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Das hätte an der Hafenstraße böse enden können / Kaminkehrer warnen vor Experimenten

Dichter Schornstein - dicke Luft mit Risiko

Rinteln (ur). "Ich traute mich kaum noch, irgendjemandem davon zu erzählen - die Leute mussten doch denken, ich spinne", erinnert sich Hausfrau M., die gemeinsam mit ihrem Sohn eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Hafenstraße bewohnt.

veröffentlicht am 18.11.2006 um 00:00 Uhr

Schornsteinfegermeister Rainer Barkhausen bei einer Kaminkontrol

Immer wieder herrschte "dicke Luft" in ihrer Küche und an der Wand floss das Wasser, das offenbar aus der Gastherme drang. "Mein Vermieter setzte sich dann auch sofort mit einem hiesigen Betrieb für Heizungsinstallationen in Verbindung. Die kamen dann auch, überprüften das Gerät, bastelten daran herum - aber eine Besserung trat nicht wirklich ein." Nachdem bereits der zehnte Versuch zur Abstellung dieses lästigen Störfaktors keinen Erfolg hatte, wurde schließlich ein Service-Fachmanndes Geräteherstellers Viessmann mit der Inspektion beauftragt - und der stellte nach gründlichem Check der Therme fest: "Das Gerät ist in Ordnung - aber der Schornstein ist dicht." Und als der für diesen Kehrbezirk zuständige "schwarze Mann" auf das Dach stieg, war die Ursache für die Verstopfung schnell ermittelt: Eine Vogelfamilie hatte sich dort nach der letzten Kaminprüfung eingerichtet und dadurch konnte die Abluft der Therme nur begrenzt abziehen. Für Bezirksschornsteinfegermeister Harry Denz wird damit einmal mehr deutlich, wie wichtig regelmäßige Inspektionen sind: "Was hätte da alles passieren können? Da ist zum einen die gesundheitliche Gefahr, dann aber auch das Risiko, dass sich eine Explosion entwickelt." Immer wieder werde von leichtfertigen Kritikern so getan, als ob es in der deutschen Pflicht zu regelmäßigen Inspektionen nur darum ginge, den Schornsteinfegern eine Pfründe zu sichern und damit die Gebühren zu kassieren. "Umgekehrt wurde ein Schuh daraus: Solange der Schornsteinfeger seine Arbeit Haus bei Haus im regelmäßigen Zyklus verrichte, werden die Belastungen für den einzelnen gering gehalten - und das bei einem Höchstmaß von Sicherheit." Wenn die EU darauf dränge, in Deutschland die Kaminsicherheit auf das europäische Minimalmaß zurückzudrängen, werde es auf Dauer auch dazu kommen, dass ebenso wie in Italien, Spanien oder Belgien Jahr für Jahr viele Tote und zahlreiche vermeidbare Brände, Verpuffungen und Explosionen zu verzeichnen seien, die bei uns weitgehend vermieden werden könnten. Zum Glück habe man für das kommende Jahr eine bundesweit gültige Regelung gefunden, bei Öl- und Gasheizungen grundsätzlich Heizanlage und Schornstein zusammen zu prüfen - im übrigen sei aber auch den Installations-Handwerkern zu raten, in Fällen wie diesem aus Rinteln rechtzeitig den Kontakt mit dem zuständigen Schornsteinfeger zu suchen: "Wir sind keine Prinzipienreiter, aber wir kennen die Gefahr, wenn die Sicherheit vernachlässigt wird!"

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