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400 Tage nach der Transplantation: Statt Mundschutz jetzt Kindergarten für vierjährigen Leon

"Die Leukämie ist besiegt - die Sorge bleibt"

Pohle (nah). Für den kleinen Leon aus Pohle tritt Schritt für Schritt endlich der Alltag ein, den gleichaltrige Kinder und deren Eltern wie eine Selbstverständlichkeit erleben. Hinter dem heute vierjährigen Jungen und seiner Familie liegen rund 20 Monate voller Schmerz, Bangen und Hoffnungen, begleitet von einer Welle der Hilfsbereitschaft und von dem Glück, irgendwo in Deutschland einen "genetischen Zwilling" zu haben. Leon hatte Leukämie. Rechtzeitig kam die Rettung.

veröffentlicht am 05.10.2006 um 00:00 Uhr

Hat den Kampf gegen die Krankheit besiegt: Leon mit seinen Elter

Es gibt Momente, in denen Ute Hübner heftig mit den Tränen kämpfen muss. Dann denkt sie an die Nachricht der Diagnose, an Ganzkörperbestrahlung und Chemotherapie und an die vielen jungen und erwachsenen Menschen, die Leons Schicksal teilten, ihren Wettlauf mit dem Tod aber nicht mehr gewannen. Verwandte und Freunde unterstützten die Familie, indem sie im Januar 2005 mit zahllosen Initiativen Menschen in Schaumburg aufriefen, ihr Blut typisieren zu lassen. 4500 Personen kamen dieser Bitte nach. "Der Sechser im Lotto" kam für die Hübners Mitte Mai 2005, als sie erfuhren, dass es einen geeigneten Stammzellenspender gibt. Wo dieser wohnt, wissen die Eltern bis heute nicht - erst 2007 dürfen sie aus rechtlichen Gründen den Kontakt suchen. Vor wenigen Wochen, rund 400 Tage nach "Leons zweitem Geburtstag", der Transplantation am 15. Juni 2005, war das ganz große Aufatmen möglich. Das entscheidende Medikament wurde abgesetzt, auch der Mundschutz bleibt in der Schublade. Leon hat auf seine Weise diesen Lebensabschnitt beendet: Er spricht nicht darüber. Nur wenn er Bilder aus der Zeit sieht, sagt er: "Mama, da ging es mir aber schlecht!" Doch in dem kleinen Köpfchen, das noch immer von der Cortison-Einnahme gezeichnet ist, scheint nicht alles verdrängt zu sein. Darauf lassen regelmäßige Albträume schließen. Leon will Neues für sich entdecken, besucht den Kindergarten. Die Hübners sind froh, dass ihnen die schwere Last genommen worden ist. Nur kürzlich hat ihnen eine Bemerkung einen heftigen Stich versetzt, als der Begriff "Promi-Kind" fiel. "Das tat sehr weh", erklärt Ute Hübner, "weil ich niemandem wünsche, in die gleicheSituation zu kommen."

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