weather-image
17°
Ausstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz eröffnet

"Die braune Falle" soll aufwecken

Stadthagen. Von heute an bis zum 8. Dezember können Interessierte in der Aula des Ratsgymnasiums (RGS) eine typische jugendliche Karriere in den rechtsradikalen Sumpf nachverfolgen und alle Fallstricke kennen lernen, mit denen die Bewegung arbeitet. Aufgearbeitet wird dies in einer Ausstellung vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Sie soll helfen, "hellwache Demokraten" zu formen, wie es der heimische Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy (SPD) bei der Eröffnung formulierte.

veröffentlicht am 27.11.2006 um 00:00 Uhr

Sie fordern Engagement gegen rechts: Heinz Fromm (v.l.), Sebasti

Die rechtsradikale Bewegung in Deutschland sei vielgestaltig und operiere mit Formen, "denen die demokratischen Kräfte bisher nicht genug entgegen zu setzen haben", stellte Verfassungsschutz-Chef Heinz Fromm vor etlichen geladenen Gästen aus den Schulen, Vereinen und der Politik in Schaumburg fest. Fromm nannte immer wieder Beispiele aus dem Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. So gingen die Rechtsradikalen gezielt in so genannte Defizit-Gebiete, wo es etwa keine öffentliche Jugendarbeit gebe und unterbreiteten dort solche Angebote. Besonders problematisch sei für die Behörden der Umgang mit der großen, nicht organisierten Szene gewaltbereiter Jugendlicher, in denen mit Konzerten und CDs Menschen verachtende Inhalte verbreitet würden. Auch auf dieses Phänomen wird in der fiktiven Geschichte des Mario S. eingegangen. Und dieses Phänomen werde in der Öffentlichkeit einschließlich der Medien zu wenig wahrgenommen. Diesen Jugendlichen "muss man zumindest verdeutlichen, dass das so nicht geht", forderte Fromm. Dieses Problem griff auf ihre Art auch Angelika Hasemann, die kommissarische RGS-Leiterin, auf. An ihrer Schule sei kein Platz für Rechtsextremismus, aber dennoch gebe es Jugendliche, "die ihren Platz suchen", die leistungsschwach und ausgegrenzt seien oder Probleme mit den Eltern hätten. Diese seien anfällig für rechtsextremes Gedankengut, und dagegen hoffe sie die Ausstellung als eine Hilfe zur Aufklärung. Aufklärung tut nach Ansicht von Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier Not, auch Erwachsene hätten "Nachhilfe" nötig, weil viele "davon nichts wissen wollen oder es leugnen". Sowohl Schöttelndreier als auch Fromm und Edathy betonten mit Nachdruck, dass staatliche Maßnahmen gegen Rechtsaußen alleinnichts nützen: "Was wir brauchen, sind hellwache Demokraten", so der Abgeordnete. Demokratie sei nicht vererbbar, sondern müsse ständig gelernt werden, am Besten bereits im Kindergarten. Anders könnten Angriffe auf die Würde des Menschen und damit auf einen wichtigen Verfassungseckpunkt nicht abgewehrt werden. Die Ausstellung "Die braune Falle" ist von montags bis donnerstags jeweils von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Anmeldungen zu Führungen sind unter (05721) 22 69 möglich.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare