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"Haste Töne": Beim Gemeindefest wird der 60. Geburtstag von CVJM und Posaunenchor gefeiert

Die aufgestellten Bänke reichen gerade aus

Rolfshagen (rnk). Sich mit der Endlichkeit der eigenen Existenz auseinanderzusetzen, fällt im Rahmen einer fröhlichen Feier vielleicht ein bisschen einfacher. Über mangelndes Interesse konnte der Hospizverein Auetal jedenfalls nicht klagen, als er auf dem Kirchfest zum 60-jährigen Jubiläum des Posaunenchores Rolfshagen/Bad Eilsen und des CVJM Rolfshagen die Besucher zur Abstimmung bat: Wie soll es denn aussehen, das eigene Ende? Will man zu Hause sterben? Im Hospiz mit Betreuung? Mit spiritueller Begleitung? Oder lieber ohne Schmerzen? Fünf Antworten, drei Bälle, mit denen Prioritäten gesetzt werden sollten. Mancher hat lange überlegt, wie und wo er seine Bälle verteilte.

veröffentlicht am 16.09.2008 um 00:00 Uhr

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Ansonsten herrschte Fröhlichkeit vor. "Heal the world": Mit diesem alten Klassiker von Michael Jackson hatte der um gut 15 bis 20 Gastbläser aufgestockte Posaunenchor die Zuhörer des Gottesdienstes begrüßt, der angesichts des Prachtwetters unter freiem Himmel abgehalten werden konnte. Die aufgestellten Bänke reichten gerade für die Besucher aus, auch am Nachmittag konnten die Organisatoren sich über einen ununterbrochenen Besucherstrom freuen: Das Gemeindefest war so gut besucht wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Frage, ob dennüberhaupt ein 60-jähriges Jubiläum gefeiert werden sollte, hatte CVJM-Vorsitzender Andreas Held schon am Vorabend beantwortet: Wenn der Westbund als übergeordnete CVJM-Organisation am gleichen Wochenende seinen 160-jährigen Geburtstag feiere, dann könnte man dies in Rolfshagen getrost auch tun. Das Feierwochenende begann am Sonnabend mit einem gemeinsamen Referat von Eckard M. Geisler, Bundessekretär für Weltdienst und Internationale Beziehungen im CVJM-Westbund, und dem CVJM-Generalsekretär aus Ghana, die über die Arbeit in Afrika erzählen (wir berichten gesondert). Hinter der Feier unter dem Motto "Haste Töne" stand eine Logistik, die reibungslos-schnurrend funktionierte: Allein 25 Torten gab es in derAuswahl, dazu kamen unzählige Kuchen. Salate und Gegrilltes waren am frühen Nachmittag bereits ausverkauft, so stark war der mittägliche Besucherandrang. Ein Begleitprogramm gab es natürlich auch, das vor allem auf Kinder zugeschnitten war, die allerdings in einer übersichtlichen Zahl erschienen waren. Jürgen Leo, musikalischer Tausendsassa, bot eine Einführung in alte Musikinstrumente an, die schnell in gemeinsames Musizieren mündete: Gemeinsam wurde singend und spielend durch den Garten des Pfarrhauses getanzt. Es war wie immer: Beim Borsteler Leo springt der Funke schnell über. Das Brot wurde importiert: In Kathrinhagen wurde im Backhaus produziert, in Rolfshagen offeriert; ein Angebot, das nur die wenigsten ausschlagen wollten. Nicht ganz so glücklich war Stefan Althoff, der mit jugendlicher Hilfe Tage zuvor drei Stunden lang Walnüsse geknackt und in die Schalenhälfte Löcher gebohrt hatte. In Verbindung mit Kronkorken, einem Nagel und einem Holzstück sollten daraus Musikinstrumente gebaut werden. Mangels Kindern konnten Althof einengrößeren Teil seiner löchrigen Nusshälften wieder mitnehmen; wer sich auf den Selbstbau einließ, hatte aber jede Menge Spaß. Und dass es sich lohnt, hinzuhören, wurde gleichsam nebenbei vermittelt. Richtig umjubelt und mit der Handkamera für die Ewigkeit festgehalten wurden am Nachmittag die Auftritte der "Milch-Schnitten". In zwei Gruppen führten die Tanz-Kids ihr nicht unbeträchtliches rhythmisches Gefühl vor, eine Zugabe wurde von beiden Gruppen gemeinsam gegeben. Der Nachmittag klang mit einer Abendandacht aus, bei der auch die eigene Kirchenband auftrat. Und als die Mitglieder des Hospizvereins am Ende die Bälle zählten, lag ein Wunsch der Auetaler Gäste ganz weit vorn: Sie wollen in ihrer vertrauten Umgebung diese Welt verlassen. In Städten, so erklärte Angelika Held, habe man zuweilen ganz andere Umfrageergebnisse erzielt. Aber wenn es um das Ende geht, dann ist er eben ein bisschen wertkonservativ, der Auetaler.

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