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Schaufenster-Galerie: "Rintelnüberrascht" mit Kunst - auch mit satirischer Note!

Die Kanzlerin mit Aldi-Handtasche?

Rinteln (wm). Wer zurzeit im "Modetreff" in der Fußgängerzone vorbeischaut, sieht sich überrascht Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber - in Pappmasché.

veröffentlicht am 14.11.2006 um 00:00 Uhr

Geformt hat die Kunstfigur, die im Rahmen der Aktion "Schaufenster-Galerie" von "Pro Rinteln" ausgestellt ist, Marina Kledzik-Hoyer aus Kohlenstädt. Als erstes erkennt man die tief herabgezogenen Mundwinkel, den skeptischen Blick wieder, und die Künstlerin versichert, dieser spezielle Gesichtsausdruck der Politikerin entspreche exakt einem Zeitungsfoto, das habe sie als Vorlage verwendet. Nahezu jeden Tag entdecke sie Frau Merkel in der SZ, wenn schon nicht auf dem Titel, dann sicher auf einer anderen Seite - das habe den Anstoß für die Skulptur gegeben. Rätseln darf der Betrachter dafür, welches Signet die Handtasche trägt: A wie Aldi, Arbeitsamt, Angie? Marina Kledzik-Hoyer schweigt sich da aus, das sei sicher interpretationsfähig. Normalerweise trage die Bundeskanzlerin ja immer bei öffentlichen Auftritten Hosenanzüge, aber mit einer Anzugshose wäre die Skulptur zu langweilig gewesen. Dann hätte sie auch auf die Laufmasche als witziges Detail verzichten müssen - obwohl, räumt die Porträtisten ein, sie Frau Merkel noch auf keinem Pressefoto mit einer Laufmasche gesehen habe. Dafür seien ihre meist zu engen Kostümjacken mit den großen Knöpfen längst zitierfähig im Sinne satirischer Kunst, wie die eigenwillige Kurzhaarfrisur. Für Menschen, denen es nicht gefällt, dass hier die Bundeskanzlerin satirisch porträtiert worden ist, hat die Pappmaché-Künstlerin eine zweite mögliche Interpretation bereit. Der spontane Ausruf einer Kundin beim Anblick der Figur habe sie darauf gebracht: Man könne die Figur genau so gut für die bekannte Schriftstellerin Ingrid Noll halten, auf Bestsellerlisten regelmäßig vertreten, bekannt geworden durch ihren bitterbösen Kriminalroman "Der Hahn ist tot". Marina Kledzik-Hoyer ("ich bin erfolgreiche Managerin eines kleinen Familienunternehmens, sprich zweier Kinder und eines Ehemannes, der in einem Zentrallager arbeitet") hat sich allerdings selbst festgelegt und der Figur den Titel "Die Leiden der Frau Merkel" gegeben. Wer weitere Arbeiten sehen will, muss nach Kohlenstädt fahren. Dort sind aktuelle Skulpturen in ihrem Atelier ausgestellt, direkt am Weserfernradweg. Der überrasche sie immer wieder, erzählt die Kohlenstädterin, denn viele Radfahrer machten im Sommer bei ihr Station, um zu schauen und zu fotografieren - und manche kämen sogar wieder und kauften tatsächlich eine Arbeit. Auch Angela Merkel ist käuflich zu erwerben. Einen Preis wollte Marina Kledzik-Hoyer nicht nennen, nur so viel: Das sei Verhandlungssache.

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