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Neuer Gemeindereferent in Hohnhorst ist Missionsarbeiter / Einführung am 30. September

Deutschland-Burundi und wieder zurück

Hohnhorst (os). Die evangelische Kirchengemeinde in Hohnhorst bekommt personelle Verstärkung. Mit der offiziellen Einführung am 30. September durch Superintendent Andreas Kühne-Glaser beginnt das Wirken von Gemeindereferent Jürgen Wiegel. Bis vor Kurzem war er noch missionarisch in Burundi und Sambia tätig und hat mit seiner Familie Anfang des Monats sein neues Heim in Ohndorf bezogen.

veröffentlicht am 27.09.2007 um 00:00 Uhr

Unsere Zeitung stattete dem ordinierten Pastor einen Besuch ab. Als die Tür geöffnet wird, tritt ein ruhiger, verschmitzt lächelnder Mann heraus. Sieht man den zukünftigen Hohnhorster Gemeindereferenten zum ersten Mal, fällt es schwer zu glauben, das er elf Jahre in einem der am stärksten von Bürgerkriegen geschüttelten Regionen des afrikanischen Kontinents gearbeitet hat. Burundi, das Land, in das Wiegel 1993 erstmals einreist, um seine Arbeit als Missionar aufzunehmen ist zu diesem Zeitpunkt noch friedlich. "Man konnte nachts auf die Straße gehen, ohne Gefahr zu laufen, dass einem etwas passiert", erzählt der 45-jährige. Acht Monate später jedoch kommt es, wie so oft in der Geschichte des Landes zu Ausschreitungen. Wiegel und seine Frau Monika finden sich in einem Konflikt wieder, der in den folgenden Jahren stetig an Intensität zunimmt und den Staat am Ende in einem katastrophalen Zustand hinterlässt. Heute zählt Burundi zuden fünf ärmsten Ländern der Welt. "In dieser Not können sie die Menschen aber nicht einfach allein lassen", erläutert Wiegel seine Motivation, dennoch zu bleiben. Gemeinsam mit einheimischen Helfern organisiert das Ehepaar die zum Leben notwendigsten Dinge, um die in ihrer Region eintreffenden Flüchtlinge zumindest grundlegend versorgen zu können. Dennoch leisten die Dolmetscherin aus Nümbrecht im Oberbergischen und der gelernte Bankkaufmann aus Gödenstorf in der Lüneburger Heide ihren Drei-Jahres-Vertrag voll ab. In den Jahren darauf gehen sie noch zwei Mal nach Burundi und erweitern ihr Arbeitsfeld. Witwenbetreuung, Bauprojekte und Flüchtlingshilfe werden außer der Mitarbeiter-Ausbildung vorangetrieben. Als das Ehepaar im August 2004 nach Sambia umsiedelt, zieht es eine positive Bilanz. Zurück in Deutschland nimmt Wiegel das Angebot der Hohnhorster Martins-Gemeinde an und übernimmt die Stelle des Gemeindereferenten. Vor allem die beiden Kinder Marlena und Jonathan, die das Ehepaar in Burundi adoptiert hatte, sollen nun Zeit finden, sich auf die Schule zu konzentrieren. Für die gesamte Familie bedeutet der Wechsel nach Deutschland eine Umstellung. Eine andere Kultur sei es, viel individualistischer und auch der Zeitfaktor spiele hier eine Rolle, die Wiegel inzwischen nicht mehr recht nachvollziehen könne. Man werde reifer durch die Erfahrungen in Burundi und manche Probleme in Deutschland seien bei genauerem Hinsehen "Peanuts". Die künftigen Tätigkeitsfelder Wiegels werden weniger nervenaufreibend sein. Seelsorge, Mitarbeiterbetreuung und der Aufbau einer Männergruppe, aber auch Kindergottesdienste und Konfirmandenunterricht fallen dann in seinen Aufgabenbereich.

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