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"Wir waren ein Geschäft mit Herz": Schuhhaus Stock schließt zum Jahresende für immer

Die Kinder werden das Reitpferd vermissen

Rinteln (cok). Wenn das Schuhhaus Stock zum Jahresende für immer schließt, werden das sogar die Kinder der Stadt registrieren. Dann nämlich verabschiedet sich nicht nur ein Traditionsgeschäft für Markenschuhe, sondern auch das hübsche weiße Reitpferdchen aus der Klosterstraße, das großzügig dort stehen durfte, wo andere Geschäftsinhaber vielleicht lieber eine Verkaufsfläche eingerichtet hätten, als verlockender Anlaufpunkt für alle kleinen Abenteurer.

veröffentlicht am 24.12.2007 um 00:00 Uhr

Renate und Karl-Heinz Stock ziehen Bilanz: "Wir waren ein Geschä

"Wir sind ja doch ein Geschäft mit Herz", sagt Karl-Heinz Stock. "Wenn wir unsere Kunden nicht immer so wichtig genommen hätten, wäre es auch für uns selber nicht schön gewesen." Er und seine Frau Renate gehören tatsächlich zu den freundlichsten Geschäftsleuten, die man sich nur denken kann. Viele Kunden kamen aus dem weiten Umland, um sich bei den Stocks ihre Schuhe auszusuchen, weil sie wussten, dass sie mit Geduld beraten würden und es ganz bestimmt auch nette Plaudereien gäbe. Es war der alte Schuhmacher Karl Stock, der im Jahr 1933 die Firma gründete und dann 1938 das große Klosterstraßenhaus kaufte, wo die Familie im obersten Stockwerk wohnte, während sich das Schuhgeschäft auf zwei Etagen ausbreitete. Noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg war es eine schwere Zeit, die Menschen hatten so wenig Geld, zögerten lange, bis sie sich neue Schuhe leisteten und noch heute besitzen die Stocks eine Kladde, in der verzeichnet ist, in wie vielen kleinen Raten die Einkäufe oft abbezahlt wurden. Für Karl-Heinz Stock war von Jugend an klar, dass er das elterliche Schuhgeschäft übernehmen würde, auch wenn er während seiner kaufmännischen Ausbildung manches andere, verlockende Angebot dafür ausschlagen musste. "Ich habe auf Schuhe gelernt", sagt er. "Etwas anderes wäre gar nicht in Frage gekommen." Als er 1965 die Nachfolge seines Vaters antrat, waren es die Schuhe der Firma "Salamander", auf die sich das Schuhhaus vornehmlich festgelegt hatte, für die es einen Alleinverkaufsrecht gab, das allerdings manchmal auch eine Art Hypothek war, denn es musste immer eine bestimmte Stückzahl abgenommen werden, auch dann, wenn eine Serie mal nicht so guten Erfolg bei den Kunden hatte. Was aber immer ankam, waren, neben der Qualität der Salamander-Schuhe, der lustige Salamander "Lurchi" und seine Freunde, vor allem die bei den Kindern hochbegehrten Comics, um derentwillen sie so manches Mal vorbeikamen und fragten: "Ein Lurchiheft hätte ich gerne!" Und natürlich bekamen sie es immer mit einem Lächeln überreicht, auch von Renate Stock, die aus einer noch viel älteren Schuhgeschäftsfamilie bei Bremen stammt. "Ja, das war wirklich eine Fügung, dass wir beide uns kennen lernten", meint sie. Das war auf einer Weserdampfschifffahrt übrigens, ganz unabhängig von irgendwelchen kaufmännischen Kontexten. Die beiden Menschen passten so gut zusammen, dass ihr Geschäft bald ganz wunderbar lief. Geschlossen wird das Schuhhaus Stock, weil das Paar sich sagte: "Jetzt, nach so langer Zeit, wollen wir einfach nicht mehr stehen!" Immerhin ist Renate Stock 69 Jahre, Karl-Heinz Stock 70 Jahre alt, und die drei Kinder haben sich in anderen Berufen erfolgreich orientiert. Die Verkäuferin Ursula Kreth, die 30 Jahre lang bei den Stocks angestellt war und über dieselbe liebenswürdige Art der Kundenbetreuung verfügt, sie macht sich im neuen Jahr in eigenen Räumlichkeiten an der Klosterstraße selbstständig. Und auch die ebenfalls wunderbar ins Team passende Dilfiroz Mönkhoff, die noch nach einer neuen Arbeitsstelle sucht, kann für jedes Geschäft nur eine echte Bereicherung sein.



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