memorial Medal, verliehen von der angesehenen Royal Horticultural Society. Allein dies zeigt auf, wie hoch die Bedeutung der Gartenlupine einzuschätzen ist. In diesem Fall: Lupinus polyphyllus.

Russell benannte viele seiner Sorten übrigens nach Nachbarn oder Freunden. Welch eine Ehre, nicht wahr? Wessen Name steht schon für eine besondere Blume? Und so kamen ’Catherine of York‘, ’Ms Noel Terry‘ (benannt nach einer in York bekannten Schokoladenfabrikbesitzerin) oder auch ’Ms Micklethwaith‘ wahrhaft zu blühenden Ehren. Letztlich waren es über 150 Sorten (!), die George Russell benamen konnte, jedoch viele in der Zeit nach seinem Tod dem Gurkenmosaikvirus zum Opfer fielen und unwiederbringlich verschwanden.

Eine Tragödie. Dennoch gibt es auch heute viele Sorten, die ganz in der Tradition der Russell-Lupinen einen hohen Zierwert haben. Weil sie Tiefwurzler sowie Stickstoffbinder sind, verbessern sie den Boden und machen es nebenstehenden Pflanzen einfach. Dünger benötigen Lupinen nicht; manchmal verhalten sie sich wie Zweijährige, blühen also erst im zweiten Standjahr. Wer nicht so lange warten möchte, kann in Gärtnereien Lupinenpflanzen kaufen und sie im Abstand von 50 bis 70 Zentimetern setzen; andererseits lassen sie sich auch gut über Samen ziehen.

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