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Die Anfänge der Stadt Hameln

Die Geschichte der Stadt Hameln ist lang, abwechslungsreich und hochspannend. Die Leiterin des Hamelner Stadtarchivs, Silke Schulte, hat die Geschichte von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert aufgeschrieben. Und uns erlaubt, sie hier abzudrucken. Teil 1: Der Anfang.

veröffentlicht am 16.03.2018 um 15:30 Uhr

Von Silke Schulte

Die erste Nennung des Ortes Hameln („Hamelon“) ist wohl in das frühe 9. Jahrhundert zu datieren. Etwa zu dieser Zeit (um 802/812) gründeten der sächsische Graf Bernhard gemeinsam mit seiner Frau Christine auf ihrem Gut in Hameln eine Kirche. Nach dem Tode des kinderlosen Grafen im Jahre 826 gingen die Besitztümer an die Reichsabtei Fulda über, die um 851 am Ort der heutigen Münsterkirche ein Benediktiner-Kloster gründete, das bald in ein Stift umgewandelt wurde. Das Nebeneinander von Stift, Dorf und einem Marktort bildete die Grundlage für die spätere Entwicklung zur Stadt.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts ist Hameln Stadt in vollem Rechtssinne geworden. Erstmals wird Hameln in einer Urkunde aus der Zeit zwischen 1185 und 1206 als Stadt („civitas“) bezeichnet – diese Urkunde ist zugleich das älteste erhaltene Schriftstück im Stadtarchiv Hameln. Das Stift St. Bonifatius beziehungsweise die Abtei Fulda übten in Hameln durch die Grafen von Everstein als Vögte die Hoheit über die Stadt aus. 1259 verkaufte der Abt von Fulda seine Rechte an Stadt und Stift Hameln an den Bischof von Minden.

Als die Bürger Hamelns jedoch ihrem neuen Herrn die Gefolgschaft verweigerten, wurden sie bei Sedemünder 1260 in einer kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Bischof verlustreich geschlagen. Den territorial-politischen Streit um Hameln zwischen dem Mindener Bischof und dem Grafen von Everstein konnten schließlich als Dritte die zur Weser vorstoßenden Welfen 1268 zu ihren Gunsten ausnutzen und entscheiden. 1277 bestätigte Herzog Albrecht von Braunschweig der Stadt in einem Privileg ihre seither schon ausgeübten Rechte und damit den vollen Besitz der bürgerlichen Freiheiten. Eine besondere Stellung erlangte Hameln durch die Abhaltung des überörtlich bedeutsamen „Mühlendings“ vor dem Wesertor unter Vorsitz des herzoglichen Vogtes, dem sich ein dreitägiger Markt für Mühlsteine anschloss. Schon früh fand diese Geltung Hamelns ihren Niederschlag im Namen Querenhameln (querne = Mühle) und in der Verwendung des Mühlsteines in Stadtsiegel und -wappen.

Vom Spätmittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg

Die Stadt Hameln kam im 14. und 15. Jahrhundert zu wachsender Selbstständigkeit und gewann für die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg auch als fester Platz an der Südwestseite ihres Gebietes Bedeutung. Im 14. Jahrhundert ist Hameln soweit in seiner Entwicklung gefestigt, dass es zur Wahrung der errungenen Stadtfreiheiten und seiner Handelsinteressen an großräumigen Bündnisverflechtungen teilnehmen konnte. Unter anderem gehörte Hameln von 1426 bis 1572 der Hanse an.

Mühlstein- und Getreidehandel sowie der Zwang zum Umladen der Schiffe in Hameln wegen des Weserwehres ließen die Stadt in der Zeit der Renaissance zu Reichtum und Wohlstand gelangen – trotz Pest und großer Feuersbrünste. Die Bauten im Stil der Weserrenaissance wie zum Beispiel der Rattenkrug, das Leisthaus und das Hochzeitshaus geben Zeugnis von der Blüte städtischen Lebens in jener Zeit.

Gegen den Widerstand des Hamelner Stiftes wurde mit Förderung von landesherrlicher Seite 1540 auch in Hameln das neue Glaubensbekenntnis eingeführt. Herzog Erich II. als Verfechter gegenreformatorischer Ideen musste 1563 geloben, Hameln die evangelische Lehre zu belassen. 1576 wird auch das Stift St. Bonifatius protestantisch.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur napoleonischen Zeit

Der Dreißigjährige Krieg brachte für Hameln das Ende einer vom Mittelalter ausgehenden Aufwärtsentwicklung in stadtpolitischem und wirtschaftlichem Bereich. Von 1625 bis 1633 war die Stadt durch kaiserliche Truppen Tillys besetzt, die durch ständige Kontributionen die Stadt und ihre Bürgerschaft erschöpften.

Die Schlacht bei Hessisch Oldendorf 1633 zwang zwar die kaiserliche Besatzung in Hameln zur Kapitulation – aber die schwere Last des Krieges musste die Bürgerschaft weiter tragen: An die Stelle der kaiserlichen Kompanien traten nun wesentlich höhere Kosten für die Unterhaltung der Truppen Herzog Georgs von Braunschweig; die evangelische Lehre jedoch konnte wieder ungehindert in Hameln verkündet und gelehrt werden.

Mit dem Ende des Krieges verlor die Stadt Hameln an Bedeutung zugunsten des Landesfürstentums: In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bauten die Welfen Hameln zur Landesfestung aus; nicht mehr die Bürger, sondern fürstliche Söldner wurden nun für die Verteidigung der Stadt zuständig. Die Festungswerke, bis dahin in städtischer Regie errichtet, ließ fortan der Landesherr erbauen. Seitdem galt Hameln als „Haupt- und Prinzipalfestung“ des Fürstentums. Auch die freie Selbstverwaltung, welche die Bürger Hamelns jahrhundertelang behauptet hatten, ging Ende des 17. Jahrhunderts weitgehend verloren.

Nach Absetzung von Bürgermeister und Rat der Stadt erhielt Hameln durch Herzog Ernst August 1688 eine neue Stadtverfassung: Ein landesherrlicher Vogt wurde dem Stadtregiment als Schulze verantwortlich und leitend zugeordnet. 1690 kam auf herzogliche Veranlassung hin eine Gruppe von über 100 Hugenotten als Glaubensflüchtlinge nach Hameln; sie bildete den Kern der „französischen Kolonie“, die sich Anfang des 18. Jahrhunderts auf etwa 650 Mitglieder vergrößerte und das Hamelner Wirtschaftsleben günstig beeinflusste.

Im Siebenjährigen Krieg wurde die Festung Hameln, der „clef d’Hanovre“, nach der Schlacht bei Hastenbeck 1757 kampflos den Franzosen überlassen. Während der Napoleonischen Kriege wechselten die Besatzungen in Hameln häufiger: 1801 waren die Preußen, 1803–1806 die Franzosen, 1806 wiederum die Preußen und 1806–1813 wieder die Franzosen Herren in der Stadt. 1808 erfolgte auf Befehl Napoleons die vollständige Schleifung sämtlicher Festungsanlagen in der Stadt und auf dem Klüt. Hameln wurde somit zur offenen Stadt. Von 1810 bis 1813 – unter König Jérôme von Westphalen – war Hameln Mittelpunkt eines Kantons im Distrikt Rinteln des Leinedepartements. Ein in der Stadt aufgestelltes Landwehr-Bataillon gelangte auch in der Schlacht bei Waterloo zum Einsatz.



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