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Eine unterdurchschnittliche Getreideernte treibt die Preise in die Höhe

Die Landwirte sind nicht zufrieden: Kleinere Körner, geringere Mengen

Obernkirchen (sig). Kaum haben Sonne und Wind etwas Zeit gehabt, dieÄhren und Halme zu trocknen, da brummen sie wieder - die großen Mähdrescher, die oft bis in die tiefe Nacht hinein auf den Getreideflächen ihre Bahn ziehen. Doch so fleißig jetzt auch auf den heimischen Feldern gearbeitet wird, eine Superernte wird es nicht mehr. Im Gegenteil: Die heimischen Landwirte sind sich einig, dass sie mindestens um zehn Prozent unter dem Durchschnitt liegt und, je nach Lage, auch mehr.

veröffentlicht am 20.02.2009 um 15:57 Uhr

Dirk Rodenbeck

Der Geschäftsführer des Landvolkverbandes Weserbergland, Friedrich Wilharm (Stadthagen), spricht von einer erheblichen Schwankungsbreite von einer Gemarkung bis zur nächsten. Aus seiner Sicht könnte das zum einen am Zeitpunkt der Aussaat liegen, aber auch an den verwendeten Getreidesorten. "Je spezieller eine Züchtung ist, desto empfindlicher wird sie auch", meinte Wilharm. Im "grünen Bereich" liegen nach seiner Auffassung bislang die Zuckerrüben und der schon bis zu einer Höhe von 2,50 Meter gewachsene Mais. Das gelte auch für die Kartoffeln, deren Anbau bei einigen Betrieben im SchaumburgerLand zugenommen hat. Obwohl sich Regen und Sonne in der letzten Zeit häufiger abgewechselt haben, beurteilt der Landwirt Heinrich Struckmeier aus Röhrkasten das Ernteergebnis ähnlich. Bei der Gerste habe es sogar Verluste zwischen 20 und 30 Prozent gegeben. Eine Viruserkrankung sei daran maßgeblich schuld gewesen. Prompt sei die Gerste von neun Euro pro 100 Kilogramm im Vorjahr auf jetzt 17 Euro gestiegen. Struckmeier: "Bei sämtlichen Getreidesorten machen sich Preissteigerungen bemerkbar. Im Zuge der Globalisierung bekommen wir eben zu spüren, dass es eine Dürre in Australien gab, dass Südeuropa von Hitzewellen und Dürre heimgesucht wird und dass in England große Landflächen überschwemmt sind. Dann treibt die Angst vor Engpässen und Mangel die Preise an den Märkten hoch. Was wir an Ertrag verlieren, kommt durch die Preiserhöhung wieder herein." Auch mit dem Raps zeigte sich der Landwirt aus Röhrkasten nicht sonderlich zufrieden. Er habe sich anfangs gut entwickelt. Die Trockenheit im April habe die Erwartungen leider wieder gedämpft. Die Schoten seien nicht so voll gewesen und die Körner kleiner. Aber trotzdem ist der Raps eine Feldfrucht, deren Nachfrage immer steigen dürfte. Inzwischen stellten die Ernährungsfachleute die gesundheitlichen Vorteile des Rapsöls über die des Olivenöls. Rapsöl wird in der Margarineproduktion verwendet und zunehmend auch für die Herstellung von Dieselöl. Der Staat sahnt hier inzwischen durch Steueranhebungen zusätzlich kräftig ab. "Ich hoffe, dass wir vom kommenden Jahr an nicht mehr 7,5 Prozent unserer Flächen brachliegen lassen müssen, zumal die Nachfrage nach erneuerbaren Energien weiter steigen dürfte", unterstrich Struckmeier. Außerdem steige der Bedarf an Nahrungsmitteln, vornehmlich Weizen, weil der Lebensstandard in sogroßen Staaten wie Indien und China wächst. Bei den immer wieder ins Gerede kommenden Preisanstiegen müsse man, so Struckmeier, bedenken, dass ein Brötchen nur einen Weißmehlanteil im Werte von 1,6 Cent enthalte. Immerhin ist aber festzustellen, dass der Weizenpreis in diesem Jahr von zunächst 150 Euro pro Tonne auf inzwischen 214 Euro gestiegen ist. Innerhalb von drei Tagen kamen nicht wenigerals 25 Euro hinzu, weil die Läger inzwischen weltweit erschöpft sind. "Wir haben in den vergangenen Jahren bessere Ernten gehabt, dafür jedoch schlechtere Preise; diesmal ist es umgekehrt", sagte Dirk Rodenbeck, der in Gelldorf einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Bis ins Letzte hinein erklärbar sei die diesjährige Entwicklung nicht. Der Raps zum Beispiel habe in seiner Blütephase zwei bis drei kalte Nächte erlebt. Das habe er wohl nicht so gut vertragen. Rodenbeck hat häufiger die Feststellung gemacht, dass die Halme teilweise noch grün ausschauten, während die Ähren reif und die Körner sogar schon so überreif waren, dass sie zu keimen begannen. Dass die Getreideernte in diesem Jahr um zwei bis drei Wochen früher begann, kann das Ergebnis ebenfalls beeinflusst haben. Sein Gelldorfer Berufskollege Achim Pohl berichtete, dass die Getreidepflanzen im sehr trockenen April nicht so viele Triebe gebildet hätten wie sonst. Die Bestände seien deshalb ausgedünnt. Außerdem habe er wegen des milden Winters mehrfach die überlebenden Getreideläuse bekämpfen müssen. "Im April nicht ganz so warm und weniger trocken, im Mai dafür etwas wärmer und weniger Regen" - das wäre nach Auffassung von Achim Pohl der Schlüssel für eine bessere Ernte gewesen.

Achim Pohl
  • Achim Pohl
Die Körner sind in diesem Jahr deutlich kleiner ausgefallen. Auc
  • Die Körner sind in diesem Jahr deutlich kleiner ausgefallen. Auch Heinrich Struckmeier (kleines Bild rechts) ist mit der Ernte nicht ganz zufrieden. Fotos: sig
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