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Ausstellung im Weserrenaissance-Schloss Bevern präsentiert Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Holzen

Die Bilder zeigen Todgeweihte

Bevern. Eine jetzt eröffnete Ausstellung im Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern hält ein bedeutsames Thema aus der Geschichte der Region nicht nur wach, sondern präsentiert zugleich eine sensationelle Wiederentdeckung: Gegenstand der bis zum 6. Oktober laufenden Ausstellung sind künstlerische Werke aus dem in der Zeit des Nationalsozialismus in Holzen angesiedelten Konzentrationslager.

veröffentlicht am 15.08.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 17:41 Uhr

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Während der Todesmärsche im April 1945 gingen sie verloren, im Sommer 2012 tauchten sie völlig überraschend wieder auf: 200 Häftlingsporträts und Aufzeichnungen aus dem Kommando „Hecht“, einem Außenlager des KZ Buchenwald bei Holzen im Weserbergland. Die Ausstellung „Wiederentdeckt. Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Holzen“ dokumentiert den ungewöhnlichen Quellenfund.

Die Porträts hat Camille Delétang gezeichnet, den die SS 1944 als Résistance-Kämpfer nach Holzen verschleppte. Er überlebte den Krieg und wurde später Präsident des französischen Veteranenverbands „André Maginot“. Die handschriftlichen Aufzeichnungen, darunter ein Tagebuch, stammen von seinem Landsmann Armand Roux. Auch er überlebte.

Im April 1945 ließ die SS das Lager in Holzen räumen. Delétang übergab seine Zeichnungen an Roux, der sie mit seinen Aufzeichnungen in einem Beutel versteckte. Am 8. April geriet der Transport in Celle in einen Luftangriff, dem eine Hetzjagd der Bevölkerung auf die Häftlinge folgte. Dabei verlor Roux den Beutel. Noch am gleichen Tag fand eine Anwohnerin die Zeichnungen und Dokumente in ihrem Garten. Ihre Familie übergab sie 67 Jahre später der Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Nun werden sie – zusammen mit Fotos und Dokumenten aus deutschen, polnischen und französischen Archiven – erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

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„Wiederentdeckt“ ist eine Ausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora unter Schirmherrschaft des Komitees zur Förderung der Deutsch-Französisch-Polnischen Zusammenarbeit e.V. („Weimarer Dreieck“). An der Gedenkstätte Mittelbau-Dora war sie bereits zu sehen, nach der Station in Bevern macht sie sich auf den Weg nach Paris und Polen.

Im Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern ist sie vom 11. August bis 6. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Für Schulkassen besteht auf telefonische Anfrage unter Tel. 05531/994018 und 2126436 die Möglichkeit zur kostenfreien Führung. Führungen für Gruppen sind nach telefonischer Anfrage zum Preis von 50 Euro buchbar. Öffentliche Führungen finden an den Sonntagen 18. August und 29. September um 11 Uhr statt (3 Euro pro Person). Auch Gruppenführungen durch die Ausstellung (50 Euro) sind auf Anfrage (Tel. 05531/994018 und 05531/ 1216436) möglich.

Weitere Informationen zu den Ausstellungen und Veranstaltungen im Kulturzentrum Weserrenaissance Schlosses Bevern gibt es im Internet unter www.schloss-bevern.de. pd

Seit der Eröffnung findet die Ausstellung reges Publikumsinteresse (o.). Die Porträts hat Camille Delétang (re.) gezeichnet, die Texte stammen von Armand Roux (li.).

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