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Warum der Maulwurf den Gärtnern aber dennoch etwas Gutes tut

Die kleine Nervensäge

Er ist so etwas wie die „persona non grata“ des Tierreichs. Er untergräbt bestehende Strukturen, bleibt unerkannt im Untergrund – und ist eine echte Nervensäge. „Der Maulwurf ist lästig, die wenigsten sind ihm wohlgesonnen“, weiß Reinhard Weper, Arbeitsgruppenleiter beim Nabu. In unserer Serie „Einfach tierisch“ geht es heute um den Maulwurf.

veröffentlicht am 13.05.2018 um 13:14 Uhr
aktualisiert am 13.05.2018 um 17:10 Uhr

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Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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WESERBERGLAND. Dabei hat der kleine Kerl durchaus positive Eigenschaften: „Er sorgt für die Durchlüftung des Bodens, bringt Erde nach oben, die mit wenig Leben durchsetzt ist.“ Die Erde wird gern von Gärtnern genutzt; „da sind keine Steine drin“, weiß Weper. Für die Drainage gut; für alles andere im Garten ist das Tun des kleinen Maulwurfs eher schlecht. Denn so schafft er auch Räume für Wühlmäuse, die seine Gänge nutzen. Und die machen so ziemlich alle Pflanzen kaputt, fressen sich durchs Wurzelwerk, wie Weper weiß. „Der Baum wird geschädigt oder stirbt ab.“

Zudem störend: die Maulwurfshügel. „Da werden ganze Gärten umgegraben.“ Ältere Gärtner würden sich gerne die Zeit nehmen und sich mit einem Spaten in ihren Garten stellen, um den Maulwurf zu erwischen – „er steht allerdings unter Naturschutz und darf nicht aktiv gejagt werden“, so Weper. Man könne auch versuchen, ihn mit Knoblauch oder Buttermilch zu vertreiben – „das ist aber meistens nicht von Erfolg gekrönt“. Auf dem Sportplatz in Polle in der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle haben die Verantwortlichen so ziemlich alles versucht: Der kleine Quälgeist kam immer wieder; an Fußball spielen war nicht mehr zu denken. „Man muss halt mit ihm leben“, sagt Weper, wohl wissend, dass das nicht immer einfach ist. Im gewerblichen Obstbau werde schon mal Giftgas gegen die Wühlmäuse eingesetzt, die sich durch des Maulwurfs Gänge fortbewegen: „Dieser Aktion fallen dann auch Maulwürfe zum Opfer.“

Sich zu ärgern, bringt meist nichts; Weper verfolgt den Maulwurf vermehrt mit wachsendem Interesse. „Man ist erstaunt, welche Leistung so ein kleines Tier bringt.“ Mit seinem Markenzeichen, den großen Grabenschaufeln, gräbt er sich die Gänge und wirft die Erde nach oben. Dabei wird er gerne mal von einer Katze gepackt. „Doch er wehrt sich mit seinen 44 spitzen Zähnen.“ Im Winter gräbt er tiefer, legt sich einen Wohnbereich und eine Vorratskammer an. In dieser finden sich meistens Regenwürmer: Ihnen beißt er den Kopf ab und bunkert sie dann. „Winterschlaf hält er nicht“, so der NABU-Experte.

Der Maulwurf ist ein Einzelgänger. „Die Maulwürfe treffen sich nur zur Paarungszeit. Da geht es dann ruppig zu.“ Nach dem Liebesspiel gehen sie getrennte Wege. So einsam wie er lebt, stirbt er dann auch; seine Gänge verlässt er nur bei Hochwasser. Wer den Maulwurf sehen möchte, sollte sich in den Abendstunden in seinem mit Hügeln übersäten Garten stellen. „Wichtig ist: Absolut stillstehen. Sobald er eine Erschütterung spürt, stellt er seine Tätigkeit ein“, erklärt Weper. Unerkannt im Untergrund lebt er halt am liebsten.

Am Dienstag geht es in unserer Serie ums schnell nagende Eichhörnchen.



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