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Zankapfel Klenkenhof: Viele Wiedensahler nutzen den Informationsabend des Rates für Rückfragen

Die Fronten bleiben verhärtet

Wiedensahl (kle). Von einer Lockerung der Fronten kann nach der Bürgerinformation des Wiedensahler Rates über den beschlossenen Kauf des Klenkenhofs als Mehrzweckhaus und potenzielles Museum wohl kaum die Rede sein. Zwischenrufe und polemische Kommentare aus dem Publikum waren im späteren Verlauf der Veranstaltung keine Seltenheit mehr. Nichtsdestotrotz hatten beide Parteien – sowohl die offiziellen Vertreter als auch „unbeteiligte“ Zuhörer – am Dienstagabend ausreichend Zeit, ihre jeweiligen Positionen darzulegen und Fragen zu stellen.

veröffentlicht am 11.07.2012 um 20:38 Uhr
aktualisiert am 11.07.2012 um 21:54 Uhr

Eingeladen hatten Rat und Verwaltung zu dem Informationsabend, um die Hintergründe für die Entscheidung näher zu erläutern: Seit Wiedensahl ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen worden war, gab es unterschiedliche Überlegungen, in welche Richtung es gehen könnte, erklärte Bauingenieur Volker Wehmeyer, der bei den Planungen derzeit die Aufgaben erfüllt, für die in größeren Kommunen das Bauamt zuständig ist. Stichworte wie das Dach der Sporthalle, eine neue Begegnungsstätte und öffentliche Toiletten fielen, „das waren alles Ideen, die Wiedensahler zusammengetragen hatten, was sie sich so vorstellen“. Nachdem das neue Pfarrhaus als mögliche Stätte dafür hatte ausgeschlossen werden müssen, ergab sich Anfang des Jahres der Klenkenhof als mögliche Alternative, die zudem noch Platz für ein barrierefrei zugängliches Gemeindebüro sowie für weitere Museumsräume bieten würde.

Reibungspunkte zwischen der Pro- und Kontra-Seite ergaben sich unter anderem aus der Frage, ob ein solches Mehrzweckhaus oder sogar ein weiteres Museum überhaupt vonnöten sei. Unter anderem Bernhard Peeck, Mitinitiator des Bürgerbegehrens, äußerte starke Zweifel daran, dass ein weiteres Museum tatsächlich so viele Gäste mehr nach Wiedensahl locken werde. Auch den Nutzen weiterer Toiletten und Mehrzweckräume zweifelte er an, immerhin seien die Räume des alten Pfarrhauses als Treffpunkt für Gruppen und Vereine noch nicht einmal voll ausgelastet.

Ratsherr Horst Peeck konzentrierte sich vor allem auf die finanzielle Seite: Trotz aller Fördermittel im Zusammenhang mit der Dorferneuerung müsste die Gemeinde immer noch 240 000 Euro für den Hof bezahlen – ganz zu schweigen von den Folgekosten. Weitere davon unabhängige Ausgaben in sechsstelliger Höhe und voraussichtliche jährliche Defizite würden innerhalb weniger Jahre dazu führen, dass die Gemeindekasse leer sei. Zudem sollte man nicht sein ganzes Geld in ein einziges Standbein, nämlich den Tourismus, investieren.

Nicht nur Vertreter von Rat und Verwaltung, sondern unter anderem auch Landrat Jörg Farr (Dritter von rechts) nehmen an der Veranstaltung teil.

Rudolf Meyer, Vorsitzender des Förderkreises Wilhelm Busch, entgegnete dem Einwand Horst Peecks mit der rhetorischen Frage: „Wollen wir überleben, oder wollen wir langsam sterben?“ Abwanderung und demografischer Wandel hinterließen in Nachbargemeinden, die kein Zugpferd wie Wilhelm Busch vorweisen könnten, schon jetzt deutliche Spuren. „Ich bin überzeugt, dies ist unsere letzte Chance.“

Ralf Mahnert vom Amt für Kultur des Landkreises fand zuletzt noch einmal deutliche Worte und gab zu bedenken, dass bei allen Projekten Risiken bestünden – in diesem Fall allerdings allein darin, dass die Gemeinde für 240 000 Euro eine Immobilie erwerbe, die 800 000 Euro wert sei. Am Ende gehe es doch schlicht um die Frage: „Wollen wir uns weiterentwickeln, oder wollen wir stehen bleiben?“

Alle Unentschlossenen haben nun noch einige Wochen Zeit, sich die Argumente noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Wegen eines Bürgerbegehrens (wir berichteten) wird es nämlich demnächst wohl zu einer Bürgerabstimmung kommen, voraussichtlich gegen Ende August oder Anfang September, bei der geklärt werden soll, ob der Rat seine Entscheidung zurücknehmen muss oder nicht.



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