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Sonntagsausflug in den Ith

Die düstere Sage vom Jungfernstein

Steinkreuze oder Kreuzsteine – die Terminologie ist hier nicht eindeutig – stammen aus der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert und gehören zu den ältesten Flurdenkmalen. Nachdem viele von ihnen im Laufe der Jahrhunderte verschwunden und nur noch in Aufzeichnungen erhalten geblieben sind, bemüht sich die Denkmalpflege in jüngerer Zeit vermehrt um die Bewahrung der verbliebenen Kulturgüter. Gerade im südlichen Niedersachsen gibt es noch zahlreiche Kreuzsteine, wenn auch die Zahl der verschollenen Flurdenkmale noch höher liegt. Auch in unserer Wanderregion begegnen wir gelegentlich einem solchen Stein, bei dem wir in der Regel über seine Bedeutung informiert werden.

veröffentlicht am 27.06.2009 um 06:29 Uhr

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Steinkreuze erinnern an die Menschen

Fast immer erinnern diese Steinkreuze an Menschen, die einen plötzlichen und zumeist gewaltsamen Tod starben. Häufig sind es sogenannte Sühnesteine, die auf Verlangen der Angehörigen des Getöteten von dem Täter als Teil der Sühneleistungen aufgestellt werden mussten. Das geschah nicht zuletzt mit der Absicht, dass an dieser Stelle für das Seelenheil der ohne Sterbesakramente Verstorbenen gebetet werden konnte. Da diese Steine stets am Ort des Geschehens gesetzt wurden, sind sie heute oftmals in relativ einsamen Gegenden anzutreffen.

Das gilt auch für den Jungfernstein, der am Nordosthang des Iths oberhalb von Salzhemmendorf zwischen dem Bremker Pass auf dem Ithkamm und den Quellteichen am Waldrand an einem steil ansteigenden Wanderweg steht. Wie in den meisten Fällen liegt seiner Deutung eine Sage zugrunde. So erinnert der Stein an das tragische Schicksal einer Salzhemmendorfer Schuhmachertochter, die in Harderode jenseits des Kamms Schusternägel eingekauft hatte. Als sie sich auf dem Heimweg ausruhte, zählte sie diese Nägel. Das beobachtete ein Räuber, der annahm, dass die „Jungfer“ Geld zähle, und sie deshalb tötete.

Bei dem Jungfernstein handelt es sich um ein sehr eigenwilliges und unvollständiges Steinkreuz, denn es besteht nur noch aus dem Korpus und einem Arm. Vielleicht verstärkt dieser Anblick noch den düsteren Eindruck, den der Wanderer bei der Betrachtung dieses Denkmals gewinnt. Parallel zu dem Wanderweg verläuft jenseits des Sühnesteins ein tiefer Hohlweg. Er lässt erahnen, welch reger Betrieb hier einst geherrscht hat, so dass ein Wegelagerer hier auf reiche Beute hoffen konnte.

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Wenn wir an dem Stein vorbeikommen, befinden auch wir uns bereits auf dem Heimweg in Richtung Salzhemmendorf. Denn dieser staatlich anerkannte Kurort mit seinen in der weithin beliebten Ith-Sole-Therme genutzten Solevorkommen ist Ausgangs- und Endpunkt unserer Rundwanderung. Diese soll uns hinauf zur Lauensteiner Platte und von dort über ein drei Kilometer langes Teilstück des Ithkamms unmittelbar an den steil abfallenden Klippen entlang zum Bremker Pass und schließlich wieder durch die Feldflur zurück bringen.

So kommen Sie zum Ausgangspunkt

Salzhemmendorf ist mit der Buslinie 70 Hameln–Thüste des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont zu erreichen. Busbenutzer gehen von der Haltestelle Hauptstraße zu dem jenseits der Fahrstraße beginnenden Kleinen Lahweg und steigen dort auf dem recht hübschen Wanderweg an. – Autofahrer finden am Kleinen Lahweg nur wenige Abstellmöglichkeiten für ihr Fahrzeug. Deshalb fahren sie, nachdem sie in Hemmendorf von der Bundesstraße 1 in Richtung Salzhemmendorf abgebogen sind, an dem „Badetempel“ und dem Kleinen Lahweg vorbei durch den Ort bis zum rechts der Straße fast am Ortsende liegenden Netto-Markt. Dort biegen sie nach rechts in den Quellweg ein und fahren bis zum Wanderparkplatz hinter dem letzten Grundstück.

Der Quellweg führt jenseits des Parkplatzes als Wanderweg weiter entlang der Josser Beeke zu den Quellteichen am Waldrand. Von dort werden wir zurückkehren. Wir biegen jedoch zunächst von ihm ab auf einen schräg nach rechts ansteigenden Feldweg. Indem wir uns noch einmal rechts halten, gelangen wir zu jenem hinauf führenden Kleinen Lahweg, auf dem die Busbenutzer ansteigen. Er ist von Obstbäumen und mehreren Bänken gesäumt und bringt uns hinauf zum Ithrand.

Oben schauen wir hinüber zu dem jenseits von Salzhemmendorf aufsteigenden Bogshorn und dem Thüster Berg. Dann lassen wir uns von dem Wegweiser nach rechts in Richtung Lauenstein führen. Der Grasweg ist mit dem Dreieck des Kansteinweges gekennzeichnet, setzt aber gelegentlich Pfadfindereigenschaften bei den Wanderern voraus. Er bleibt zunächst in Waldrandnähe, ehe er im Linksbogen im Wald den Kohlenberg umgeht. Bei einem Holzplatz wendet er sich nach rechts, ein Holzschild bestätigt uns, dass wir auf dem Weg zur Lauensteiner Platte und damit zum Ithkamm sind.

Leicht bergab geht es dann weiter zur Serpentinenstraße von Lauenstein nach Haus Harderode, die sonntags vor allem bei Motorradfahrern sehr beliebt ist. Wir sind deshalb froh, dass wir sie kaum benutzen müssen, sondern bereits in Sichtweite der Fahrstraße bei einer auf der rechten Seite unseres Weges stehenden Bank schräg zurück nach links abbiegen und damit eine große Kurve abschneiden können. Leider gibt es hier keinen Wegweiser. Dieser Wanderweg ist ein Teil des mittelalterlichen Hellweges, jener Heer- und Handelsstraße, die das Rheinland mit Königsberg verband. Später führte hier auch die Poststraße über den Pass, und so wird sie vor Ort auch noch genannt.

Dass sie einst für Fuhrwerke und Kutschen gebaut worden war, beweisen noch heute die Pflastersteine zwischen dem Gras. Erst 1843 wurde die jetzige Serpentinenstraße gebaut. Sie erreichen wir noch vor dem Parkplatz auf der sogenannten Lauensteiner Platte und folgen ihr gut 200 Meter bergan.

Dann weist uns ein Schild im rechten Winkel nach links zum Poppenstein. Wir wandern jetzt auf dem von Bad Gandersheim nach Nienburg führenden Roswithaweg, über den auch der Fernwanderweg X11 vom Harz in die Niederlande verläuft. Bei der Gabelung halten wir uns rechts und erreichen nach einem weiteren Anstieg den Poppenstein und mit ihm den nach Westen steil abfallenden Kamm.

Der Blick von dem Plateau oberhalb der Klippen über das Harderoder Tal ist beeindruckend. Das gilt aber auch für den weiteren Kammweg, der sowohl seiner Streckenführung entlang der Dolomitklippen als auch seiner Beschaffenheit wegen recht wild wirkt. Häufig verläuft er in Windungen, zumeist auf weichem Waldboden, gelegentlich aber auch über Felsbrocken oder umgestürzte Bäume. So wird er dann und wann zum Fitnessparcours, was den Wanderer aber nicht davon abhält, sich an der Natur zu erfreuen.

Zahlreiche Grenzsteine auf dem Ithkamm

Zahlreiche Grenzsteine machen hier oben deutlich, dass der Ithkamm Grenzlinie war zwischen dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig. Heute verläuft dort die Grenze zwischen den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden. Nachdem wir auch nach Osten hin den Blick genießen konnten, steigen wir allmählich ab zum Bremker Pass. Hier kreuzt sich der Kammweg mit jenem über den Pass führenden Weg, auf dem einst die Bluttat geschah. Wir folgen dem Wegweiser hinab auf dem trotz seiner Steilheit bequemen Pfad bis zu dem Jungfernstein mit Bank und Informationstafel. Dann erreichen wir eine Forststraße, auf der wir nach links fast eben zu romantisch gelegenen Fischteichen gelangen. Mehrere Ruhebänke laden noch einmal zur Rast ein. Am Waldrand weist uns dann ein weiterer Wegweiser nach Salzhemmendorf auf einen Weg nach links zunächst in den Wald, später aber überwiegend in Waldrandnähe. Es ist der Abschluss des von uns bisher erwanderten Rundweges, der mit einem – leider häufig nicht mehr vorhandenen – Roten Milan gekennzeichnet ist. Auf ihm können wir auch auf den Kleinen Lahweg zurückkehren, wenn wir es nicht vorziehen, von den Fischteichen geradeaus an der Josser Beeke entlang durch die Feldflur direkt nach Salzhemmendorf zurückzugehen.

Zu den bekannteren Ithklippen gehört auch der Poppenstein

Fotos: i-r



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