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"Knatensen All Stars" feiern zehnjähriges Bestehen / Ramsey des Südharrls

Die Herzen der Besucher schlagen bis unter Sümenings Tennendecke

Bückeburg (bus). Heißer Osterauftakt in Knatensen: Am Gründonnerstag haben die "Knatensen All Stars" ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Weit mehr als einhundert Anhänger und Freunde der außergewöhnlichen Kapelle mochten sich das Spektakel auf Sümenings Tenne nicht entgehen lassen. Und das einmalige Oktett enttäuschte nicht einen einzigen. Seine "Musik vom and'ren Stern" führte in drei Sets 26 musikalische Preziosen zusammen, deren Interpretationen die Herzen der Besucher bis unter die Tennendecke schlagen ließ. Die "Knasties" - Hedda Reinke (Akkordeon, Gesang), Petra Rinne (Gesang, Perkussion), Gerhard Heitschmidt (Akkordeon), Thorwald Hey (Bass), Peter Kohlmann (Gesang), Erwin Kornitzki (Trommel, Gesang), Joachim Reinke (Schlagzeug) und Helmut Rinne (Klarinette, Gesang) - geben mit "Happy Birthday" gleich mit dem ersten Stück die Richtung des Abends vor. Spätestens bei den Titeln zwei und drei ("When the Saints..." und "Auf Sümenings Tenne") wissen alle, wo's langgeht. Und als das Konzert sich mit "Knatenser Nächte" - "...früh am Morgen, wenn die Morgensonne lacht, wird der Zapfhahn noch lange nicht zugemacht..." - seinem Ende nähert, möchte das Südharrl-Publikum die ganze Reise am liebsten gleich wieder von vorn beginnen.

veröffentlicht am 18.04.2006 um 00:00 Uhr

Seit zehn Jahren in der Erfolgsspur: Die "Knatensen All Stars" m

Die "All Stars" bestechen vor allen Dingen durch einen heutzutage selten anzutreffenden Gleichklang subtiler Könnerschaft und ungestümer Spielfreude. Bereits an der Rhythmusabteilung gibt es nichts zu meckern. Kornitzki (dicke Trumm), Reinke (Dschingderassabumm) und Hey (Präzisionsbass) tuckern mal einem mit Schwerdiesel gefütterten Takt-Traktor gleich, mal kommen sie leichtfüßig wie Sümenings Katzedaher. Aber stets hantieren sie mit einer metronomischen Akkuratesse, die einer Atomuhr zur Ehre gereichte. In der Tastenabteilung - die Doppelquetschenbesetzung ist eine weitum einmalige Bandfinesse - finden sich mit Reinke und Heidtmann zwei fingerfertige Filigran-Artisten, deren Klangteppich dem Rest der Kapelle ein Vertrauen und Sicherheit erweckendes Ruhekissen darbietet. Da ist es Petra und Bandleader Helmut Rinne sowie Solosänger Kohlmann ein Leichtes, zu brillieren, dass die Schwarte kracht. Vor allen Dingen Kohlmann. Der Bill Ramsey des Südharrls besticht schon allein durch seinen Standpunkt: Peter steht - von den Zuschauerrängen aus betrachtet - links. Nicht etwa wie mehr oder weniger unbemerkenswerte Kollegen der Intonationszunft in der Bühnenmitte. Nein: Links. Nassforsche Zeitgenossen vermuten dahinter eine der schnellen Thekenerreichung geschuldete Übereinkunft mit den Jungs von der Bühnenchoreographie. Was indes nicht zu beweisen ist. Ohnehin gehen dem phonischen Schwergewicht während des Konzerts weder Pils noch Stimme aus. Apropos Stimme: Ramsey Kohlmann verfügt über soviel davon, dass er sie mit bemerkenswerter Großzügigkeit auch von den Komponisten ursprünglich nicht notierten Halbtönen schenkt. Vor allen Dingen, wenn die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe auf den ihr auf den Leib geschriebene Titel trifft ("Rote Lippen soll man küssen", "Südharrl bei Nacht", "Warte, warte noch ein Weilchen") schert sie sich herzerfrischend wenig um tonale Tontreue und ausgeklügelte Gesangsarrangements. Dann bricht sich der Vollblutentertainer Bahn. Dann interpretiert Kohlmann den Massenmörder Hamann, dass einem Angst und Bange, und den "Just a Gigolo", dass es dem weiblichen Auditorium feucht um die Augen wird.

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