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Dr. Stefan Brüdermann hält Festvortrag bei 750-Jahr-Feier

"Die Geschichte macht den Charakter eines Dorfes aus"

Ahnsen (hbm). "750 Jahre - ein Grund zur Freude, zum Feiern, ein Grund für Glückwünsche an alle Bürgerinnen und Bürger, die das Dorf zu dem lebens- und liebenswerten Ort gemacht haben, der er heute ist", so Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier auf der Festveranstaltung anlässlich des 750-jährigen Jubiläums der Gemeinde Ahnsen. Die Geschichte, so der Landrat, mache den Charakter eines Dorfes aus. Auf der Schlussveranstaltung in der Freien Evangelischen Gemeinde hatte Dr. Stefan Brüdermann vom Niedersächsischen Staatsarchiv die etwa 200 geladenen Gäste zuvor in einem lebendigen und bemerkenswerten Festvortrag mit auf die Reise durch die vergangenen neun Jahrhunderte genommen.

veröffentlicht am 23.05.2007 um 00:00 Uhr

Dr. Stefan Brüdermann hält den Festvortrag. Foto: hbm

Dr. Stefan Brüdermann zeigte eine im Staatsarchiv Bückeburg aufbewahrte Urkunde vom 29. Juni 1256 mit dem Siegel des Mindener Bischofs, in der erstmalig von "Adenhusen" die Rede ist. Der Ortsname wechselte im Laufe der Jahrhunderte, bis sich im späten 17. Jahrhundert die Form "Ahnsen" stabilisierte. "Hätte damals jemand auf einem Pergamentzettel eine Notiz gemacht und sie im Staatsarchiv deponiert, so hätten Sie womöglich schon die 1000 Jahre feiern können", wies Dr. Brüdermann humorig auf den Schaumburger Siedlungsforscher Franz Engel hin, der meint, Orte auf -husen seien um das Jahr 1000 gegründet worden. Vielleicht, so Dr. Brüdermann, seien es überzählige Siedler aus Vehlen gewesen, die Ahnsen angelegt haben. Die Ahnser hatten lange Zeit viel mit Vehlen zu tun. Sie gingen dort zur Gerichtsversammlung, später zur Kirche, und mussten noch später ihre Kinder dort zur Schule schicken. Für Ahnsen endete die Zugehörigkeit zur Vehlener Pfarre erst 1954 mit der Neugründung der Kirchengemeinde Bad Eilsen. Eine friedliche Zeit des Wachstums ging mit der Katastrophe des 30-jährigen Krieges (1618-1648) zu Ende. Die Grafschaft Schaumburg war zwar neutral, hat aber von durchziehenden Truppen schwere wirtschaftliche Verluste erlitten. Es habe Jahrzehnte gedauert, bis sich das Land davon erholt habe. "Der Landesherr möchte von nun an genau Bescheid wissen", kommentierte Dr. Brüdermann die erste präzise Bevölkerungsstatistik, die im Jahr 1766 angefertigt wurde. 1836 wurden in der Vehlener Schule in zwei Klassen zusammen 130 Schüler unterrichtet. 1876 wurde der Schulbezirk Vehlen geteilt und ein neuer Bezirk aus den Ortschaften Ahnsen, Widdensen, Neumühlen, Bergdorf und der Kolonie auf dem Harrl gebildet. Die neue Schule wurde zentral in Widdensen angelegt. Hatte Ahnsen 1766 noch 117 Einwohner waren es 1905 bereits 624.Die Statistik belegt, dass Ahnsen 1912 kein reines Bergarbeiterdorf wie Sülbeck oder Vehlen war, sondern von Bergarbeitern und Handwerkern geprägt war. Mit dem Bau der Bad Eilsener Kleinbahn hat Ahnsen sogar einen eigenen Eisenbahnanschluss bekommen. Am 30. Januar 1933 bekamen die demokratisch orientierten Parteien reichsweit zusammen gerade noch 35 Prozent. Es kam zur Koalition der NSDAP mit der extremen Rechten "Schwarz-Weiß-Rot", und der Staatsterror ging los. Dr. Brüdermann: "Die Ahnser haben diese Wahl nicht getroffen". In Ahnsen haben 27 Prozent die NSDAP und 6 Prozent die Deutschnationale "Kampffront Schwarz-Weiß-Rot" gewählt, aber mit 67 Prozent genau zwei Drittel die SPD, die für die demokratische Weimarer Reichsverfassung gestanden hat. Bürgermeister Heinz Grabbe bezeichnete es als "ein schönes Zeichen der Verbundenheit, des Heimatbewusstseins, dass sich so gut wie alle Vereine und Organisationen an allen Veranstaltungen 2006 und 2007 beteiligt haben". Die Abschlussveranstaltung wurde musikalisch umrahmt von der Streichergruppe der Musikschule Schaumburger Märchensänger.



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