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Tischgespräch: CDU-Nachwuchs diskutiert die Thematik "Was macht Schule heute aus?"

"Die Landesregierung weiß nicht, was sie will"

Bückeburg (bus). "Was macht Schule heute aus?", lautet die Fragestellung einer als Podiumsdiskussion konzipierten Veranstaltung der Jungen Union Schaumburg (JU) im Joël-Le-Theule-Saal des Rathauses gewesen. Das Vorhaben entpuppte sich trotz reichlich aktuellem Bezug (Schülerstreik) als eine ziemlich interne Angelegenheit. Aufgrund der recht überschaubaren Interessentenzahl verzichteten die knapp 20 Teilnehmer aufs Podium und erörterten die Thematik in Form eines Tischgesprächs.

veröffentlicht am 19.11.2008 um 00:00 Uhr

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Der geringen Resonanz mag vielleicht ein vehementes Bekanntmachungsdefizit zugrunde liegen. Die Veranstaltung war weder auf der Internetseite der Schaumburger Schüler Union (SU, Eigendarstellung: Homepage der größten politischen Schülerinteressenvertretung im Landkreis Schaumburg) noch auf der des CDU-Stadtverbands Bückeburg, noch auf der von Ex-MdL (und JU-Kreisehrenvorsitzendem) Friedel Pörtner angekündigt worden. Darüber hinaus erreichte die Hälfte der fürs Podium vorgesehenen Teilnehmer - Marius Wü stefeld (Vorsitzender JU Schaumburg), Johannes Kräft (SU-Vorsitzender im Landkreis), Younes Ouaqasse (SU-Bundesvorsitzender) und Schaumburgs CDU-Bundestagskandidat Christopher Wuttke - die Ex-Residenzstadt mit bemerkenswerter Verspätung. Das Gespräch förderte den Unmut von Müttern und Schülern in einer für eine unter christdemokratischem Patronat stehende Zusammenkunft ungewöhnlich scharfen Tonlage zutage. Was Ouaqasse - auf die Gegenwart niedersächsischer Bildungsvermittlung bezogen - die Umschreibung "Katastrophenzustand" formulieren und Wuttke - bezogen auf die Veranstaltung - von "Pandoras Büchse" raunen ließ. Der griechischen Mythologie zufolge brach nach dem Öffnen der Büchse der Pandora alles Schlechte über die Welt herein und verwandelte sie ihn einen trostlosen Ort. Stellungnahmen der Mütter: Die Probleme sind bekannt; Lehrermangel, viele Fächer gibt es nicht, die Klassen sind zu groß; Haupt- und Realschule haben keine Lobby mehr. Und: Wir halten, als Lese-, Schwimm- oder Chemiemütter, das System am Laufen; wir haben die Nase voll. Von Schülerseite verlautete: Wir wollten (mit dem Schülerstreik) zeigen, dass wir auch zu etwas fähig sind; die ganze Schule (Adolfinum) wollte es, die Lehrer standen hinter uns; die Qualität im Adolfinum nimmt von Jahr zu Jahr ab; wir wollen mehr Lehrer. Ein Pädagoge rief in Erinnerung, dass die Schulen ihre Lehrer selbst rekrutieren müssen, wodurch unattraktiven Standorten Nachteile erwachsen könnten. Zudem bezahle Niedersachsen weniger Gehalt als andere Bundesländer. Darüber hinaus lasse die Einstellungspraxis (zum 1. Mai und zum 1. November statt generell zum Schuljahresbeginn) zu wünschen übrig. Die Belastung sei so groß, dass viele Kollegen erkrankten. "Man ist fertig." Sein Eindruck: Die Landesregierung weiß nicht, was sie will, vieles geht durcheinander. Wüstefeld führte Teile der Lehrermisere auf das sogenannte Schröder-Loch zurück, das in der Ministerpräsidentenzeit von Gerhard Schröder (1990 bis 1998) durch Nichteinstellung von Pädagogen entstanden sei. Wuttke betonte, dass der Unterrichtsqualität höchste Priorität eingeräumt werden müsse. "Die Eltern müssen sich auf die Schule als Dienstleister verlassen können, der Lehrauftrag muss erfüllt werden", unterstrich der Bundestagskandidat. Ouaqasse setzte auf Zuversicht. Er sei sicher, dass sich die zuständige Ministerin Elisabeth Heister-Neumann um die Lösung der Probleme kümmere. Für das "Schröder-Loch" könne die Landesregierung nicht verantwortlich gemacht werden, hob der SU-Bundesvorsitzende hervor. Dass es nicht nur in Niedersachsen, sondern auch in Rheinland-Pfalz, wo er zur Schule geht, mit der Bildungsbranche nicht zum allerbesten steht, verdeutlichte eine Schlussbemerkung Ouaqasses. "Ich weiß meinen Stundenplan für nächste Woche noch nicht."



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