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Beirat beim Landkreis macht sich in vielen Bereichen stark / Ansprechpartner für alle Betroffenen

Die Barrieren für Behinderte sollen fallen

Hameln (tk). Oft sind es nur kleine Stolpersteine, mitunter aber auch große Hindernisse, die Menschen mit Behinderungen den Alltag schwer machen – auch im Landkreis Hameln-Pyrmont. Damit unnötige Barrieren beiseite geschafft werden und betroffene Mitbürger leichter Unterstützung finden, hat sich Anfang Februar der Behindertenbeirat konstituiert. Jetzt wollen die Vertreter von Vereinen und Gemeinden Dampf machen. Wer übernimmt welche Aufgabe, vertritt welche Gruppe und hat welche Absichten?

veröffentlicht am 29.04.2010 um 11:55 Uhr
aktualisiert am 04.05.2010 um 11:23 Uhr

Kleine Stolpersteine im Alltag: Eine Rollstuhlfahrerin überwinde

Hameln (tk). Oft sind es nur kleine Stolpersteine, mitunter aber auch große Hindernisse, die Menschen mit Behinderungen den Alltag schwer machen – auch im Landkreis Hameln-Pyrmont. Damit unnötige Barrieren beiseite geschafft werden und betroffene Mitbürger leichter Unterstützung finden, hat sich Anfang Februar der Behindertenbeirat konstituiert. Jetzt wollen die Vertreter von Vereinen und Gemeinden Dampf machen. Wer übernimmt welche Aufgabe, vertritt welche Gruppe und hat welche Absichten? So unterschiedlich die Hintergründe der Mitglieder auch sind, in ihrem Ziel sind sie sich einig: „Der Behindertenbeirat will Vermittler und Berater für lokale Institutionen sein“, sagt der Vorsitzende Gotthard Feist.

Das können rein formale Fragen sein, etwa zum Beantragen von Fördergeldern, es könne aber auch ganz persönlich werden, wenn ein Behinderter nicht mehr ein noch aus weiß. Das nämlich sei oft das Problem, weiß Feist: Es fehle in den Behörden ein eindeutiger Ansprechpartner für viele Probleme von Behinderten. So klagte kürzlich ein Mann gegenüber Feist über den glatten Untergrund eines Behindertenparkplatzes an der Deisterallee in Hameln. Weil das Wasser in den Fugen nicht mehr versickern konnte, war der Mann mit seiner Frau gestürzt, als er sie in den Rollstuhl setzen wollte. An wen sollte er sich mit seiner Beschwerde wenden? Für Feist war es ein kurzer Anruf beim Bauhof, dann war die Sache ausgebessert.

Rund 16 Vereine und Verbände sitzen im Behindertenbeirat des Landkreises. Mit dabei sind unter anderem der Sozialverband (SoVD), die Harfe, der Sozialpsychiatrische Verband, der Behindertensportverbund, Vertreter des Blindenvereins, zudem Vertreter für die Gemeinden Aerzen, Coppenbrügge, Salzhemmendorf, Bad Münder und Hessisch Oldendorf. Hans-Hermann Heide, Vertreter der Stadt Bad Münder, wünscht sich barrierefreie Zugänge zu den Bussen, während Heike Brandt, die für den Flecken Aerzen spricht, die Versorgung mit Kunst-, Mal-, und Musiktherapien für Behinderte als ungenügend empfindet. Nina Schaper, Vizevorsitzende des Behindertenbeirates und aktiv im Hamelner Blindenverein, will vor allem für Aufklärung an den Schulen sorgen. Auf den Pausenhöfen höre man es immer wieder: „Du bist behindert“, heiße es da, wenn man einen Mitschüler beleidigen will. Schaper mahnt. „Barrierefreiheit, die muss im Kopf beginnen.“

Die Vertreter der Kommunen haben es mit ihrer Aufgabe nicht leicht. Zu wenig sind sie bisher im Verwaltungsapparat ihrer Gemeinden angekommen, oft fühlen sich von Informationen abgeschnitten. Heinz Hartmann sagte: „Eine Reaktion auf meine Anfrage im Hessisch Oldendorfer Rathaus gab es bisher nicht.“

Mehrere Schwerpunkte wird die Arbeit des Behindertenbeirates künftig haben:

Zum einen will er die Verkehrssituation gründlich prüfen. Er fordert Leitlinien für Blinde an Bushaltestellen, akustische Ampeln und den Ausbau des Nahverkehrs.

Hamelns Innenstadt soll barrierefrei werden. Für eine Diskussion über die Fußgängerzone sei es zwar zu spät, meint Schaper, immerhin habe die Verwaltung auf Drängen des Seniorenbeirates aber zugesagt, alle 50 Meter eine Sitzgelegenheit aufzustellen, betont Werner Meth.

Eine besondere Aufgabe sehen die Mitglieder in der Integration behinderter Kinder in der Schule.

Die Vermittlung zwischen den Betroffenen und den Gemeindeverwaltungen soll die Kernkompetenz des Beirates sein.

Angeregt von Horst Hönig vom niedersächsischen Behindertensportverband, soll es bald kostenfreie Sportangebote für Behinderte im ganzen Landkreis geben. Auch für den Ausbau von Betreuungseinrichtungen für psychisch Kranke wollen sich die Mitglieder des Beirates stark machen.

Für den Herbst plant der Rat eine Podiumsdiskussion zum Thema „Persönliches Budget“. Das ist Geld, das Menschen mit einer Behinderung anstatt einer Sach- oder Dienstleistung beziehen können. Sie können dann selbst entscheiden, wen sie für bestimmte Dienste einstellen wollen. „Noch wird diese Möglichkeit nicht häufig genutzt, mit der Diskussion wollen wir darauf aufmerksam machen“, erklärt Feist.

Der Vorsitzende will außerdem einen Brief an den Wahlleiter des Landkreises schreiben. „Da gibt es Probleme, an die viele gar nicht denken“, sagt er. „Ein Wahlbüro wie bei mir in Afferde mit Stufen ist für einen Rollstuhlfahrer ein unüberwindliches Hindernis.“ Sich dort reintragen zu lassen, sei nicht zumutbar. Der Wahlleiter solle nun frühzeitig mitteilen, wo barrierefreies Wählen im Landkreis möglich ist.

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