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Tragisch: Einen Monat vor der Premiere verliert die Schaumburger Bühne einen Hauptdarsteller

"Die besten Ideen kommen beim Spielen"

Obernkirchen. Je näher der Termin der Aufführung rückt, desto stärker flattert das Nervenkostüm. Und so unterbricht Regisseur Jürgen Morche zum dritten Mal innerhalb weniger Minuten die Probe auf der Bühne: "Dreh niemals dem Publikum den Rücken zu." Und: "Außerdem liegt deine Mutter seit Minuten bewusstlos auf dem Boden - und keiner kümmert sich. So geht das nicht."

veröffentlicht am 12.11.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Jessica Janson

Endspurt bei der Schaumburger Bühne: Am 29. November ist Premiere im Schulzentrum am Ochsenbruch, bis dahin muss jeder Satz, jede Geste, jede Bewegung sitzen. Und zwar perfekt. Das bedeutet für die Mitglieder der Gruppe eine Menge Arbeit, und zwar nicht nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sondern vor allem hinter den Kulissen. "Als ich vor drei Jahren hier anfing, wollte ich einfach nur Theater spielen", erinnert sich Anna Schönbeck an ihre anfänglichen Erwartungen an die Laienspiel-Gruppe. "Ich hatte ja keine Ahnung, was da alles zugehört!" Es müssen Verträge mit den Veranstaltern geschlossen, Tantiemen ausgehandelt, Plakate entworfen und das Bühnenbild gebaut werden. Das alles ist an den wöchentlichen Probe-Terminen jedoch nicht zu schaffen, und so hat die Gruppe vier lange Probewochenenden in einer Saison, an denen sie die drei Tage intensiv nutzen. "Wir fangen schon im März an, uns mit dem neuen Stück zu beschäftigen", erzählt Peter Reinhold, der das aktuelle Stück "Kaviar und Linsen" vorgeschlagen hat. Die ersten drei Wochen werde dann in Leseproben der Text durchgesprochen, daran schließe sich die Arbeit auf der Bühne an. "Es wird aber fast bei jedem Treffen wieder etwas verändert", fügt Reinhold hinzu, denn "die besten Ideen kommen beim Spielen." In diesem Jahr wurde die Gruppe von einem besonders heftigem Schicksalsschlag getroffen: Einer ihrer Hauptdarsteller verunglückte vor zwei Wochen tödlich. "Das war für uns alle ein Schock", erinnert sich Regisseur Jürgen Morche. "Man kann sich in der ersten Zeit überhaupt nicht vorstellen, das Stück aufzuführen". Die Gruppe hat sich schließlich doch dazu entschlossen. Es wurden aber einige Parts der Figur "Nicoletto" verändert, um den Schauspielern den Umgang mit der Situation zu erleichtern. "Wir hatten unglaubliches Glück, dass wir kurzfristig eine neue Besetzung gefunden haben", freut sich der Regisseur. Damit spricht er dem Neuzugang Ingo Böhne, der zuvor schon bei anderen Laienspielgruppen aktiv war, Lob und Respekt aus. Dieser hat jetzt die Aufgabe, in den verbleibenden vier Wochen bis zur Premiere eine Rolle zu lernen, und sich an die übrigen Schauspieler zu gewöhnen. Dass sie es schaffen werden, daran haben die Schauspieler keine Zweifel. Akribisch wird jede einzelne Szene geprobt. Hier stimmt der Tonfall noch nicht hundertprozentig, dort könnte die Mimik etwas ausgeprägter sein. Doch mit jedem Durchgang wird die Szene besser und schon jetzt ist die mitreißende Wirkung des Stückes und die Leidenschaft der Schauspieler zu erkennen. Bei dem aktuellen Stück, das am 29. November um 19.30 Uhr erstmals im Schulzentrum am Ochsenbruch aufgeführt wird, handelt es sich um eine Komödie der italienischen Autoren Giulio Scarnicci und Renzo Tarabusi. Dieser italienische Ursprung des Stückes wird auch durch das Bühnenbild verdeutlicht, dessen Grundidee von der Bückeburger Kunsttherapeutin Janin Pöhler kommt: Es ist komplett aus Obstkisten gefertigt. Dadurch soll die Umgebung einer ärmlichen Familie mitten in Neapel verdeutlicht werden. "Die Autoren lieben das Leben, und das erkennt man auch in ihren Stücken", erklärt Morche die Besonderheit der Geschichte. "Es geht um Lebenslust und Mitmenschlichkeit, und passt dadurch hervorragend zu uns. Es spiegelt uns als Gruppe wider", sagt Morche und geht zurück zur Bühne. Schon auf dem halben Weg ruft er: "So geht das nicht."



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