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Hohe Energiepreise verstärken Brennholz-Nachfrage / Diebstahl in Todenmann - mehr Kontrolle

"Die Leute sind hinter dem Holz her wie verrückt"

Rinteln (crs). Die Preise für Energie sind hoch wie selten zuvor. Das lässt die Nachfrage nach Brennholz in die Höhe schnellen: "Die Leute sind hinter dem Holz her wie verrückt", hat Revierförster Heiko Gropp beobachtet. Das führt auch zu unschönen Fällen von Selbsthilfe: In Todenmann ist kürzlich ein Holzdiebstahl zur Anzeige gebracht worden, die Revierförsterei will ihre Kontrollen jetzt intensivieren.

veröffentlicht am 05.01.2007 um 00:00 Uhr

Wenn die Forstarbeiter durch sind, dürfen die Bürger ran: Solche

Am Nachmittag des 29. Dezember war ein 63-Jähriger aus Todenmann dabei beobachtet worden, wie er im Wald oberhalb der Ortschaft eine vom Wind gefällte Buche mit der Motorsäge zerlegte und das Holz anschließend mit Trecker und Anhänger abtransportierte. Erbeutet hat der Mann auf diese Weise 1,5 Raummeter Holz - "das ist ein Schaden von 37 Euro und ein paar Zerquetschten", bilanziert Kriminalhauptkommissar Uwe Steding. Eigentlich also ein Bagatelldelikt; gut möglich, dass das Verfahren eingestellt wird. Der Revierförsterei aber geht es um das Prinzip. "Wichtig ist nicht der Wert des Holzes, sondern der Fakt: Das ist Diebstahl", sagt Revierförster Heiko Gropp. Er kündigt gewissenhafte Kontrollen an: Gerade in der derzeitigen Phase starker Nachfrage nach Brennholz hätten die Revierbeamten dafür Sorge zu tragen, dass jeder zum Zuge kommen könne. Als "Entschuldigung" hatte der Mann gegenüber der Revierförsterei im Übrigen vorgebracht, er habe dort niemanden erreichen können. "Das ist grober Unfug", widerspricht Gropp. Unter (05152) 2718 sei die Revierförsterei Rinteln über eine Handy-Umleitung quasi rund um die Uhr zu erreichen. "Wer Brennholz haben möchte, meldet sich, dann sagen wir ihm, wann und wo." Das selbst aufgearbeitete Holz wird im Wald gestapelt, dann kommt der Förster und misst es auf. Bezahlt wird an Ort und Stelle: 25 Euro plus Mehrwertsteuer kostet der Raummeter Holz zurzeit. Grundsätzlich gibt die Revierförsterei Waldgebiete nach professionellen Forstarbeiten zur so genannten "Selbstwerbung" frei: Dann kann sich jeder Kronenholz selber aus dem Wald holen. Allerdings ist die Menge wegen der hohen Nachfrage zurzeit auf 15 Raummeter pro Haushalt begrenzt, "damit auch alle etwas bekommen". Genau geregelt ist nicht nur die Menge, sondern auch der Ort. So dürfen die Rintelner und Todenmanner ihr Brennholz beispielsweise nur am Klippenturm holen, die Deckberger in den Wäldern rund um die Schaumburg. Was für die Rintelner bedeutet, dass sie noch bis Ende Februar warten müssen: Die Durchforstung der Luhdener Klippen läuft jetzt erst an. Deswegen sollte in diesem Winter aber niemand frieren müssen: "Bei dem jetzt gemachten Holz geht es ohnehin nur um Vorräte fürs nächste Jahr", sagt Gropp - anderthalb bis zwei Jahre lang muss das Holz vorher lagern. Die Selbstversorgung mit Brennholz im Wald wird immer beliebter. Mindestens 1500 Raummeter hat die Revierförsterei im vergangenen Jahr offiziell abgegeben. Doch die moralische Schwelle zum illegalen Erwerb scheint in Zeiten hoher Energiepreise niedrig zu sein. Auch der Holzdieb aus Todenmann ist nach Auskunft der Polizei "ein ganz normaler Bürger, der sich gleich entschuldigt hat - im Laden würde er sicher nichts mitgehen lassen". Eine Holzklau-Häufung registriert die Polizei bislang aber nicht. "Das wird oft nicht beobachtet, kommt nicht zur Anzeige", schließt Steding eine Dunkelziffer nicht aus.

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