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Keim Kaminholz mehr / Absatzsteigerung um 80 Prozent / Keine Lieferung ans neue Klinikum

Die fürstlichen Forste melden "ausverkauft"

Bückeburg (bus). Wer das insgesamt etwa 3700 Hektar umfassende Revier des Fürstlichen Forstamtes derzeit als geeignete Quelle der privaten Holzversorgung betrachtet, befindet sich auf dem sprichwörtlichen Holzweg. "Wir sind ausverkauft", gibt Forstamtsleiter Christian Fischer kund. Wegen der enorm gestiegenen Nachfrage, der Forstdirektor kalkuliert die Mengenabsatzsteigerung bei Brennholz gegenüber dem Vorjahr auf etwa 80 Prozent, kämen gegenwärtig nur Altkunden zum Zuge. Und auch die hätten sich zu bescheiden. "Eine Erhöhung der Kontingente ist momentan nicht möglich."

veröffentlicht am 09.11.2006 um 00:00 Uhr

Forstdirektor Christian Fischer meldet den Ausverkauf von Kaminh

Fischer legt wert auf die Feststellung, dass der Engpass keineswegs, wie in Schaumburg mancherorts gemutmaßt wird, mit Lieferungen ins Westfälische zusammenhänge. "Wir sind nicht an der Energieversorgung des neuen Mindener Klinikums beteiligt", stellt er mit Nachdruck fest. Hinter diesen Gerüchten sei "kein Raummeter Wahrheit" auszumachen. Die Entwicklung beruhe allein auf dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Während auf der Nachfrageseite steigende Öl- und Energiepreise Versorgungsängste und den Wunsch nach heimischen Ressourcen zeitigten, müsse sich das Angebot des Forstamtes an den seit Generationen geltenden Prämissen Qualität und Nachhaltigkeit orientieren. Fischer: "Wir liefern keine schnell nachwachsende Biomasse." Nach Einschätzung des Experten ist eine Ende der Entwicklung nicht absehbar. "Es wird sich noch einiges tun", meint Fischer mit Blick auf die in Ostasien sich neu auftuenden Märkte. Auch stünden Auswirkungen auf Sekundärprodukte in der Spanplatten-, Papier- und Zellstoffproduktion zu erwarten. Als sicheres Indiz der aktuellen Begehrtheit gilt im Forstamt die Verweildauer des geschlagenen Holzes im Wald. "Extrem kurz", sagen die Fachleute übereinstimmend. Was früher bis zu einem dreiviertel Jahr am Wegesrand gelegen habe, werde heute spätestens nach vier bis acht Wochen abtransportiert. Das Amt berechnet derzeit pro selbst aufbereiteten Raummeter Brennholz je nach Lage zwischen 15 und 20 Euro, "fertige" geschnittenes und an den Waldweg gerücktes Holz schlägt mit 45 Euro pro Festmeter zu Buche. Apropos "Buche": In den Schaumburger und Lipper Revieren des seit 1992 als Saatgutbetrieb zertifizierten Forstamts sind in den vergangenen Wochen erstmals seit einigen Jahren wieder Bucheckern und Eicheln geerntet worden. Buche und Eiche machen mit jeweils etwa 35 Prozent den Hauptbestandteil des Fürstlichen Privatforstbetriebs aus; rund 20 Prozent der Bäume sind Fichten. Fischer schätzt den Ernteertrag auf rund zehn Tonnen Eicheln und zirka drei Tonnen Eckern. Was zwar nicht an die Mengen des Rekordjahres 1992 (allein 30 Tonnen Eicheln) heranreiche, aber "gewaltige, lange nicht zu verzeichnende Zahlen" bedeute. Mit dem zunächst an Baumschulen in ganz Norddeutschland gelieferten Saatgut wird, per Neuaufforstung, auf lange Sicht auch der Fortbestand des heimischen Waldbestandes gesichert. Das Geschäft gestaltet sich nach Fischers Angaben unterdessen wegen des gewaltigen Verwaltungsaufwandes als sehr zeitintensive Angelegenheit und sei beinahe so aufwändig wie die Vertröstung der Brennholz-Neukundschaft. "Das ist eine Wahnsinnsbelastung für unsere Förster", schildert der Amtsleiter. Rundum die Uhr und alle Tage stünden die Telefone nicht still. Erfreulich sei, dass, trotz aller Begehrlichkeiten, keine nennenswerte Zunahme von Diebstahlsdelikten zu verzeichnen sei. Allerdings, rät Fischer der Kundschaft, solle das Holz nach Möglichkeit "nicht allzu verkehrsgünstig" gelagert werden. Das Angebot könnte demnächst noch knapper werden. Im Schloss wird darüber nachgedacht, das komplette Heizungssystem auf Holzhackschnitzel umzustellen.

Christian Fischer
  • Christian Fischer

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