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Neue "Schlosspark"-Rektorin Rotraud Becker fordert zusätzliche Lehrerstunden für Ganztagsbetrieb

"Die besten Lehrer gehören an die Hauptschule"

Stadthagen (ssr). Händeringend fordert die neue Leiterin der Haupt- und Realschule Am Schlosspark, Rotraud Becker, möglichst schnell zusätzliche Lehrerstunden für den Ganztags-Schulbetrieb. Gerade die Hauptschule könne ihren speziellen Bildungs- und Erziehungsauftrag nur dann optimal erfüllen, wenn die Nachmittagsangebote vollgültig vorgehalten würden.

veröffentlicht am 25.01.2007 um 00:00 Uhr

Rotraud Becker. Foto: ssr

Anders als ihr Vorgänger Manfred Koech ("Ich wünsche der Hauptschule nicht, dass sie bestehen bleibt") ist Rotraud Becker (53) von der Existenzberechtigung dieser Schulform fest überzeugt: "Es ist richtig: Die Arbeit an der Hauptschule ist ein hartes Brot. Unsere Kinder und Jugendlichen sind aber letztlich dankbarfür die spezifische Förderung und Unterstützung, die sie bei uns wirkungsvoll erfahren." An der Hauptschule würden diese Schüler "uneingeschränkt ernstgenommen so wie sie sind" und ihnen das Selbstwertgefühl vermittelt, "vollwertige Mitglieder der Gesellschaft" zu sein, beschreibt Becker dasSchulklima. Die Rektorin verbindet mit der Hauptschule einen gezielten Auftrag: "Sie muss eine solide Ausbildungsfertigkeit für künftige Handwerker gewährleisten." Dazu gehöre neben zielorientierten Lerninhalten auch die erzieherische Vermittlung sozialer Kompetenz. Zwar gebe es einige sehr engagierte Eltern, die große Mehrheit der Hauptschuleltern "gibt die Erziehungsverantwortung aber an der Schultür ab". Dieser Realität ("jede Menge medienverwahrloste Kinder") müsse sich Schule stellen, ist die Pädagogin überzeugt: "Ich plädiere für die Vermittlung einer Werteorientierung auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes." Der Erfüllung dieses Bildungsprofils komme ein Ganztags-Modell sehr entgegen, sagt Becker. Daraus resultiert ihre laute Forderung nach entsprechenden zusätzlichen Lehrerstunden. Gerade wegen der besonders herausfordernden pädagogischen Aufgabenstellung "gehören zudem die besten Lehrer an die Hauptschule", formuliert die Rektorin: "Unsere Gesellschaft kann es sich schon aus rein ökonomischen Gründen nicht leisten, einen so großen Teil von Jugendlichen ohne Schulabschluss und damit hinten runter fallen zu lassen." Droht der Hauptschule nicht der Tod durch die "Abstimmung mit den Füßen", sprich: durch niedergehende Anmeldezahlen? Die Gefahr bestehe, räumt Becker ein. Gleichwohl tritt sie für den freien Elternwillen ein: "Mit Zwang geht gar nichts." Die Hauptschule müsse halt "so attraktiv und zielorientiert wie möglich gestaltet werden". Auch für die Realschule sieht die geborene Rusbenderin, die seit ihrem Dienstantritt 1974 überwiegend an dieser Schulform gearbeitet hat, eine spezifische Rolle. Mehr als 50 Prozent der Realschüler schaffen Am Schlosspark den erweiterten Abschluss, gehen später an (Fach-) Hochschulen. Typische Realschüler bräuchten in einer bestimmten Entwicklungsphase schlicht mehr Zeit und Förderung: "Die gibt ihnen die Realschule, und das ist besser, als würden sie als Gymnasiasten mit Nachhilfe vollgepumpt". Am Modell von Haupt (290 Schüler) - und Realschule (430 Schüler) unter einem Dach wie in der Schule Am Schlosspark möchte Becker festhalten. Die Kooperation unter den insgesamt 50 Lehrern habe viele Vorteile.

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