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Cimicifuga – die Silberlanzen blühen

Die Kerze ist entzündet

Gehölze gelten als Grundgerüst des Gartens. Stauden aber sind die Kür! Eine von ihnen ist eine besondere Spätsommer- und Herbstschönheit: die Silberkerze (Cimicifuga).

veröffentlicht am 30.08.2018 um 16:05 Uhr

Admiral an September-Silberkerzenlanze: Auch der Falter lässt sich gerne von ihr verführen. Foto: sas

Autor:

Saskia Gamander und Jens F. Meyer
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Juli-Silberkerze. August-Silberkerze. September-Silberkerze. Oktober-Silberkerze. – Schon ab dem Hochsommer entflammen Cimicifuga-Stauden und halten ihr Licht bis zum Ende des goldenen Oktobers aufrecht. Mit Ausnahme der Juli-Silberkerze (C. racemosa), die einen trockenen Standort toleriert und sonnig stehen möchte, trachten alle anderen Arten und daraus gezüchteten Sorten nach feuchtem, frischem Terrain im Halbschatten, verlangen humusreiche Substrate. Das macht diese besonders eindrucksvollen, bis zu zwei Meter Höhe aufragenden Prachtstauden zu guten Partnern für Wasserdost (Eupatorium), Herbst-Anemonen (Anemone hupehensis) und auch Funkien (Hosta).

Jahrzehntelang war in diesem Segment von Sorten kaum die Rede. Auch heute noch hält sich die Auswahl der Züchtungserfolge aus den von Mutter Natur geschaffenen Arten in Grenzen. Das mag einerseits daran liegen, dass diese Pflanzen aufgrund ihres Blütenduftes, der nicht jeder Nase gefallen will, weil Moschus- und Wanzendüfte wabern, unbeliebt waren. Andererseits kann die geringe Anzahl an Sortenzüchtungen auch darauf hinweisen, dass die Wildformen die bessere, weil: schönere und kräftigere Alternative sind. Zwar mag das Bessere als Feind des Guten und der daraus resultierende Wunschgedanke nach Sortenvielfalt nach wie vor seine Berechtigung haben, aber wer zum Beispiel die Lanzen-Silberkerze (C. racemosa) mit ihren sehr dichten Blüten an imposanten Trauben hoch über dem Laub stehen sieht, wird schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass dieses Bild einer stolzen Staude kaum mehr zu verbessern ist. Hell leuchten die „Lanzen“, und sie tun es bei jeder Cimicifuga.

Beziehungsweise: bei jeder Actaea, denn nach neuesten Erkenntnissen zählen die Silberkerzen zu den Christophskräutern. Diese Nomenklatur muss sich aber noch durchsetzen, insofern scheint es sinnvoll zu sein, sich vorerst mit dem alten botanischen Namen an die Recherche zu machen, wenn man sich für diese Pflanzen interessiert.

Und Achtung, noch ein botanisches Wortgewusel: Es gibt sowohl die Cimicifuga racemosa (Lanzen- oder Juli-Silberkerze) als auch die Cimicifuga ramosa (September-Silberkerze). Allzu wissenschaftlich sollten es Gartenbesitzer mit den botanischen Namen aber nicht halten. Wichtiger zu wissen ist, dass mit dieser Gattung eine himmlische Blüte vom Hochsommer bis in den Herbst ermöglicht wird; wer also will, kann die duftenden, zumeist weiß strahlenden Ähren sehr lange genießen.

Während die zumeist langen Blütentrauben, teil aufrecht stehend, teils wie bei einem Buddleja-Sommerflieder attraktiv überhängend, in der Abenddämmerung leuchten, wissen auch die großen Blätter dieser Pflanzen sehr eindrucksvoll sich in Szene zu setzen. Tief eingeschnitten und bisweilen grünlich-dunkelrot bis fast schwarz kontrastieren sie zu ihren Beetnachbarn. Besonders sticht hier die Oktober-Silberkerze ’Atropurpurea‘ hervor, deren tiefdunkles Laub gewissermaßen die Plattform, ja, die Bühne bildet für die Ähren der Schönheit und des Geruchs. Beides, Schönheit und Duft, entfaltet sich vor allem mit Beginn der Dämmerung. Ein Schnupperkurs zu später Stunde, wenngleich nicht mehr mit sommerlicher Wärme umgarnt, sondern mit herbstlicher Frische versehen, ist anzuraten. Womöglich aber hält der September oder Oktober ja auch noch warme Tage bereit – dann wird der abendliche Duftkursus zu einer Genusstour. Natürlich nur bei solchen Wanderern, deren Nasen einen Wohlgeruch von Frische und Zitrus wahrnehmen, was möglich ist, denn auch diese Nuancen schweben mit den Düften einher.

Jedenfalls besteht kein Zweifel an der gestalterischen Qualität dieser Pflanzengattung. Die Silberkerzen sind anmutige Schönheiten, die sich – wenn nicht in einem Staudenbeet – auch gerne bei Gehölzen aufhalten und dort ihre strahlende Wirkung entfalten. Vieles ist schon verblüht im September und Oktober; die Silberkerzen hingegen haben noch dann ihre große Zeit. Das macht sie zu sehr wertvollen Pflanzen, die in den ersten drei Jahren nach der Pflanzung in Ruhe gelassen werden möchten, dann aber von Zeit zu Zeit geteilt, heißt: verjüngt werden sollten, um blühfreudig zu bleiben. Mehr Pflege ist kaum nötig.

Dass die Silberkerze, insbesondere die September-Silberkerze, auch als Frauenwurzel bezeichnet wird, hat in der Tat einen historischen Hintergrund, denn die Rhizome der Pflanze enthalten eine östrogenähnliche Substanz, weshalb Auszüge daraus früher bei verschiedenen Frauenleiden eingesetzt wurden.



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