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Rattenfänger-Jubiläumskampagne für den Deutschen Tourismuspreis nominiert

Die düstere Seite der Rattenfänger-Sage kommt an

Hameln. „Geheimnis, Magie und Verführung“: Unter diesem Motto rückt das Rattenfänger-Jubiläum die dunklen Aspekte der Sage und in der Persönlichkeit des Pfeifers ins Licht. Auf magische Momente darf Hameln jetzt auch in Dresden hoffen. Denn: Jubiläumskonzept und Umsetzung sind für den deutschen Tourismuspreis nominiert, der am 5. November an der Elbe verliehen wird. Aus 93 Bewerbungen hat die zehnköpfige Jury sieben Wettbewerbsbeiträge nominiert, darunter auch das Hamelner Jubiläum.

veröffentlicht am 16.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2009 um 17:59 Uhr

Die düstere Seite der Sage kommt an

Autor:

Karin Rohr

Freude und Bestätigung bei der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT): „Allein die Nominierung für diesen Preis ist schon ein sehr, sehr großer Erfolg“, sagt HMT-Chef Harald Wanger. Die gemeinsame Arbeit aller Beteiligten, die sich zu dem Jubiläumsthema Gedanken gemacht und zu dem Erfolg beigetragen haben, sei gewürdigt.

Für innovative Ideen und deren Umsetzung in der Tourismusbranche wird alljährlich der deutsche Tourismuspreis verliehen. Mit dem Ziel: neue Ansätze im deutschen Tourismus zu fördern und die Branche zu motivieren, Routinen aufzubrechen und Neues zu wagen. „Bewertet wird dabei auch der ganzheitliche Ansatz“, sagt Wanger und ist sicher, „dass die Tiefe, die wir hier erreicht haben, entscheidend zur Nominierung beigetragen hat“. Das mystische Design, die provokativen Slogans, die Jubiläumsmusik und neue touristische Angebote, wie die Erlebnisführung „Der verführte Verführer“ – das alles habe für bundesweite und internationale Aufmerksamkeit gesorgt. „Auch die magische Laser- und Feuershow zum Tag der Niedersachsen ist nicht nur Hamelnern in Erinnerung geblieben“, so der HMT-Chef. Die mystisch-magische Kampagne, die überregional so gut ankommt, sorgt bei einigen Hamelnern aber auch für Irritationen: Sie bevorzugen den bunten, fröhlichen Rattenfänger, können mit seinem dämonischen „Zwilling“, den düsteren Kostümen und den provokativen Plakaten wenig anfangen. „Das ist aber die Minderheit“, weiß Wanger. Bei drei Befragungswellen in der Fußgängerzone, Ende 2008 sowie im Juli und im September dieses Jahres, seien Touristen und Hamelner interviewt worden. Das Ergebnis: Eine breite Akzeptanz des Themas, der Inhalte und der Veranstaltungen. Allerdings: „Je weiter wir mit der Werbung nach draußen gegangen sind, desto positiver wurde sie gesehen“, hat Wanger festgestellt und vermutet: „Uns fehlt hier die nötige Distanz zum Rattenfängerthema.“

Die großen Veranstaltungen sind gelaufen, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Aber noch immer hängen sie an den Einfallstraßen nach Hameln – die düsteren Banner und Plakate zum Jubiläumsjahr. „Nur hier“, sagt der HMT-Chef, „Die überregionale Werbung haben wir eingestellt.“ Für die dunkle Sagenfigur bedeutet das aber nicht: Ab in die Mottenkiste! „Die mystisch-magische Schiene soll auch künftig stärker in den Vordergrund rücken“, verspricht Wanger. Programmpunkte, die besonders gut angekommen sind, sollen erhalten bleiben: Führungen mit dem mystischen Rattenfänger, magische Hotelzimmer, Rattenfängermusik und Merchandising-Artikel listet der HMT-Chef auf. „Bislang ist der Rattenfänger in Hameln immer nur eindimensional vermarktet worden“, so Wanger: „Jetzt kommen neue Facetten hinzu.“ Die sich auch touristisch auszahlen könnten: Denn die gestiegene Besucherresonanz, die die Zwischenauswertungen der HMT für das Jubiläumsjahr belegen, spiegelt sich nicht nur im Zuwachs an Gästeführungen, sondern auch bei den Übernachtungen: „Hameln liegt in diesem Jahr deutlich über dem Landes- und Bundesdurchschnitt“, so Wanger.

Angesichts einer dauerhaften Bereicherung der Rattenfängerthematik durch die mystische Variante trifft das angestrebte „Streichkonzert“ der chronisch verschuldeten Stadt besonders schmerzhaft. „Wir sind aufgefordert worden, Kürzungsvorschläge zu unterbreiten“, antwortet Wanger auf die Frage, wie sich seine Vorstellungen mit einer von der Stadt ins Auge gefassten Kürzung der HMT-Zuschüsse von 50 000 Euro vereinbaren lassen. „Einsparmöglichkeiten gibt es immer“, meint Wanger, „aber die haben natürlich Auswirkungen.“ Da klingt es fast wie Hohn, wenn Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, die Wanger zur Preisverleihung nach Dresden begleiten will, feststellt: „Ich freue mich, dass unsere unkonventionelle und originelle Umsetzung des Rattenfänger-Jubiläums nominiert ist. Es ist auch eine besondere Auszeichnung für die gute Arbeit der HMT.“

Noch aber ist nichts entschieden, schaut Wanger zuversichtlich nach Dresden: Denn der Tourismuspreis wäre eine „Super-Werbung“.

Der verführte Verführer: Die Führungen mit dem mystischen Rattenfänger sollen dauerhaft die Vermarktung der Sage in Hameln bereichern. Das Jubiläumskonzept ist für den Tourismuspreis nominiert. Foto: Dana

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