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Schottlands raue Schönheit

Die dramatische Landschaft mit Hauch Romantik

Ein Pfiff – und ab geht die Post. Der schottische Hirtenhund schießt los, als hätte er schon lange auf dieses Zeichen gewartet. In einem Tempo und mit einer Wendigkeit, die man dem unscheinbar wirkenden schwarz-weißen Vierbeiner nie zugetraut hätte. Was er wohl vorhat? Schnell ist er hinter einem flachen Hügel verschwunden.

veröffentlicht am 05.05.2011 um 16:24 Uhr

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Doch schon nach kurzer Zeit kommt Leben in die leere Landschaft. Denn auf demselben Hügel taucht eine Schafherde auf. In enger Formation kommt sie eilig näher. Fast so, als habe sie jemand aufgeschreckt. Kein Zweifel: Dahinter wird ein schwarz-weißer Blitz erkennbar, der in anfeuerndem Zickzack die Richtung bestimmt. Weitere zwei Minuten – und die Schafherde füllt das kleine Gatter. Hier sollen die Tiere einzeln herausgeholt und geschoren werden. Tor zu, Auftrag erledigt! Welche unglaubliche Präzision!

„Das ist noch eine der einfachen Übungen“, sagt Schäfer Neil Ross. Er erklärt, dass die Tiere bis zu drei Dutzend unterschiedliche Pfiffe erkennen und ebenso viele Kommandos ausführen können: etwa Schafe sammeln und aussondern, Herden antreiben und aufteilen. Hirtenalltag, der Bewunderung verdient.

Vorbei an Edinburgh geht es weiter in Richtung Norden. Hinweg über die gewaltige Eisenbahnbrücke über den fjordähnlichen „Firth of Forth“ mit ihrem rot gestrichenen Stahlgerüst, eines der Wahrzeichen der Stadt.

Die Aufmerksamkeit wird nun zunehmend von der Straße beansprucht. Denn je weiter sie nördlich hinaufführt in Richtung Highlands, umso enger wird das Asphaltband. Erst vierspurig, dann zweispurig; erst mit und dann ohne Seitenstreifen. Schließlich einspurig. Nur alle 300 Meter eine kleine Einbuchtung.

Schon bald ist das Whisky Country erreicht. Eine der Gegenden mit dem braunen torfhaltigen Wasser, das sich hervorragend für die Herstellung des begehrten Tropfens eignet. Eine Spezialität, die weltweit ebenso berühmt ist wie Schottland selbst: Glenfiddich, Johnny Walker, Black and White …

Der Besuch in einer der Destillerien ist perfekt organisiert. Von der theoretischen Einführung bis hin zur Kostprobe geht es vorbei an blank polierten Kupferkesseln und an Gärungsbottichen, in deren Nähe allein schon der penetrante Hefeduft benebelt – und immer weiter an Fässern, Fässern, Fässern. Ihnen kommt eine besondere Bedeutung zu. Vor jeder Füllung müssen sie ausgeschabt und geräuchert werden. So verleihen sie als eigenständiger Faktor dem Inhalt ein ganz spezifisches Aroma.

Nördlich von Inverness mit seinem Loch Ness wird die Landschaft noch dramatischer: hohe Felsmassive, wunderschöne Täler, viele von ihnen mit malerischen Seen dekoriert, die ganz prosaisch „Loch“ heißen. Kein Wunder, dass überall Wanderer und Radfahrer unterwegs sind.

Langsam schließt sich der Kreis. Von der Nordseeküste über die Highlands bis zur Atlantikküste, von wo aus die Inseln der Inneren Hebriden leicht erreicht werden können. Die Isle of Skye verfügt über eine Brückenkonstruktion, die sich kühn über den „Kyle of Lochalsh“ spannt.

Die Insel lädt ein zu einer Tagestour, denn auf ihr sind alle Attraktionen des Landes vereinigt: Gebirgsmassive, endlose Weiten, Schafs-Fellknäuel an den Hängen und ab und zu die typischen schottischen Hochlandrinder mit ihrem zottigen Fell.

Oder ist die Isle of Mull noch beeindruckender? Wo bereits bei der Überfahrt mit der Autofähre das Castle Duart einen Eindruck von der legendären schottischen Wehrhaftigkeit vermittelt? Stellvertretend für all die anderen Schlösser und Burgen, die mit ihrer zinnenbestückten Kulisse der dramatischen Landschaft einen Hauch von Romantik verleihen.

Dann ein wahrer Höhepunkt: die Insel Staffa mit „Fingal’s Cave“, einer Höhle, die schon im 19. Jahrhundert als Weltwunder galt. Ihr widmete Felix Mendelssohn Bartholdy seine berühmte Hebriden-Ouverture. Sie ist eine einmalige Insel, deren Oberfläche auf gewaltigen Basaltsäulen ruht, als wären sie von vorzeitlichen Titanen persönlich dort errichtet worden.

Auch hier rührt Schottland die Seele an. Es wartet auf mit seiner bewegten Geschichte und seiner eigenständigen Kultur, mit seinen sympathischen Menschen und mit seiner umwerfenden Natur.

Beim schottischen Highlandfest zeigen schon die Kleinsten ihre Trachten.



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