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"Die Figuren sind wie meine Kinder"

von Stefan Bohrer

Zersen. Als Bildschnitzer und Bildhauer werden Künstler bezeichnet, die Figuren oder Reliefs aus dem Naturmaterial Holz fertigen. Einer, der es in dieser besonderen Kunst zur Perfektion gebracht hat, ist der 83-jährige Hans-Joachim Bergmann aus Zersen.

veröffentlicht am 08.10.2009 um 15:36 Uhr

Figurenschnitzer
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von Stefan Bohrer

Zersen. Als Bildschnitzer und Bildhauer werden Künstler bezeichnet, die Figuren oder Reliefs aus dem Naturmaterial Holz fertigen. Einer, der es in dieser besonderen Kunst zur Perfektion gebracht hat, ist der 83-jährige Hans-Joachim Bergmann aus Zersen. Bereits als Achtjähriger hat der gebürtige Schlesier zusammen mit seinem Vater filigrane Laubsägearbeiten gefertigt. Unter anderem entstand eine überdimensionale Weihnachtskrippe, die damals der Kirche in Seiferdau im Kreis Schweidnitz übergeben und von den Gemeindemitgliedern bewundert wurde.  „Die Kirche ist inzwischen leider ebenso verschwunden wie die Krippe“, bedauert Bergmann. Geblieben ist ihm neben der Erinnerung allerdings die Liebe zur Holzarbeit, in der er sich persönlich ausdrücken kann. 

Hans-Joachim Bergmanns Haus in Zersen schmücken mittlerweile rund dreißig Skulpturen. Alle seine Kunstwerke – viele mit religiösem Charakter –sind  detailverliebt, und  bestechen durch idie individuelle Farbgebung mit Wasserbeize und aufgelegtem Blattgold. Gemeinsam ist allen Figuren der sehr persönliche Ausdruck. Sei es die voll Melancholie tanzende Ballerina oder der urige Nachtwächter, zahlreiche Heiligenfiguren oder auch prägnante Reliefbilder.  In seinem Atelier spannt er schließlich jeden zu bearbeitenden Fichtenholzblock ein. „Jetzt kommen Hammer, Stößel und Schnitzmesser zum Einsatz“, erklärt der Zersener Bildhauer. Täglich bis zu fünf Stunden arbeitet er an jeder einzelnen Figur. Nach rund drei bis vier Monaten ist die Skulptur fertig. Abschließend wird sie mit Farbe und Blattgold versehen.
 Vorausgegangen ist dieser Phase des kreativen Schaffens viel Vorarbeit. Auf Papier skizziert er zunächst seine Ideen, die detailgenau vergrößert und auf das zu bearbeitende Holz übertragen werden. „Anatomische Kenntnisse sind dabei Grundvoraussetzungen“, erklärt er.  Alle Entwürfe zeigt Hans-Joachim Bergmann vorher übrigens Ehefrau Gisela. „Meine schärfste Kritikerin“, sagt er augenzwinkernd, „häufig gibt sie mir Anregungen, was ich verändern oder verbessern könnte.“ Trennen will sich Bergmann von keiner seiner Skulpturen. „Sie sind wie meine Kinder“, bekennt er freimütig. Lediglich die Kirche in Steinbergen, in der das Ehepaar vor fast 60 Jahren geheiratet hat, kann sich seit vier Jahren an einer seiner Figurinen erfreuen.

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