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Einigen Betreibern von Postagenturen geht im Streit um die Schließung von Postbankfilialen die Luft aus

"Die Großen machen einen irgendwann mürbe"

Landkreis (crs/kdt/jpw). Die Betreiber von Postagenturen im Landkreis sind unter dem Druck der Deutschen Post AG teilweise eingeknickt: Einige haben den Auflösungsvertrag für ihre Postbankfiliale unterschrieben. Andere wollen aber nicht aufgeben. Alle Bürger, die sich gegen die Schließung der Filialen zum 30. Juni wehren, sind zur heutigen Diskussion zum Thema "Postbankfilialen erhalten - ländliche Lebensqualität sichern" in den "Dorfkrug", Meeresblickstraße 5, in Wölpinghausen eingeladen. Beginn ist um 17 Uhr.

veröffentlicht am 01.04.2006 um 00:00 Uhr

Laura Söntgerath (l.) und Daniela Kreißler von der Postagentur i

Kämpferisch zeigen sich die Betreiber der Postagenturen in Steinbergen, Exten und Rehren, die den Aufhebungsvertrag nicht unterzeichnet haben. Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Proteste des vergangenen Jahres sind die Eheleute Fischbeck "ganz zuversichtlich", das Postbank-Geschäft in Steinbergen halten zu können - wegen einer Urlaubsreise können sie in Wölpinghausen aber nicht persönlich dabei sein. Nicht unterzeichnet hat auch Viola Werner aus Exten, "und das werde ich auch nicht", tritt sie weiter für ihre Kunden ein. Und das, obwohl die Post bereits mehrmals "freundlich nachgefragt" habe. Laura Söntgerath hat in ihrer Postfiliale in Rehren über 300 Protest-Unterschriften gegen die Post-Pläne gesammelt. Aufgegeben haben Karin und Heinrich Nagel von der Postagentur in Kathrinhagen und Angelika Held aus Rolfshagen. "Mit kleinen Nadelstichen macht die Post uns kaputt", ist Nagel resigniert, "irgendwann machen die Großen einen mürbe." Dass sich der Protest für ihn noch lohnen könnte, glaubt er nicht: Wegen der unsicheren Situation seien bereits die Hälfte der Postbankkunden abgesprungen. Ähnlich beurteilt Angelika Held die Situation: "Ich werde nicht mehr in den Kampf einsteigen, irgendwann ist die Kraft am Ende." Bis Anfang Juli noch läuft das Postbank-Geschäft in Rolfshagen, dann ist Schluss, bedauert sie. "Aber alles andere, das läuft ganz normal weiter." "Das ist ein unabänderliches Ereignis", hatte Hans-Dieter Vogt von der Postagentur Sachsenhagen gleich nach Bekanntwerden der Schließungspläne für die Postbank gesagt. Und so hat er "nach einigem Überlegen" den freiwilligen Auflösungsvertrag mit der Postbank unterschrieben. Das bedeutet, dass vom 3. Juli an keine Postbank-Dienstleistungen mehr in der Postagentur Sachsenhagen angeboten werden. Ursula Habelmann wollte für ihre Postagentur Wölpinghausen die Entscheidung nicht alleine treffen müssen. "Wir hätten in jedem Fall den schwarzen Peter gehabt", sagt sie. Der Gemeinderat hatte zu dem Thema eigens eine Sondersitzung angesetzt und eine Resolution an die "große Politik" verabschiedet. Der Betreiberin wurde empfohlen, den Auflösungsvertrag nicht zu unterschreiben. Daran hat sich Habelmann auch gehalten.

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