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Gericht in Bückeburg eröffnet Insolvenzverfahren

Die Lichter gehen aus - Schaumburger Brauerei am Ende

Stadthagen. Nach 143 Jahren ist Schluss: In der Schaumburger Brauerei sind die Lichter ausgegangen. Wie erwartet hat das zuständige Gericht in Bückeburg gestern das Insolvenzverfahren über die Schaumburger Private Braumanufaktur GmbH eröffnet.

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Autor:

Stefan Rothe
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In den vergangenen drei Monaten war ein vorläufiges Insolvenzverfahren gelaufen, in dem noch nach Möglichkeiten der Weiterführung des Betriebes gesucht wurde. Das ist nun vorbei, jetzt geht es nur noch um die Abwicklung.

Nach Auskunft von Insolvenzverwalter Matthias Lehmann sind von dem Aus 20 Beschäftigte betroffen, davon etwa die Hälfte Teilzeitkräfte.

„Es stehen jetzt Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan an, die so schnell wie möglich abgeschlossen werden sollen“, sagte Lehmann. Denn erst dann könnten Kündigungen ausgesprochen werden, wodurch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld entsteht. Um den Betroffenen bis dahin noch Lohn zu zahlen, „ist kein Geld mehr vorhanden“, legte Lehmann offen, denn in der Firma sei praktisch kein Vermögen mehr vorhanden, erläuterte der Rechtsanwalt und fügte hinzu: „Außer sehr überschaubaren Mengen an Hopfen und Malz sowie einigen Gläsern gibt es nichts mehr zu veräußern.“ Daher prognostizierte Lehmann mit Blick auf die Gläubiger: „Diese werden nach jetziger Einschätzung überwiegend leer ausgehen.“

Dass sich kein Käufer gefunden hat, habe am hohen Investitionsbedarf gelegen. Ein Übernehmer hätte laut Lehmann einen siebenstelligen Betrag in eine neue Abfüllanlage stecken müssen. Das hätte sich aber nur gerechnet, wenn der Käufer zu einem günstigen Preis an das Grundstück gekommen wäre. Dieses gehört der Brauerei Lambrecht GmbH & Co. KG, die von der Insolvenz nicht betroffen und deren Eigentümer die Familie Lambrecht ist. Wie Lehmann nach eigenem Bekunden von potenziellen Käufern erfahren hat, „war der Grundstückspreis zu hoch“.

Das Verhalten von KG-Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Lambrecht habe er nicht zu bewerten. „Herr Lambrecht verfügt über sein Eigentum wie andere über ihres verfügen“, sagte Lehmann. Ohnehin habe er schon zu Beginn seiner Tätigkeit „von vielen gehört, die Braumanufaktur sei unverkäuflich und die Sache damit eine Totgeburt“. Hintergrund: Zur insolventen Firma gehören praktisch nur die Mitarbeiter, während alle Vermögenswerte – Immobilien, Ausstattung und Markenrechte – unter der KG firmieren. Dass Lambrecht die Nutzungsrechte der Marke „Schaumburger“ an den Nienstädter Getränkegroßhandel Damke abgetreten hat, findet Lehmann „nicht wahnsinnig überraschend“. Damke sei seit Langem der größte Abnehmer der hiesigen Brauereiprodukte gewesen, und „die Absatzwege von Damke sind für Lambrecht, der noch die Markenrechte besitzt, interessant, egal wo das Bier gebraut wird“. Wie berichtet will Damke das Bier im Sauerland brauen lassen.

Von einer „traurigen Stimmung in der Belegschaft“ spricht Betriebsratschef Fritz Sölter. Etliche der Mitarbeiter „haben Jahrzehnte für die Brauerei gelebt, es ist ein doofes Gefühl, dass nun Schluss ist“, fügte er im Gespräch mit unserer Zeitung hinzu. In die Trauer mische sich Zorn, „weil dieses Ende nicht nötig gewesen wäre“. Sölter berichtete, einige der Beschäftigten hätten bereits neue Jobs gefunden. Ganz schwer hätten es aber vor allem die beiden Brauer, die beide älter als 50 sind. Sölter: „Für die ist die Lage dramatisch.“

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