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Im Kreiskrankenhaus: Nach Herzinfarkt-Vorsorge jetzt Pilotprojekt zur Früherkennung von Darmkrebs

Die Kamera ist nicht größer als eine Tablette

Rinteln (mld). Im Rahmen eines Vorsorgeprogramms bietet das "Zentrum für die Gesundheit des Mannes" am Kreiskrankenhaus Rinteln ein landesweites Pilotprojekt an: Mitarbeiter von Firmen und Institutionen im Landkreis, die älter als 50 Jahre sind, können vorsorgend ihren Dickdarm untersuchen lassen.

veröffentlicht am 21.11.2007 um 00:00 Uhr

Gastroenterologe Dr. med. Christoph Hunnius mit Minikamera in de

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland, schildert Chefarzt Dr. med. Horst-Helmut Krause, Facharzt für Innere Medizin. Rechtzeitig erkannt sei Darmkrebs aber durchaus heilbar. Bei einer Darmuntersuchung fänden sich durchschnittlich bei 20 untersuchten Personen über 50 Jahren ein bis zwei Personen, die an Darmkrebs erkrankt sind. Neu ist am Kreiskrankenhaus Rinteln vor allem die Diagnosemethode: Eine Kamera, die für die Untersuchung geschluckt wird, ist kaum größer als eine Antibiotikum-Kapsel. So sei die Untersuchung völlig schmerzfrei und praktisch ohne Komplikationen ausführbar, betont Krause. Hundert Teilnehmer könnten an diesem Pilotprojekt teilnehmen, pro Patient betragen die Kosten 600 Euro, die sich Arbeitgeber und Mitarbeiter nach einem innerbetrieblichen und selbstständig erarbeiteten Schlüssel teilen müssten. Doch vorsorgende Untersuchungen tragen nicht nur zu längerer Lebenszeit und größerer Lebensqualität bei, sondern können auch vom wirtschaftlichen Standpunkt her für Firmen und Mitarbeiter nur Vorteile bringen. So gibt es momentan Überlegungen, ein vergleichbares Projekt auch für weibliche Mitarbeiter anzubieten, sollte das jetzige Vorsorgeprojekt gut angenommen werden. Gut besucht war im Kreiskrankenhaus das Arzt-Patienten-Seminar "Ein Herzinfarkt kann jeden treffen" anlässlich der bundesweiten Herzwoche der Deutschen Herzstiftung. Im Landkreis Schaumburg starben im letzten Jahr 137 Menschen an dem "akuten Myokardininfarkt". Das sind statistisch 8,3 Sterbefälle je 10 000 Einwohner und mehr als im Niedersachsenschnitt mit 7,8 Sterbefällen, erläuterte dazu Carsten Lüders vom Niedersächsischen Landesamt für Statistik. Dr. Horst-Helmut Krause und Dr. Christian Vielhauer von der Inneren Abteilung des Kreiskrankenhauses sowie der Rintelner Kardiologe Dr. Torsten Figura vermittelten in dem Seminar grundlegende Kenntnisse zu diesem Thema, wie Risikofaktoren, Erkennen eines Herzinfarktes, das Verhalten im Notfall und den Rehabilitationsprozess. "Es darf nicht gewartet und gehofft werden, bis die Symptome vorbeigehen, denn das tun sie nicht", erklärte Krause. Wer das typische Druck- oder Engegefühl hinter dem Brustbein oder im ganzen Brustkorb merkt oder stechende Schmerzen verspürt, die in Arme, Hals, Bauch, Rücken oder Schultern ausstrahlen, sollte sofort den Notarzt alarmieren. "Bei jedem Infarkt muss man die Behandlung so früh wie möglich beginnen", so Krause. Bei einem Herzinfarkt sterben Teile des Herzmuskels ab und können Kammerflimmern und Herzstillstand zur Folge haben. Somit sind die ersten Minuten und Stunden nach dem Infarkt entscheidend. Daher erhalte der Patient bereits im Krankenwagen eine "frühe und effektive medizinische Behandlung, die im Krankenhaus fortgesetzt wird." Dr. Figura erläuterte den Rehabilitationsprozess, wie zum Beispiel die Teilnahme in einer Herzsportgruppe. Die erste Kontrolluntersuchung sei nach etwa drei Monaten fällig. Auch rechtliche Folgen ließ Figura nicht aus: "Viele Menschen wissen nicht, dass Patienten bis zu sechs Monaten nach einem Infarkt nicht Auto fahren dürfen."



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