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Hornissen sind eigentlich nicht aggressiv / Wespenberater setzt dennoch manchmal Nester um

Die "Leoparden der Luft" - Töten verboten

Weserbergland (cok). Ein Hornissenstich tut weh, weit mehr als Stiche von Wespen und Bienen. Klaus Steding aus Ahe weiß das nur zu gut. Schon manches Mal wurde er gestochen, wenn er, als Imker und "Wespenberater" des Landkreises Schaumburg, zur Umsetzung eines störenden Hornissennestes herbeigerufen wurde. "Was meinen Sie, wie da der Adrenalinspiegel steigt!"

veröffentlicht am 08.08.2006 um 00:00 Uhr

Hornissen nisten oftmals in alten Schuppen oder unter Hausgiebel

Hornissen sind an sichüberhaupt nicht aggressiv und scheren sich nicht um den Menschen. Wer es aber darauf anlegt, ihrem zumeist gut in einer größeren Höhlung versteckten Nest nahe zu kommen, wird sie als überaus tapfere Verteidiger ihres Zuhauses erleben. Klaus Steding kann erzählen, wie sie sich auf das Gesichtsschutzgitter seines Imkerhelmes setzen und ihm das Gift ins Gesicht schießen. "Die wissen genau, wo die Augen sitzen", sagt er. "Man sollte wirklich Respekt vor ihnen haben!" Er selbst hegt größten Respekt und größte Bewunderung für diese Tiere und ihren Staat, der nur ein einziges Jahr Zeit hat, sich zu voller Blüte zu entwickeln, bevor im Oktober alle Mitglieder sterben und nur die Jungköniginnen in ein Winterquartier ziehen, um im nächsten Frühling einen neuen einjährigen Staat zu gründen. "Sie sind die Leoparden der Luft", sagt er. "So prächtige Raubinsekten, schön wie Libellen. Wir sollten alles dafür tun, dass sie weiterhin einen Platz in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft finden können." Das wäre sogar ganz in unserem Sinne, denn Hornissen sind Tag und Nacht auf der Jagd nach Insekten, darunter Wespen und Mücken. Außerdem vertilgen sie auch die lästigen Blattläuse. In Klaus Stedings Garten tauchen die großen schönen Tiere manchmal auf und naschen von den Kirschen, die in der Wiese liegen. In königlicher Gelassenheit fliegen sie zwischen den unruhig schwirrenden Wespen umher. "Egal, was ich gerade tue, ich muss sie dann einfach eine Zeit lang beobachten", sagt der Imker. Eine Zeit lang sah es wirklich schlecht aus für die Hornissen, so schlecht, dass sie sogar unter Naturschutz gestellt wurden. Normalerweise würden sie in unberührten Mischwäldern nisten, am liebsten in hohlen Bäumen. Stattdessen fanden sie oft nur noch Nistplätze in Menschennähe, in alten Vogelkästen, Schuppen oder unter einem Hausgiebel, und dort wurden sie meistens schnell vernichtet. Konnte keine Jungkönigin überleben, ging eine ganze Staatenlinie für immer zugrunde. Heute ist es streng verboten, Hornissen zu töten, und meistens ist die Koexistenz von Mensch und den zurückhaltenden Hornissen auch gar kein Problem. Manchmal aber muss ein Hornissennest doch umgesetzt werden, sei es, weil es zum Beispiel in einem Rollladenkasten angesiedelt ist, wo sie immer wieder gestört und dadurch auch aggressiv werden, sei es, weil ihr Kot Schaden an einem Gebäude anrichtet. Anders als die Bienen nämlich, die ihre Ausscheidungen weit vom Nest entfernt entsorgen, tropft es unschön direkt aus dem Hornissennest. So eine Umsetzung ist eine große Aktion, die sich über mehrere Tage hinziehen kann und von der Naturschutzbehörde genehmigt werden muss. Das Nest wird vorsichtig freigelegt, abgelöst und auf ein Brett geklebt, das man dann in einen Hornissenkasten schiebt. Der wird möglichst weit entfernt in einen Baum gehängt, damit die Tiere nicht wieder zum alten Platz zurückfliegen. Mit ein wenig Glück kann das Volk die Umsetzung gut verkraften. Noch besser aber ist es, so Klaus Steding, Ruhe zu bewahren und bis zum Oktober irgendwie durchzuhalten. Gegen den Dreck helfen Folien, gegen die eher irrationale Angst vor den "Leoparden der Luft" eine Beratung vom Fachmann. "Wollen wir denn wirklich alles um uns herum ausmerzen, das wagt, uns ein wenig zu irritieren?" fragt er. Das alte verlassene Nest wird im nächsten Frühjahr sowieso nicht wieder bezogen. Schade eigentlich.

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