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Schüler lernen eine jugendgemäße Kirche kennen / Meinberg: "Angebote müssen mit der Zeit gehen"

Die gelbe Karte für den Jesus-Schläger

Obernkirchen (rnk). Dieältesten Comicbilder der Bergstadt sind 512 Jahre alt, hängen in der Stiftskirche und haben auch nach 20 Jahren, in denen sie Herbert Schwiegk regelmäßig angeschaut hat, immer noch Überraschungen in petto. Die 13 Bilder zeigen den Leidensweg Jesu, vom Garten Gethsemane bis zur seiner Auferstehung. Sie entstanden zu einer Zeit, als Gottesdienste noch in Latein gehalten wurden und die Bibel fast 30 Jahre auf ihre deutsche Übersetzung warten musste. Besonders angetan hat es dem Pastor das Bild der Auferstehung, auf dem die Bild-Schnitzer einen Sarg als Symbol des Sieges über den Tod gewählt haben, das versteht schließlich jeder. "Und so ganz nebenbei bekommt ein Knecht, der ihn bei der Kreuzigung geschlagen hat, noch einen Tritt", erklärt Schwiegk: "Das entspricht heute der gelben Karte." Ein gutes Dutzend Kinder hört durchaus fasziniert zu, als Schwiegk Comics im Mittelalter erklärt.

veröffentlicht am 21.05.2008 um 00:00 Uhr

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Gut 90 Kinder haben gestern an einer Aktion teilgenommen, die Thorsten Reinecke als Leiter des Schulzentrums als "einzigartig" im Landkreis einstufte: Statt Schule gibt es Kirche, statt Mathematik und Deutsch durfte aus sieben Workshops gewählt werden, die meistens mehr und selten weniger kirchlichen Bezug haben. Die jugendgemäße Kirche sollen die Schüler kennenlernen, die Kirchengemeinden Obernkirchen Kathrinhagen und Rolfshagen sowie Hattendorf stellen mit dem Kirchenkreisjugenddienst die Workshop-Angebote. In der Bergstadt, so sagt Pastor Wilhelm Meinberg, sei der Anteil der Jugendlichen, die durch kirchliche Angebote erreicht würden, seit Jahren stabil: "Weil die Angebote sich wandeln, weil sie mit der Zeit gehen." Projekte, Workshops und Fahrten, einzelnen inhaltliche Angebote - "wird die Arbeit jugendgemäß gestaltet, dann kommt auch was rüber", erklärt der Pastor. Für die Schüler der fünften Klasse was rüberbringen - keine leichte Aufgabe, sagt Dr. Heike Köhler, denn das Kreuz ist ja nicht unbedingt positiv besetzt. Daher lässt die Kirchenkreisjugendpastorin die Workshopteilnehmer aufstehen und die Hände zum Himmel strecken: "Das ist die eine Richtung,die den Himmel, also Gott, mit der Erde, also den Menschen verbindet." Dann werden die Hände zur Seite gestreckt: "Das ist die Verbindung der Menschen untereinander." Eine Erklärung, die weiterhilft: Im nächsten Workshop können Kreuze ausgemalt werden - fast alle greifen zu bunten, fröhlichen Farben und Mustern. Während auf dem Glockenturm die gute Sicht mit einem Quiz gekoppelt wird, kann bei Rita Weber und Katrin Winkler die Kreativität ausgelebt werden. Vorgaben gibt es bei der Arbeit mit Speckstein nicht, die Kinder basteln kleine Katzen, Schlangen und sogar die blau-weiße HSV-Raute wird auf dem Stein aufgetragen. "Was willst du?" fragt im großen Saal des Gemeindezentrums Martina Brose ihre Workshop-Teilnehmer. Was sie selber will, ist in einem Satz erzählt: "In die Köpfe der Kinder gucken, um zu erkennen, wie sie Kirche wollen", erklärt die Kirchenkreisjugendwartin. Dass sich kirchliches Engagement durchaus lohnt, erzählt die Rodenberg Schülerin Nina Siewert: "Es macht Spaß, und man Kirche so mitgestalten, wie man sie selbst haben möchte." "Aufstehen und aufeinander zugehen, von einander lernen, miteinander umzugehen", singen zum Abschluss des Tages alle Kinder in der Stiftskirche. Die Stimmung ist bombig, die Workshop-Leiter werden abgefeiert wie Popstars, "die Gesichter glühen vor Fröhlichkeit" bringt es Schulleiter Reinecke auf den Punkt. Und empfiehlt eine regelmäßige Wiederholung einmal im Jahr. Widerspruch war nicht zu hören.

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