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Im Kampf gegen Flocke und Eis

„Die Fahrbahn muss möglichst schwarz sein“

Hameln-Pyrmont. Der Winterdienst ist dieser Tage erstmals so richtig gefordert. Im Landkreis sind 30 Mitarbeiter mit sieben Fahrzeugen unterwegs. Markus Brockmann von der Straßenbaubehörde erklärt, an welchen Strecken bevorzugt geräumt wird. Die Einschränkungen sollen sich am Montag in Grenzen gehalten haben.

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Der Verkehr soll rollen – und nicht rutschen, wenn es im Weserbergland eisig wird und Schneeflocken vom Himmel rieseln. „Die Fahrbahn muss möglichst schwarz sein“, nennt Markus Brockmann das in diesen Tagen ehrgeizige Ziel der ihm unterstellten Straßenmeister. 30 Mitarbeiter des Landes mit sieben Fahrzeugen kümmern sich in Hameln-Pyrmont um den Winterdienst auf 666 Kilometern Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Hinzu kommen viele Ortsdurchfahrten, wo die Landesbehörde im Auftrag der Gemeinden tätig wird. Unterstützt werden die Bediensteten von neun beauftragten Unternehmern, die mit eigenem Wagen, aber mit Räumschild und Streutechnik des Landes ausgerüstet, in den Kampf gegen Flocke und Eis ziehen. In Hameln ist der städtische Bauhof mit 17 Fahrzeugen und 40 Mitarbeitern im Einsatz. Und der begann gestern für den Räumdienst allgemein um 3 Uhr am Morgen.

Schon eine Stunde vorher fahren bei angesagtem Winterwetter „Kundschafter“ zu neuralgischen Punkten im Landkreis, um die Situation vor Ort zu klären. Denn auch wenn die speziellen Wettervorhersagen für den Winterdienst recht detailliert sind, sei das Wissen über die konkrete Situation sehr wichtig, heißt es. „Bei einem Grad Celsius könnte das vorsorgliche Ausbringen von Streusalz dazu führen, dass sich überhaupt erst Glätte bildet“, beschreibt Brockmann eine Gefahr. Deshalb werde genau hingeschaut. Im Zentrum ständen dabei nicht etwa die Kosten, sondern die Verkehrssicherheit, betont der Behördenleiter. Streusalz sei zudem mit Bedacht einzusetzen, um die Umwelt möglichst wenig zu schädigen. In der vorigen Wintersaison, die recht milde war, verbrauchten die Straßenmeister des Landes in Hameln-Pyrmont dennoch 2000 Tonnen Salz. Damit lösten sich nicht nur die Vereisungen von den Fahrbahnen, sondern auch 140 000 Euro in Wasser auf. Im Durchschnitt werden pro Jahr 2500 Tonnen Salz gestreut. Eine Notreserve dieses Streuguts lagert die Landesbehörde bei Latferde – trocken und sicher in einem unterirdischen ehemaligen Munitionsdepot.

Nur auf Autobahnen garantiert der Staat den Winterdienst rund um die Uhr, auf den anderen Straßen kann es zwischen 22 und 6 Uhr auch mal kein Durchkommen geben. Denn auch wenn die Streuwagenfahrer ganz unbürokratisch schon in der tiefen Nacht ausrücken, damit sich der Schnee nicht bis zum Morgen zu Eis verdichtet: „Eine Räumschleife in Hameln-Pyrmont dauert zweieinhalb Stunden“, berichtet Brockmann. „Und wir können natürlich nicht überall gleichzeitig sein.“ Schulbusstrecken, Bundesstraßen und Steigungen würden „bevorzugt behandelt“, das Radwegenetz hingegen nachrangig abgefahren. Weil es keine Betriebsreserve gebe, mache sich jetzt das Fehlen des am Sonntag zwischen Emmern und Hämelschenburg verunglückten Räumlasters bemerkbar. Brockmann hofft, dass der Lkw kurzfristig repariert werden kann. Denn für Dienstag sind neue Schneefälle vorhergesagt.

Dass selbst der große Parkplatz des Kreishauses am arbeitsfreien Sonntag vom Schnee befreit wurde, hat manchen Passanten in Hameln erstaunt. Die Kreisverwaltung betont auf Nachfrage, der beauftragte Dienstleister habe den Einsatz eigenständig organisiert – in der Hoffnung, dass die Fläche beim Arbeitsbeginn am Montag schneefrei wäre. Um 6 Uhr begann es dann jedoch wieder zu schneien …

Große Einschränkungen brachte das Winterwetter am Montag offenbar nicht. Bei den Bussen gab es keine Ausfälle, die Taxifahrer spürten keine verstärkte Nachfrage, die S-Bahn nach Hannover verkehrte fahrplanmäßig. „Es kommt mal vor, dass eine Klapptrittstufe vereist ist oder eine Tür nicht schließt“, schildert Ulrich Wiethaup von der Deutschen Bahn. „Es gab aber schon viel schwierigere Situationen.“ Die DB hat nach negativen Erfahrungen 74 Millionen Euro in den Winterdienst investiert. Flächendeckend stehen Mitarbeiter in Bereitschaft, es wurde Streugut beschafft, und mehr Weichenheizungen als früher verhindern das Einfrieren der beweglichen Teile.

Info- Vor der eigenen Türe kehren

Schnee und Eis auf dem Gehweg müssen in der Regel vom Eigentümer des angrenzenden Grundstückes beseitigt werden. In Hameln gilt diese Räum- und Streupflicht laut Satzung werktags ab 7 Uhr, sonn- und feiertags ab 9 Uhr; sie endet um 21 Uhr. Auch die Gosse und die Kanaleinlaufschächte sind freizuhalten, ebenso Hydranten für die Löschwasserversorgung. Ist kein Gehweg vorhanden, muss auf der Fahrbahn ein Streifen von 1,5 Metern für das sichere Gehen präpariert werden. Als abstumpfende Mittel werden Sand oder Splitt empfohlen, Chemikalien dürfen nicht verwendet werden, Streusalz nur in Ausnahmefällen – „zum Beispiel bei starkem Gefälle, auf Treppen, Rampen oder dann, wenn die Glätte anderweitig nicht ausreichend beseitigt werden kann“. Verstöße gegen die Satzung können mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden.

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