weather-image
25°

Fußball-Frauen-WM in Deutschland beginnt mit Spitzenspiel im Stadion

Die Fans sind sich einig: Wir werden Weltmeister 2011 im eigenen Land

Hameln. „Hören Sie mal… ist das toll? Das ist Musik in meinen Ohren.“ Gerade hat Jürgen Seeger die Linotype-Setzmaschine in Gang gebracht, und schon schwärmt der gelernte Schriftsetzer wieder, als wenn er vor einem Orchester Platz genommen hätte. Hat er aber nicht; es widerfährt ihm etwas viel Besseres: Er steht im Herzen des Hamelner Druckerei-Museums am Hefehof, das er zusammen mit einigen Weggefährten vor drei Jahren eröffnen durfte. Die Linotype, sie klappert und rasselt dort so rhythmisch wie im 19. Jahrhundert, in dem sie vom gelernten Uhrmacher Ottmar Mergenthaler, der 1872 nach Amerika auswanderte, erfunden worden war. Darum verlässlich wohl, wie ein Uhrwerk eben.

veröffentlicht am 07.05.2011 um 05:56 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

270_008_4530302_fussball_101_2805.jpg
Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

„Ein wunderbares Geräusch“, sagt Seeger, Vorsitzender des Vereins „Die bewegliche Letter“ und so etwas wie ein Sammler und Jäger in Sachen Druck und Zeitung. Alte Druckpressen und -maschinen, Fotosatz, Setzkästen, Schneidevorrichtungen und viel, viel Equipment aus einer Zeit, in der es noch Berufe wie Schriftsetzer und Stereotypeur gegeben hat, lassen hier eine bleierne Vergangenheit wach werden. Bleiern deshalb, da die einst verwendeten Schriften aus einer Metalllegierung von Blei, Antimon und Zinn hergestellt wurden. Buchstabe für Buchstabe harte Arbeit. „Pro Stunde mussten Schriftsetzer in der Lage sein, 1200 Buchstaben, die Typen genannt wurden, zu setzen“, sagt Seeger. Bei Fehlern wurden Schusterjungen und Hurenkinder geboren…

Dennoch war die Buchdruckerkunst mit beweglichen Lettern, die Johannes Gutenberg zu verdanken ist, ein beachtlicher Fortschritt, denn: Gutenberg war es, der Mitte des 15. Jahrhunderts ein Handgießinstrument zur Herstellung von Drucktypen erfand. Das zeitaufwendige Schnitzen von Holzlettern, Silben oder ganzen Wörtern und Sätzen war damit passé.

Wie großartig Gutenbergs Arbeit einzuschätzen ist, zeigt die Zeit. Quasi über 400 Jahre war sein System aktuell! Dann kam die Linotype-Technik und irgendwann der Rechner. „Der Erfinder des Computers war der Totengräber des Schriftsetzers“, sagt Seeger. Er selbst hat als Technischer Leiter der Druckerei des Hauses CW Niemeyer in Hameln die Entwicklung vom Blei- zum Offsetdruck miterlebt. Nicht, dass er sie verurteilen wolle, „so ist eben die Entwicklung gewesen, und man darf nicht vergessen, dass alle Beteiligten beim Bleidruck einen Knochenjob hatten“, erinnert er sich.

Das Hamelner Druckerei-Museum ist in der Fläche nicht groß, doch Besucher stellen schnell fest, dass sie hier eine ganze Weile verbringen können. Die mittlerweile 53 Mitglieder des verantwortlich zeichnenden Vereins „Die bewegliche Letter“ erfüllen alles, was hier ausgestellt wird, nämlich nicht nur mit Inhalt, sondern mit Leben. Und so unglaublich es klingen mag, so wahr ist es: Jede Maschine funktioniert tadellos!

Die Ruhe vor dem Spitzenspiel: Der Schiedsrichter kurz vor dem Anpfiff im Stadion.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?