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239 Mitarbeiter müssen gehen / Erste von drei Transfergesellschaften startet am 1. Mai

Die Kündigungen bei Ardagh-Glass sind raus

Bad Münder (jhr). „Die ziehen uns einfach den Stecker raus. Das versteht keiner, das kann keiner verstehen.“ Wer in diesen Tagen Ardagh-Mitarbeiter nach der Stimmung in der Glashütte von Bad Münder fragt, stößt auf Frust, Enttäuschung und Unsicherheit. In den vergangenen Tagen bekamen die Beschäftigten von Meistern und Abteilungsleitern Briefe in die Hand gedrückt – in 239 Fällen die Mitteilung der betriebsbedingten Kündigung.

veröffentlicht am 26.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Ardagh-Glass schmilzt den Standort Bad Münder ein: 239 Mitarbeit

Zuvor hatten Unternehmensführung und Betriebsrat über einen Interessenausgleich und die Liste der zu kündigenden Mitarbeiter verhandelt. Der bereits beim Übergang von Rexam auf Ardagh Glass 2008 verhandelte Rahmensozialplan bildet die Grundlage für das, was Betriebsratschef Hans-Georg Diekmann jetzt noch als halben Erfolg sieht – drohte doch zunächst die Komplettschließung des Standortes und der Verlust von 422 Arbeitsplätzen. Auch wenn, so Diekmann, „die Härte des Arbeitsplatzverlustes durch den besten Sozialplan nicht ausgeglichen werden kann.“

Die Namensliste ist eine große Belastung

Der Betriebsratschef spricht von „besonders schmerzlichen Einschnitten in die Lebensplanung“, die durch die vom Konzern entschiedenen Maßnahmen für die Kollegen anstehen – sowohl für den Betriebsrat als auch die mündersche Werksleitung sei die Verhandlung des Interessensausgleichs und der Namensliste eine große Belastung gewesen.

Noch Anfang des Jahres hatte die Ardagh-Konzernleitung den Standort Bad Münder insgesamt schließen wollen – alle 422 Mitarbeiter hätten dann ihre Jobs verloren, und die Stadt ihren größten Arbeitgeber. Verhandelt wurde jetzt, dass 239 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt wird, 165 nach einer „Restrukturierung“ am Standort Bad Münder bleiben. Die zwölf Auszubildenden sollen ihre Ausbildung beenden können, 18 Mitarbeiter haben auslaufende Verträge oder gehen in Altersteilzeit.

Die erste Transfergesellschaft, in die die gekündigten Mitarbeiter überführt werden, soll am 1. Mai starten, weitere am 1. Juli und am 1. Oktober. Für jeweils zwölf Monate werden die Mitarbeiter dort qualifiziert, offene Stellen in anderen Unternehmensbereichen werden ihnen bereits jetzt angeboten. „Wer in die Gesellschaft eintritt, bekommt 100 Prozent seines letzten Gehalts, wobei alle tariflichen und übertariflichen Bestandteile, die regelmäßig gezahlten Zuschläge, Weihnachts- und Urlaubsgeld prozentual oder anteilig zur monatlichen Berechnungsgrundlage erklärt werden“, erläutert Diekmann. Nach dem Ausscheiden aus der Transfergesellschaft oder nach Beendigung der Kündigungsschutzfrist erhalten die Mitarbeiter eine Abfindung, die sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit richtet.

Mit dem unterschiedlichen Beginn der Transfergesellschaften soll sichergestellt werden, dass die geplante Umstrukturierung am Standort Bad Münder auch geleistet werden kann. Die „Schmelzwanne 4“ ist bereits stillgelegt worden, „Wanne 1“ soll am 30. April folgen. Voraussichtlich im Juni wird – nach dem Umbau von „Wanne 3“ – auch „Wanne 2“ stillgelegt. „Wanne 3“ soll mit drei Produktionslinien künftig als „Pharma-Wanne“ Behälter für die Pharma-Instustrie erzeugen.



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