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Die letzte Pyrmonter Gräfin wurde im Solmser Land, im heutigen Bundesland Hessen geboren

Die Gräfin wurde schon als Kind verheiratet

Die letzte Pyrmonter Gräfin war Margarethe von Nassau-Beilstein und sie hat eine interessante Lebensgeschichte, von der heute kaum mehr jemand etwas weiß.

Sie wurde um 1420 als Tochter des Grafen Johannes I. von Nassau Beilstein und Gräfin Mechthild von Isenburg-Grensau auf der Burg Beilstein im sogenannten Solmser Land im heutigen Bundesland Hessen geboren.

veröffentlicht am 30.04.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 04.05.2010 um 11:20 Uhr

Grabstein mit Bildnis der Gäfin Margarethe von Nassau-Beilstein

Von Manfred Willeke

Wie es damals üblich war, ist sie schon als Kind verheiratet worden und wurde bis zur Ehefähigkeit mit ihrem künftigen Mann zusammen erzogen. Am 8. September 1424 wurde die Ehe mit Graf Johann von Vianden und Schöneck geschlossen, der 1443 bereits verstarb.

Kinder gingen aus dieser Ehe nicht hervor und es ist auch sonst nichts weiter bekannt.

Vermutlich lebte sie nach dem Tod ihres Ehemannes wieder auf der elterlichen Burg Beilstein und heiratete um 1462 den rund zwölf Jahre jüngeren Grafen Moritz von Pyrmont, der sich nach einer Reihe namentlich unbekannter Gräfinnen wahrscheinlich etwas Glanz vom bekannten Namen des Grafenhauses Nassau für das Pyrmonter Grafenhaus erhoffte. Eine große Mitgift hat ihm seine Frau wohl nicht zugebracht, denn die Nassau-Beisteiner Grafen waren nicht sehr vermögend.

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Zum Zeitpunkt der Eheschließung war die Gräfin wohl schon zu alt, um noch Kinder zu bekommen, sodass das Haus Pyrmont ausstarb.

Von 1466 bis 1474 lebte Gräfin Margarethe mit ihrem Mann zusammen in Lübeck, wo er als Stadthauptmann tätig war. Erst danach kehrten sie in die Grafschaft Pyrmont zurück, wo sie in ihrer Residenz in Lügde wohnten, an die sie 1477 ein bis dahin fehlendes „Privet“, das heißt einen Abtritt anbauen ließen.

Gräfin Margarethe trat von Beginn ihrer Ehe an immer sehr selbstbewusst auf und stellte, zur Bestätigung, häufig gleichlautende Urkunden neben ihrem Mann aus, an die sie immer ihr Nassauer Siegel hing. Wahrscheinlich war ihr bewusst, dass aus ihrer Familie der deutsche König Adolf von Nassau (1292-1298) stammte. Seit 1491 tritt sie vermehrt in den Vordergrund. Am 4. Mai 1494 verstarb ihr Mann, Graf Moritz von Pyrmont und wurde vor dem Katharinenaltar (südiche Seitenapsis) in der Kilianskirche vor Lügde beigesetzt. Nun übernahmen die Grafen Moritz und Friedrich zu Spiegelberg aus Coppenbrügge bei Hameln die Herrschaft in der Grafschaft Pyrmont, was nicht ganz unumstritten war. Neben ihnen tritt aber auch Gräfin Margarethe noch auf, die 1495 eine Schenkung des Lügder Bürgers Kort von Riepen bestätigte und dem Kloster Falkenhagen am 25. Mai 1496 die Rechtmäßigkeit aller Schenkungen ihres verstorbenen Mannes bestätigte. Ihren persönlichen Nachlass hatte sie nach dem Tod ihres Mannes 1494 bereits ihrem Neffen Johannes von Nassau-Beilstein vererbt. Ihren Witwenanteil, die sogenannte Leibzucht an der Grafschaft Pyrmont, übereignete sie am 24. Juni 1498 den Grafen Moritz und Friedrich zu Spiegelberg, deren Herrschaftsanspruch sie damit unterstrich.

Am 26. Juni 1498 ist sie dann in der Lügder Residenz der Pyrmonter Grafen verstorben und wurde in der Kilianskirche neben ihrem Mann beigesetzt. Wie ihr Mann, hat sie einen prachtvoll gearbeiteten Grabstein mit ihrem Bildnis bekommen, von dem es leider nur noch eine Zeichnung gibt. Wie der Grabstein ihres Mannes, ist auch ihrer 1723 bedauerlicherweise zur Erhöhung des Chores in der Lügder Stadtkirche verwendet worden.

So erinnert heute nichts mehr an diese selbstbewusste letzte Pyrmonter Gräfin.

Die Burg Beilstein in Beilstein.



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