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Demenzerkrankung: Pflegende Angehörige wissen oft nicht, wie sie Entlastung erfahren können

Die Hilfe ist da - man muss sie nur abrufen

Bückeburg. Die Krankheit schleicht sich kaum merklich ein, ergreift mit der Zeit jedoch zunehmend Besitz vom Alltag nicht nur der Betroffenen, sondern auch derer, die mit diesen zu tun haben. In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an Demenz - mit steigender Tendenz. Die Krankheit bewirkt den allmählichen Verlust geistiger Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten; sie führt dazu, dass die Betroffenen ihren Alltag aus eigener Kraft nicht mehr meistern können. Oft helfen ihnen Angehörige, zumeist die Kinder der Erkrankten. Und oft wissen die Angehörigen nicht, dass ihnen bei der schweren Aufgabe, einen Demenzpatienten zu pflegen, hilfreiche Organisationen mit praktischer Unterstützung zur Seite stehen, dass es auch staatliche Leistungen gibt, auf die sie einen Rechtsanspruch haben und mit deren Hilfe sie die Last der Pflege leichter schultern können.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 15:09 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:06 Uhr

Elisabeth Stummeier führt die Mitglieder des Bückeburger Seniore
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Thomas Meinecke Redakteur zur Autorenseite

Der Bückeburger Seniorenbeirat war jetzt zu Gast beim Diakonie-Pflegedienst. Der betreibt an der Petzer Straße 47 das "Café Oase" - eine Einrichtung, die Demenzpatienten und Angehörigen gleichermaßen wenigstens an jedem Mittwoch für einige Stunden "Urlaub" von ihrem Pflegealltag ermöglicht. "Die Patienten werden bei uns eins zu eins betreut", erläutert Elisabeth Stummeier, dass jedem Patienten ein Betreuer zur Seite steht. In dem ehemaligen Gebäude der Standortverwaltung ist eine ganze Etage für diesen Patientenkreis reserviert - man kommt unter Leute und bleibt doch unter sich. Das senkt die Hemmschwelle, gerade auch für die Angehörigen, die Demenzkranke pflegen. Hemmschwelle - das ist ein großes Thema. Auch ein leidiges, weil es Leid verlängert. Viele Angehörige gestehen sich oft zu spät oder gar nicht ein, dass ihnen die Pflegelast, die sie neben ihrem eigenen Alltag organisieren müssen, mit der Zeit über den Kopf zu wachsen droht. Vor allem möchten sie vor Verwandten, Nachbarnoder Freunden nicht dastehen als jemand, "der das nicht packt". Viele scheuen sich zudem, staatliche Geldleistungen anzunehmen, auf die sie einen Rechtsanspruch haben, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Zwei Beispiele sollen verdeutlichen, welche Unterstützung pflegende Angehörige erfahren können: ? Sofern der Patient in eine Pflegestufe eingruppiert ist (egal welche), können pflegende Angehörige nach dem Pflegeleistungsergänzungsgesetz zurzeit für so genannte "niederschwellige Angebote" - wie das Café Oase - jährlich einen Betrag von 460 Euro abfordern. Da der vierstündige Betreuungsnachmittag im Café Oase 60 Euro kostet, ermöglicht es allein dieser Fördertopf jedem Pflegenden, fast acht Nachmittage lang professionelle Entlastung in seinm Pflegealltag zu erhalten. Zum Nulltarif. Und: Innerhalb eines Jahres nicht verbrauchte Beträge werden sogar ins folgende Jahr übertragen. Augenblicklich wird sogar diskutiert, diesen Betrag auf 2400 Euro pro Jahr aufzustocken.  Für Fälle der "Verhinderungspflege" - eben weil der Pflegende verhindert ist - stellt der Gesetzgeber außerdem einen jährlichen Betrag von 1432 Euro bereit. Die Beispiele zeigen, das Pflegende Hilfe durchaus erfahren können; sie müssen sie lediglich abrufen. Man braucht nur zu wissen, wo man sich informieren kann. Seniorenbeirat Bückeburg: Die Vertretungälterer Menschen in Bückeburg hat den landesweit beachteten "Leitfaden für Senioren und die 50er Generation" mit vielen nützlichen Tipps erstellt. Den Leitfaden erhält man in der Begegnungsstätte an der Herderstraße 35. Diakonie-Pflegedienst: Die Einrichtung betreibt unter anderem das schon erwähnte Café Oase. Eine umfangreiche Broschüre informiert über die angebotenen Leistungen; außerdem werden Hilfesuchende beraten. Pflegedienst und Café Oase finden Sie im Anna-Mensching-Haus an der Petzer Straße 47. Falls Sie lieber erst mal anrufen wollen: (0 57 22) 95 59-0.

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