weather-image
12°
350 Teilnehmer bei Auftakt zum Erinnerungsprojekt für Nazi-Opfer / Äußerst konstruktive Debatte

Die Bürger "mit auf den Weg genommen"

Stadthagen (ssr). Sehr konzentriert und konstruktiv ist gestern Abend die Auftaktveranstaltung zum Erinnerungsprojekt für die Schaumburger Opfer des Nationalsozialismus verlaufen. Dazu hatten sich rund 350 Teilnehmer in der Aula der Schule Am Schlosspark eingefunden. Nach allgemeinen Vorträgen zum Thema "Erinnern oder Vergessen?" sowie bewegenden Referaten über zwei Einzelschicksale gab es von etlichen Bürgern eine Reihe von Anregungen zum Erinnerungsprojekt.

veröffentlicht am 17.10.2007 um 00:00 Uhr

Vor den Augen der Moderatoren Jürgen Johannesdotter (v.l.) und K

"Sie haben sich mit auf den Weg dieses Projektes nehmen lassen", fasste Jürgen Johannesdotter, einer von zwei souveränen Moderatoren, die Atmosphäre am Ende zusammen. Die Teilnehmer hätten erfolgreich "der Versuchung widerstanden", in einen Streit über das Ob oder die Form und den Standort eines eventuellen Mahnmals zu geraten, würdigte er. Dass man nicht, wie zunächst im Frühjahr geschehen, "das Pferd von hinten aufzäumen, sondern das Projekt ganz von vorn beginnen will", darauf hatte Siegmund Graf Adelmann namens der Schaumburger Landschaft als Veranstalter eingangs hingewiesen. Der gestrige Abend sei Beginn eines "mehrstufigen Prozesses". Spürbare Bewegung in der Zuhörerschaft lösten die beiden durch Bildmaterial unterstützten Referate über zwei konkrete Opferschicksale aus Obernkirchen und Stadthagen aus. Rolf-Bernd de Groot schilderte das Grauen um die jüdische Kaufmannsfamilie Lion (Standort war das heutige Kaufhaus Hagemeyer) - viele Mitglieder der Familie starben im KZ. Der Obernkirchener Bergarbeitersohn Karl Abel, ein KPD-Mitglied, war im Vortrag von Klaus Maiwald Beispiel für politisch Verfolgte. In seinem allgemeinen Vortrag betonte Horst Seferenz (KZ Gedenkstätte Oranienburg) ebenfalls, wie wichtig in der Erinnerungskultur die konkrete Geschichte "im Alltag vor der eigenen Haustür" in den Blick zu nehmen. Diese Schilderungen aufgreifend, gab Ko-Moderator Klaus-Hennig Lemme zu Beginn der Abschlussdebatte die Anregung, das Schaumburger Erinnerungsprojekt stark an die Darstellung persönlicher Schicksale zu knüpfen. Das wurde von etlichen Teilnehmern aufgegriffen und mit weiterführenden Gedanken versehen. In der mit großer Disziplin geführten Debatte wurden unterschiedliche Akzente gesetzt, etwa die Bitte um eine nötige pädagogische Funktion eines Mahnmals oder der Hinweis, das Mahnmal dürfe "keine Kranzabwurfstelle" sein, sondern müsse Anlass zum Nachdenken in einem fortwährenden Prozess geben. Mehr zu dieser Veranstaltung lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe.

Rund 350 Teilnehmer hatten sich in der Aula der Schule Am Schlos
  • Rund 350 Teilnehmer hatten sich in der Aula der Schule Am Schlosspark in Stadthagen eingefunden.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare