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Finanzielles Defizit konnte durch Rücklage gedeckt werden / Gelebte Inklusion braucht Förderer

Die Brücke braucht mehr Unterstützer

Hameln. Irina Teichert eröffnete als Vorstandsvorsitzende die Jahreshauptversammlung der Brücke in der Begegnungsstätte des Vereins bei den Paritätischen an der Kaiserstraße.

veröffentlicht am 06.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:41 Uhr

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Birgid Schäfer präsentierte die erfolgreiche Arbeit. Etwa 4700 Besuchskontakte zeigen im vergangenen Jahr deutlich, wie notwendig dieser Ort sei, an dem jeder ein offenes Ohr finde. Der Bedarf an Beratung bei psychischen Erkrankungen nehme stetig zu. Viele Menschen seien unsicher in Bezug auf ihre eigene Erkrankung oder die ihrer Angehörigen. Sie brauchten Wegweiser durch die Pfade von Kliniken, Therapeuten, Psychiatern und den psychosozialen Netzwerken. „Manche Klienten kommen nur zu einem Beratungsgespräch, sie suchen sich an anderer Stelle Hilfe und Unterstützung, andere kommen eine Periode lang, wieder andere in Krisensituationen und einige benötigen das begleitende und beratende Alltagsgespräch. Viele Beratungsgespräche finden auch telefonisch statt. 155 Beratungen wurden allein 2012 dokumentiert“, so Schäfer. Auch hier spiegele sich die gesellschaftliche Tendenz der Zunahme psychischer Störungen wider. In den hellen und großzügigen Räumen der Begegnungsstätte finden die Besucher nicht nur eine psychosoziale Beratung, sondern vielfältige Angebote zur Tagesstrukturierung und im Bereich Freizeit und Hobby. Birgid Schäfer bedankte sich bei den 20 Ehrenamtlichen für ihre Unterstützung und Hilfe in der täglichen Arbeit. Gudrun Hesse beispielsweise leitet die Strickrunde, Martina Bierwirth begleitet die Spielwiese und Reinhard Tanzmeier bietet 14-tägig Tischtennis an. Ohne die Ehrenamtlichen wären weder die kontinuierlichen Öffnungszeiten noch diverse Veranstaltungen möglich, da Frau Schäfer und Frau Sielaff als die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sich seit 23 Jahren eine vom Landkreis finanzierte Stelle teilen.

Konkret wird daran gearbeitet, die Alltagsfähigkeiten von Menschen mit seelischer Erkrankung wieder zu erlangen. 2012 wurde mit finanzieller Unterstützung durch Aktion Mensch und in Kooperation mit der Elisabeth-Selbert-Schule ein Kochkurs angeboten. Das dabei entstandene Kochbuch kann in der Brücke für 5 Euro erworben werden.

In jedem Jahr stellt sich die Frage, woher das Geld kommt, für neue Angebote und für die spezifische Betreuung der Besucher. Birgid Schäfer stellte fest, dass Fördermittel wie die von der AOK und anderen Krankenkassen gestrichen wurden. Das Landesamt Niedersachsen fördert mehrere Maßnahmen, darunter die Gruppe für Angehörige psychisch Kranker und eine Honorarkraft für Öffentlichkeitsarbeit, beide Maßnahmen werden von Kristina Bandow durchgeführt. Die Impuls gGmbh schickt dem Verein Berufsrückkehrer zur Arbeitserprobung, aber eine Übernahme ist aufgrund mangelnder Mittel des Vereins leider bisher nicht möglich. Das Ameos-Klinikum entsendet Patienten vor oder nach der teil- oder vollstationären Behandlung in die Brücke, berichtet die Mutter einer Betroffenen. Die Brücke praktiziere die Einbindung von gesundheitlich benachteiligten Menschen in das Alltagsleben.

Die Einschränkung von Fördermitteln durch die AOK und der Rückgang an Spenden spiegelt sich wider im Minus von rund 8000 Euro im Haushaltsjahr 2012. Dieses Defizit konnte durch Rücklagen ausgeglichen werden, berichtet Kassenwart Richter. Bislang kann das Angebot der ambulanten und offenen Hilfe nur dank der freiwilligen Leistung des Landkreises, der Projektförderung des Landes, der Beihilfe vom Paritätischen und durch Spenden aufrechterhalten bleiben. Über Spenden beim Golfturnier des Hamelner Golfclubs mit der Hilfe der Stadtsparkasse Hameln freut sich der Verein auch im Namen seiner Besucher. Verschiedene Projekte bietet der Verein trotz der Finanzmisere auch in diesem Jahr an: einen Trommelkurs, die Holzwerkstatt, die Gesprächsgruppe für Angehörige. Und im Oktober fährt eine Gruppe für drei Tage nach Berlin, auch ein Hauptstadtbesuch gehört zum Erlernen der Sozialkompetenz von psychisch erkrankten Bürgern.

Der Kochkurs in der Brücke, in Kooperation mit der Elisabeth-Selbert-Schule unterstützt von der Aktion Mensch, erwies sich für alle Teilnehmer als Glücksfall. Kochen und Essen in der Gemeinschaft stabilisiert seelisch Erkrankte.



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